Erdölförderung unterstützt durch einen Pilz – Ein spannendes Projekt der Wintershall

Wie kann ein Pilz die Förderung von Erdöl fördern, mag sich der geneigte Leser fragen. Die Antworten gibt es kurz zusammengefasst in den folgenden Zeilen zu lesen. Alles weitere kann jedermann, dessen Interesse geweckt wurde, bei den weiterführenden Verweisen erfahren.

Seit 2011 forscht der nach eigenen Angaben größte deutsche Erdölproduzent Wintershall zusammen mit seinem Mutterkonzern BASF ein einem sogenannten Enhanced Oil Recovery (EOR)-Projekt. Diese EOR-Projekte sind in der Fachwelt auch als „Tertiäre Fördermethoden“ bekannt. Projekte dieser Art sind in Deutschland kein Neuland. So wurde und wird im Westemsland bzw. in der Grafschaft Bentheim in den Erdöllagerstätten „Rühlertwist“, „Rühlermoor“, „Emlichheim“ sowie „Georgsdorf“ Heißdampf in die Erdöllagerstätten gepresst, um diese aufzuheizen und das dort lagernde zähflüssige Erdöl fließfähiger zu machen1)Broschüre des Erdöl-Erdgas-Museum Twist. Website des Museums: http://www.erdoel-erdgas-museum-twist.de. Eine weitere, auch in Deutschland bereits erprobte Methode ist das sogenannte „Chemikalienfluten“, bei dem Polymere in das Lagerstättenwasser eingebracht (injiziert) werden, um dieses einzudicken. In Deutschland wurden dazu je nach Unternehmen Xanthan2)http://www.zusatzstoffe-online.de/zusatzstoffe/153.e415_xanthan.html (als Verdickungsmittel in Lebensmitteln enthalten) oder Polyacrylamid3)http://flexikon.doccheck.com/de/Polyacrylamid (als Flockungsmittel in der Abwasseraufbereitung eingesetzt) verwendet4)Dipl.-Ing A. Möhring: Zur tertiären Erdölgewinnung. Aus Kostengründen sind diese Projekte aber Mitte der 1990er Jahre aufgegeben worden.

EEW-Bohranlage T-47 während des Umbaus auf dem Bohrplatz des EOR-Projektes in Bockstedt im März 2012 chef79

EEW-Bohranlage T-47 während des Umbaus auf dem Bohrplatz des EOR-Projektes in Bockstedt im März 2012 ©chef79

Nun erprobt die Wintershall im Erdölfeld Bockstedt bei Diepholz eine neuartige Methode der tertiären Erdölförderung. Anstelle der bisher beim Polymerfluten eingesetzten künstlich erzeugten Substanzen soll nun ein „Biopolymer“ eingesetzt werden, das durch einen Pilz erzeugt wird. Hierbei handelt es sich um den „Gemeinen Spaltblättling“ (Schizophyllum commune), einen Pilz, der in allen Laub- und Nadelwäldern der Welt anzutreffen ist. Dieser Pilz erzeugt bei der „Zufütterung“ von Stärke und Sauerstoff ein Polymer auf biologischer Basis5)Forschungsprojekt in Bockstedt. Um die Feldtauglichkeit des Verfahrens zu testen, wurde die Lagerstätte Bockstedt ausgewählt. Die ersten Bohrungen des Projektes (3 Förderbohrungen, ein Injektor) wurden Ende 2011/Anfang 2012 niedergebracht (eigene Beobachtungen sowie frdl. Mitteilungen). Seit Ende 2012 läuft der Feldtest, der für einen Zeitraum von 2 Jahren angedacht ist[5]. Dabei soll ermittelt werden, ob das Biopolymer, wie angedacht, das Lagerstättenwasser unter Lagerstättenbedingungen (hoher Druck und hohe Temperatur) andicken kann, so dass es die Viskosität (Zähflüssigkeit) von Erdöl erreicht, um dieses vor sich hin zu den Förderbohrungen zu schieben. Dabei soll der Entölungsgrad (der gewinnbare Anteil des Erdöls in der Lagerstätte) von 35 % auf 45 % erhöht werden 6)Naturwunder aus dem Wald – Ein Pilz hilft bei der Erdölförderung. Aktuell werden weitere Bohrungen im Rahmen des Projektes abgeteuft. Hierfür zeichnet sich, wie schon bei den vorangegangenen Bohrungen die Firma Erdöl-Erdgas Workover aus Salzwedel aus (frdl. Mitteilungen). Hierbei möchte der Verfasser es bewenden lassen. Mehr Informationen findet der interessierte Leser in den Links sowie in einem informativen Video der Wintershall (LINK).

Quellenverzeichnis   [ + ]

1. Broschüre des Erdöl-Erdgas-Museum Twist. Website des Museums: http://www.erdoel-erdgas-museum-twist.de
2. http://www.zusatzstoffe-online.de/zusatzstoffe/153.e415_xanthan.html
3. http://flexikon.doccheck.com/de/Polyacrylamid
4. Dipl.-Ing A. Möhring: Zur tertiären Erdölgewinnung
5. Forschungsprojekt in Bockstedt
6. Naturwunder aus dem Wald – Ein Pilz hilft bei der Erdölförderung

6 Kommentare zu Erdölförderung unterstützt durch einen Pilz – Ein spannendes Projekt der Wintershall

  • Kelly sagt:

    Bio-find ich gut.

    1. Ludvik Medved sagt:

      Und wenn das gleiche Polymer aus einer Chemiefabrik stammen würde?
      Wäre es dann nicht mehr gut?

      1. istvanadler sagt:

        Hallo Ludvik Medved: Das von Kelly ist ein Scherz. Letzten Endes stammt das Biopolymer aus einer Chemiefabrik, nämlich aus den Badischen Anilin und Soda Fabrik (BASF).

        Nicht alles so ernst nehmen.

  • […] Der neue Bohrplatz wird unmittelbar neben einem bestehenden Betriebsplatz errichtet. Auf diesem befinden sich mehrere Produktionsbohrungen sowie eine Injetionsbohrung. Über diese Injektionsbohrung wird eine mit einem Pilz versetzte Flüssigkeit in das Salzwasser unterhalb des ölführenden Bereichs eingebracht. Unter „Fütterung“ mit Stärke sowie Zuführung von Sauerstoff bildet der „Gemeinen Spaltblättling“ (Schizophyllum commune) ein „Schizophyllan“ genanntes Biopolymer. Dadurch soll das Salzwasser angedickt werden, so dass es noch in den Gesteinsporen enthaltenes Erdöl herausdrückt, wodurch die Entölung der Lagerstätte, also die Ausbeuterate, erhöht werden soll. Seit Ende 2012 wird der Feldversuch im Erdölfeld Bockstdt durchgeführt. Ein Ergebnis, ob dieser Versuch von Erfolg gekrönt ist, steht bislang aus (Siehe dazu Erdölförderung unterstützt durch einen Pilz – Ein spannendes Projekt der Wintershall). […]

  • […] Neuinterpretation mit modernster Technik der Lagerstätte. Darüber haben wir u.a. in den Artikeln Erdölförderung unterstützt durch einen Pilz – Ein spannendes Projekt der Wintershall, Elektromagnetische Messungen im Erdölfeld Bockstedt sowie  Seismische Untersuchungen im Gebiet […]

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