Niedersachsen: Erschwerung der Genehmigung von Erdgasgewinnungsprojekten Teil I

Seit fast drei Jahren stockt die Genehmigung von Fracmaßnahmen in niedersächsischen Erdgaslagerstätten. Das ist bedingt durch die Unterstellung, dass dieses Standardverfahren angeblich zu massiven Umweltbeeinträchtigungen in den USA im Zusammenhang mit der Schiefergasförderung geführt haben soll. Unter Betrachtung der gesamtwissenschaftlichen Erkenntnisse hat diese Unterstellung jedoch wenig Bestand. Weiterhin verantwortlich für die Diskussion sind räumlich eng begrenzte Kontaminationen an Lagerstättenwasserleitungen aus Polyethylen. Dieser erste Teil zur nunmehr bekanntgewordenen Erschwerung der Genehmigung von Erdgasgewinnungsprojekten in Niedersachsen soll zunächst die Hintergründe der Debatte beleuchten. Aufgrund der Komplexizität ist das nur übersichtsartig möglich. In einem zweiten folgenden Teil wird die Pressemitteilung der verantwortlichen Minister dazu kommentiert.

1. Einleitende Anmerkungen

In niedersächsischen Erdgaslagerstätten wurden seit 1961 Fracarbeiten durchgeführt. Insgesamt kamen bis zum Stopp 2011 über 300 Einzelmaßnahmen in mehr als 100 Bohrungen zusammen. 1)Anzahl Fracs seit 1961 in Deutschland Die Umweltschäden beliefen sich dabei auf sage und schreibe NULL. 2)Fracking nicht verteufeln! Das trifft selbstverständlich auch auf Grundwasserkontaminationen zu, die seitens der Gegnerschaft quasi als zwangsläufige Folge der Anwendung von Hydraulic Fracturing angesehen werden, obwohl es bei über 2 Millionen durchgeführten Fracmaßahmen nach Recherchen der Shale Gas Information Platform lediglich zu einem einzigen Grundwasserschaden gekommen sein soll. 3)Interview mit Brian Horsfield über Schiefergas und Hydraulic Fracturing Dabei wurde nach Nachforschungen der New York Times lediglich ein einziger Hausbrunnen kontaminiert. Dieser Fall trat bereits in den 1980er Jahren und somit 20 Jahre vor dem Einsetzen der Schiefergasgewinnung auf. 4)Documents: A Case of Fracking-Related Contamination Das Risiko einer Grundwasserverschmutzung ist somit als sehr gering einzustufen.

Andere Fälle, wie z.B. angebliche Methankontaminationen infolge von Fracarbeiten, wie z.B. in „Gasland“ behauptet, stellten sich in verschiedener Hinsicht als unwahr heraus. 5)Fracking in den USA – ‘Gasland’ und die Fakten6)Colorado Oil and Gas Conservation Commission (COGCC) (on “Gasland”/zu “Gasland”) Zum einen waren sie Folge natürlicher Zutritte von biogenem Methan, wovon auch der „Gasland“-Macher Josh Fox Kenntnis hatte, 7)Gasland director hides full facts zum anderen waren sie wahrscheinlich auf unzureichende Bohrlochabdichtungen zurückzuführen. Von der Gegnerschaft sowie zahlreichen Medien wurden diese Fälle jedochdem Hydraulic Fracturing zugeschrieben. So titelte z.B. SpiegelOnline: 8)Studie über Pennsylvania: Fracking treibt Gase ins Trinkwasser

Studie über Pennsylvania: Fracking treibt Gase ins Trinkwasser

In der Studie stand aber wortwörtlich folgendes: 9)Increased stray gas abundance in a subset of drinking water wells near Marcellus shale gas extraction

The two simplest explanations for the higher dissolved gas concentrations that we observed in drinking water are (i) faulty or inadequate steel casings, which are designed to keep the gas and any water inside the well from leaking into the environment, and(ii) imperfections in the cement sealing of the annulus or gaps between casings and rock that keep fluids from moving up the outside of the well (4, 40 – 42).

Hydraulic Fracturing wird als Ursache quasi ausgeschlossen. Dennoch behauptete in ihrer gewohnten Dreistigkeit und mangelhaften Sachkenntnis die Gegnerschaft: 10)Duke Study findet höhere Gaskonzentrationen im Trinkwasser nähe von Gasbrunnen

Wieder ein Beleg mehr dafür, dass man das Fracking nicht beherrscht! An Schiefergas-Bohrstellen lebt es sich in den USA gefährlicher. Wissenschaftler  fanden heraus, dass die Methan Konzentration im Durchschnitt sechsmal  und die Ethan Konzentration sogar 23 mal  höher als allgemein üblich ist.

Von „Fracking“ als belegter Ursache ist in der Studie genausowenig etwas zu lesen gewesen wie von einer erhöhten Gefährlichkeit durch das Vorhandensein vom Methan sowie weiteren Alkanen. Diese Aussage ist eine freie Erfindung der Gegnerschaft, die zu ihrem Beitrag vorsichtshalber auch nicht die Studie selbst als Beleg anführt, wie es eigentlich üblich ist, sondern eine Zusammenfassung der Umweltgruppe EcoWatch. In dieser Zusammenfassung ist zudem der interessante Satz zu lesen: 11)Duke Study Finds Higher Gas Levels in Drinking Water Wells Near Marcellus Fracking Sites

None of the studies found evidence of current contamination by hydraulic fracturing fluids.

Diesen bedeutungsvollen Satz, der einmal mehr widerlegt, dass die Kontaminierung durch Fracfluide zwangsläufig sei, hat die deutsche Gegnerschaft offenbar nicht zur Kenntnis genommen. Und dass obwohl er nicht von der Industrie stammt, sondern von mehr oder weniger Gleichgesinnten.

2. Die Rolle der Medien

Schiefergaserkundungsbohrung Oppenwehe 1 Quelle: WEG Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V.

Schiefergaserkundungsbohrung Oppenwehe 1
Quelle: WEG Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V.

Trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass Hydraulic Fracturing nicht das Gefährdungspotenzial besitzt, wie unterstellt, ließen sich die Medien vom Widerstand der Bürgerinitiativen beeindrucken. Die Gründe dafür dürften mehrschichtig sein.

Zum einen ist es mit den Aktivitäten der Gegnerschaft zu erklären, die von Anbeginn der Debatte gute Kontakte zu verschiedenen Medien herstellten. So trat der beim WDR angestellte und oft als „Wirtschaftsexperte“ oder „Energieexperte“ betitelte Jürgen Döschner, welcher einst Journalismus und Geschichte studiert hat, 12)Kurzbiographie Jürgen Döschner was seine Expertise auf den genannten Gebieten mehr als fraglich erscheinen lässt, zu einem Vortrag im Januar 2011 bei der kurz zuvor gegründeten BI “Gegen Gasbohren” auf. 13)Vortrag zur Radioaktivität bei Gasbohrungen

Dabei fällt Döschner regelmäßig dadurch auf, dass er alles schlecht redet, was mit Energiegewinnung aus fossilen Energiequellen in Zusammenhang steht und im Gegenzug die sogenannte Energiewende trotz ihrer zahlreichen Unzulänglichkeiten bejubelt. Das bestätigt nicht nur bei Erdöl-Erdgas-Deutschland den Eindruck, dass Döschner sich eher seiner politischen Orientierung bedient statt der Sachlage. Das belegt z.B. ein Kommentar zur Erdölhavarie am Speicher Etzel, der auf einen technischen Fehler an einer oberirdischen Armatur beruhte, Herr Döschner allerdings bei Radio Bremen über angeblich nicht existierende unterirdische Raumordnung kommentierte, also komplett am Sachverhalt vorbei. 14)ARD-”Energieexperte” kommentiert zur Ölhavarie in Etzel am Sachverhalt vorbei

Aber auch in lokalen und regionalen Medien wird häufig der Gegnerschaft das Wort geredet bzw. ihren Aussagen unmittelbar gefolgt sowie deren Aktionen durch Beiträge unterstützt. So fand vor einigen Wochen eine Anti-Fracking-Demo an der Erdgasbohrung „Bötersen Z11“ bei Rotenburg/Wümme statt. Die magere Anzahl von 200 Protestlern fand sich dabei ein, die aus verschiedenen Regionen Niedersachsens, aus Hamburg sowie aus Schleswig-Holstein anreisten. Dennoch wurde von dieser unbedeutenden Demo berichtet 15)Fracking-Gegner fordern Verbot ebenso wie vor wenigen Tagen von einer Blockade einer Lagerstättenwasserversenkbohrung, an der den beigefügten Bildern zufolge unter 10 ortsfremde Personen teilnahmen. Dennoch titelte der NDR: 16)Bürger wollen kein giftiges Abwasser in Oerrel

Bürger wollen kein giftiges Abwasser in Oerrel

Mit solchen Schlagzeilen lässt sich im Sinne der Gegnerschaft Stimmung machen, denn schließlich wird sich kaum jemand die Mühe machen, solche Aussagen kritisch zu hinterfragen. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass im Beitrag nachweislich Falschaussagen getroffen wurden. 17)NDR streut Falschinformationen zum Lagerstättenwasser Aber das wird von der Mehrheit der Konsumenten ebenfalls in Kauf genommen, da derlei Berichterstattung Glauben geschenkt wird.

Als weiterer Aspekt soll noch angeführt werden, dass Studien, sofern sie nicht ins Weltbild der politisch mehrheitlich grün-links eingestellten Journalisten weitestgehend ignoriert werden. Zum Thema Hydraulic Fracturing wird fast ausschließlich die Studie im Auftrag des dem Bundesumweltministerium unterstellten Umweltbundesamtes (UBA) hinzugezogen. 18)Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten (Kurzfassung)

Diese Studie fiel durch zahlreiche geowissenschaftliche  Defizite auf, wie z.B. diese (Auswahl):

Lagerstättentyp: Tight Gas (Speichergesteine)
Aussichtsreichste Vorkommen: Permische Sandsteine (Rotliegend) und Karbonate (Zechstein)
Regionen: Nordostdeutsches Becken (z.B. Leer) (NI)

Nicht nur dass die Karbonate des Zechsteins (welche eigentlich genau? Eigentlich ist nur das Staßfurtkarbonat des zweiten Zechsteinzyklus, deshalb auch als Ca2 bezeichnet, als Speichergestein bekannt) nicht zu Tightgaslagerstätten zählen, nein auch die ostfriesische Ortschaft Leer im Nordwesten Deutschlands wird einfach in das „Nordostdeutsche Becken“ verlagert. Das ist einfach nur peinlich!

Entsprechend solcher Unzulänglichkeiten verfasste zunächst die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) eine scharfe Kritik an der Studie im Auftrag des UBA. 19)BUNDESANSTALT FÜR GEOWISSENSCHAFTEN UND ROHSTOFFE HANNOVER – Stellungnahme der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zum Gutachten des Umweltbundesamtes (UBA) „Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten – Risikobewertung, Handlungsempfehlungen und Evaluierung bestehender rechtlicher Regelungen und Verwaltungsstrukturen“ Diese Kritik wurde in der Medienlandschaft als Streit zwischen dem UBA und der BGR abgetan. 20)Fracking: Bundesbehörden streiten über Gasförderung Eine weitere Kritik der BGR in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Geologischen Diensten (SGD) fand überhaupt keinen Niederschlag mehr in den Mainstreammedien. So lässt sich die öffentliche Meinungsbildung natürlich auch beeinflussen, indem kritische Aussagen von Fachbehörden der Öffentlichkeit einfach vorenthalten werden.

 Eine Erklärung für dieses Verhalten des deutschen Mainstreamjournalismus dürfte die politische Ausrichtung zahlreicher Journalisten sein. Diese ist zu einem nicht unerheblichen Teil laut einer Studie der FU Berlin aus dem Jahr 2010 im grünen und linken Lager zu verordnen. Diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich immerhin 26,9 Prozent der Journalisten der Partei Bündnis90/Die Grünen zugeneigt fühlen und damit die zweitgrößte Gruppe hinter denen ohne parteiliche Zuneigung darstellen. 21)Magreth Lünenborg, Simon Berghofer (2010): POLITIKJOURNALISTINNEN UND -JOURNALISTEN
Aktuelle Befunde zu Merkmalen und Einstellungen vor dem Hintergrund ökonomischer und technologischer Wandlungsprozesse im deutschen Journalismus Eine Studie im Auftrag des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes (DFJV) und der Gesellschaft für Fachjournalistik

Dementsprechend ist es wenig verwunderlich, dass überwiegend wenig differenziert über das Thema berichtet wird. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass es vielen Journalisten am naturwissenschaftlich-technischen Verständnis mangeld. Als Beispiel wurde Jürgen Döschner genannt, aber auch Stefan Schultz von SpiegelOnline wäre ein Beispiel. Dieser schreibt häufig Beiträge zur sogenannten Energiewende. Schultz, Jahrgang 1980, studierte Medienkultur, Politik und Britische Literatur in Hamburg und Lissabon (M.A.). 22)Impressum: Stefan Schultz Es stellt sich die Frage, wo der Zusammenhang zwischen den aufgeführten Fachgebieten und fragen der Energieerzeugung besteht.

3. Reaktionen in der politischen Landschaft

Verbreitung des Posidonienschiefer in Deutschland. Rot schraffiert Gebiete mit Schiefergaspotenzial. Quelle: BGR*

Verbreitung des Posidonienschiefer in Deutschland. Rot schraffiert Gebiete mit Schiefergaspotenzial. Quelle: BGR*

Von der Debatte um die vermeintliche Umweltgefährdung des bis heute nachweislich unfallfrei in Deutschland durchgeführten Hydraulic Fracturings ließ sich auch die deutsche Politik auf sämtlichen Ebenen, angefangen von der Kommunalpolitik bis hin zur Bundespolitik, beeinflussen. Dabei sind politische Entscheidungen weniger an wissenschaftlich herausgearbeitete Erkenntnisse geknüpft, sondern mehr an die Stimmungslage der Bevölkerung, die wiederum auf der weltanschaulich wenig neutralen Berichterstattung der sogenannten Mainstreammedien fußt, wie im Abschnitt 2 erläutert.

Noch Ende des  Jahres 2010 überschlugen sich die Medien mit Aussagen über das Vorhandensein unerschlossener Erdgasvorkommen in riesigen Mengen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Heute, fast dreieinhalb Jahre später, ist darüber kaum noch etwas zu finden. Teilweise jedoch schon. Abgeneigt war die Kommunal- und Landespolitik dem Vorhaben damals wohl nicht, vor allem aus pekunären Gründen: 23)Riesige Erdgasfelder in NRW

Die internationalen Energiekonzerne haben sich bereits Bohrrechte in Nordrhein-Westfalen reserviert, das Land und die Kommunen hoffen auf eine neue Geldquelle[…]

Aber schon damals gründeten sich erste Bürgerinitiativen, wie z.B. in Nordwalde im Münsterland. Schließlich habe man etwas von schädlichen Folgen gehört (!), also muss man von Anbeginn opponieren: 24)Milliarden Kubikmeter Gas sollen in deutschem Boden schlummern

Freilich sind einige Anlieger alles andere als begeistert von der Aussicht auf unzählige Förderanlagen vor ihren Fenstern: So haben Bürger in Nordwalde mit einer Unterschriftensammlung gegen das Objekt protestiert.

Woher diese jedoch die Erkenntnis haben, dass es zu zahlreichen Förderanlagen kommen würde, blieb damals wie heute deren Geheimnis. Schließlich waren lediglich Erkundungen anberaumt, die das Vorhandensein und die eventuelle Förderbarkeit des Erdgases erkunden sollten.

Jedenfalls reagierte die Politik in Nordrhein-Westfalen (fast) prompt und gab ein Gutachten zur Risikoabschätzung des Einsatzes von Hydraulic Fracturing in Auftrag. „Zufällig“ an fast dieselben Firmen an die auch das UBA seine Studie vergeben hat. Ein kleiner Hinweis zum Nachdenken an dieser Stelle: 2011 wurde das Bundesumweltministerium von Herrn Dr. Norbert Röttgen aus NRW geleitet. Sowohl die Studie im Auftrag des UBA als auch die der rot/grünen Landesregierung von NRW wurden an privatrechtliche Unternehmen aus NRW vergeben.

Die Studie kam dementsprechend ähnlich wie die UBA-Auftragsstudie zu dem Ergebnis, dass die Risiken des Einsatzes von Hydraulic Fracturing, fälschlicherweise als „Bohrtechnologie“ bezeichnet, angeblich nicht abschätzbar wären: 25)Umweltministerium und Wirtschaftsministe­rium legen Risikogutachten zu Fracking vor

Der Schutz der Menschen und der Umwelt hat für die Landesregierung oberste Priorität. Daher nehmen wir die Ergebnisse des Gutachtens ernst. Der Einsatz der Fracking-Technologie kann derzeit und bis auf Weiteres in NRW nicht genehmigt werden

Laut eines Erlasses der Landesregierung 26)Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten – Genehmigung von Bohrungen unterschiedlichster Art sind außerdem Erkundungsbohrungen auf unkonventionelle Lagerstätten nicht genehmigungsfähig, in denen allein rein theoretisch Fracarbeiten durchgeführt werden können. Nur ist das auch innerhalb von Kernbohrungen möglich, die der geologischen Erkundung und der Abschätzung des Gasgehaltes der potenziellen Speichergesteine dienen. Somit besteht quasi eine Nichtgenehmigungfähigkeit solcher Bohrungen, bzw. wird bei solcher unsicheren Genehmigungslage kein Unternehmen auf die Idee kommen, unkonventionelle Potenziale zu erkunden. Damit ist eine Durchführung solcher Erkundungsbohrungen ausgeschlossen, obwohl diese unabdingbar zur Klärung geologischer Gegebenheiten sind. Diese Klärung ist aber erforderlich, um die unterstellten Risiken zu widerlegen.

Im Zusammenhang mit der Genehmigung von Aufsuchungserlaubnissen auf Kohlenwasserstoffe, also Erdöl und Erdgas, in Schleswig-Holstein (SH) widmete sich die dortige rot-grüne Landesregierung ebenfalls des Themas Hydraulic „Fracking“ Fracturing. Dabei wird von Seiten von Bürgerinitiativen sowie dem NDR unterstellt, dass in den Gebieten nach unkonventionellen Lagerstätten gesucht werden soll, für deren Erschließung Hydraulic Fracturing unabdingbar ist. Dabei weist die BGR überhaupt keine entsprechenden Potenziale aus. 27)Abschätzung des Erdgaspotenzials aus dichten Tongesteinen (Schiefergas) in Deutschland Zudem gibt das Umweltministerium von SH zu, dass zwischen 1954 und 1994 durchgeführte Fracmaßnahmen in ostholsteinischen Erdölfeldern zu keinen Umweltbeeinträchtigungen geführt haben. Der Umweltminister von SH, Dr. Robert Habeck, bezeichnet das Verfahren dennoch als „umwelttoxisch“. 28)Umweltminister Habeck stellt Vorgehen gegen umwelttoxisches Fracking vor Ein reiner Phantasiebegriff, dem sich inzw. auch andere Politiker, ja sogar die Bundesregierung, angenommen haben. Dazu mehr in Teil II.

In Hessen wurde der Antrag auf eine Aufsuchungserlaubnis auf Kohlenwasserstoffe zurückgewiesen. Es ist zwar klar gewesen, dass die Beantragung der Erlaubnis der Untersuchung unkonventioneller Erdgaspotenziale dienen sollte, auch wenn soetwas aus Gründen des Schutzes vor Konkurrenz nicht explizit erwähnt wird und auch nicht erwähnt werden muss.. Dennoch genügte die allgemeine Kenntnis, dass die damals schwarz-gelbe Landesregierung vor dem Hintergrund der anstehenden Landtagswahl Studien in Auftrag gab, die zu dem Ergebnis kamen, dass eine Gewinnung von Schiefergas nicht lohnenswert wäre und allgemeinen öffentlichen Interessen widerspräche. Bis heute ist nicht klar, wie die Studienverfasser VOR Beginn von Erkundungsarbeiten die Studienautoren zu dieser Erkenntnis kamen, welche sachlich gesehen nur das Ergebnis eben solcher Erkundungsarbeiten sein kann. Mangelnde Sachkenntnis beweist in diesem Zusammenhang u.a. der SPD-Politiker Timon Gremmels. Dieser wird in einem Artikel der HNA, auf den sich auch die anderen Anmerkungen zur politischen Entscheidung in Hessen berufen, zitiert: 29)Vorerst kein Fracking in Nordhessen: Anweisung von Umweltministerin

Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Landesregierung unserer Forderung jetzt nachkommt und eine Erlaubnis zu Aufsuchung mittels Fracking nicht erteilt werden wird. Der heutige Tag ist ein guter Tag für die Mensch und Umwelt in Nordhessen.

Eine „Aufsuchung mittels Fracking“ gibt es nicht. Spezielle Maßnahmen, die der Optimierung einer Förderung dienen sollen, sind nicht Inhalt des Antrages zur Genehmigung einer Aufsuchungserlaubnis. Vielmehr soll im Rahmen des Genehmigungsverfahrens einer Aufsuchungserlaubnis die etwaige Kollision zwischen der Gewinnung von Rohstoffen und anderen Interessen eroiert werden. Das ist in Hessen aus wahlkampftechnischen sowie ideologischen Gründen unterbunden worden. Schließlich passt die Gewinnung fossiler Energieträger in der (ver)öffentlich(t)en Meinung nicht mehr nach Deutschland. Die BGR weist übrigens für Nordhessen kein Schiefergaspotenzial aus und es wäre mit einem Rückzug von BNK zu rechnen gewesen, wie zuvor schon in Thüringen. Dort hat die Auswertung geologischer Altdaten ergeben, dass kein Potenzial vorhanden ist. Im übrigen bedarf es zur Auswertung solcher Altdaten der Erteilung einer Ausuchungserlaubnis, sofern die Daten von anderen Firmen erhoben worden sind.

Ähnlich verhält es sich in Baden-Württemberg. Dort bestehen im Umfeld des Bodensees zwei Aufsuchungserlaubnisse, die ebenfalls auf unkonventionelle Potenziale abzielen sollen. Auch für diese Region wird durch die BGR kein Potenzial ausgewiesen. Dennoch standen diese Aufsuchungserlaubnisse sogar im Fokus eines angesonnenen Gesetzentwurfes zur Regulierung der Schiefergasgewinnung der letzten Bundesregierung. Das geht aus diversen Medienberichten hervor. Hier wurde aus rein wahlkampftechnischen Gründen viel Lärm um nichts gemacht. Für weitere Informationen dürften bekannte Suchmaschinen hilfreich sein.

Pragmatischer geht man dagegen in Mecklenburg-Vorpommern vor: In einem intensiven Dialog wurde die Landesregierung von der Firma Central European Petroleum GmbH (CEP) davon überzeugt, dass die Erschließung der vermuteten Erdölpotenziale bei Barth eine  enorme wirtschaftliche Bedeutung haben könnte. Um einen Langzeitfördertest durchzuführen, müssen in der bereits 2011 niedergebrachten, z.T. horizontal geführten Bohrung 10 Fracs durchgeführt werden. CEP hat sich dabei elegant von Fracmaßnahmen zur Erschließung von Schiefergaslagerstätten abgegrenzt und darauf verwiesen, dass entsprechende Arbeiten schon zu DDR-Zeiten durchgeführt worden sind und auf Usedom sogar noch eine so in Produktion überführte Bohrung seit den 1960er Jahren in Förderung steht. Die erwähnte Abgrenzung findet dabei nicht vollständig die Zustimmung des Verfassers. Dieser zieht aber dennoch seinen Hut vor der Überzeugungskraft der CEP. Umfassende Informationen sind bei CEP in Form eines Hintergrundpapiers zu finden. 30)Hintergrundpapier Bohrlochtest Barth 11 in der Saal/Barth-Struktur

Hauptförderland für Erdgas in Deutschland ist Niedersachsen. Hier wurden, wie weiter oben bereits erwähnt, hunderte Fracmaßnahmen durchgeführt. Dementsprechend wurde das Land von der Diskussion um Hydraulic Fracturing ebenfalls erfasst. Hinzu kommt, dass dort außerdem mit bedeutenden Erdgasvorkommen in Kohleflöz- sowie Schiefergesteinslagerstätten zu rechnen ist und ab 2008 mit entsprechenden Erkundungsbohrungen begonnen worden ist. Aufgrund der Debatte wurden seit 2011 keine Fracmaßnahmen in konventionellen Lagerstätten mehr genehmigt und die Erkundung unkonventioneller Lagerstätten kam völlig zum Erliegen. Nun hat sich die Landesregierung auf eine Verschärfung der Genehmigungen für Fracarbeiten in konventionellen Lagerstätten trotz unfallfreier Anwendung über 5 Jahrzehnte entschieden und will darüber hinaus auch die Entsorgungspraxis des natürlich auftretenden Lagerstättenwasser verkomplizieren, obwohl dessen Versenkung in aufnahmefähige Horizonte ebenfalls seit Jahrzehnten unfallfrei durchgeführt worden ist.

Dazu mehr in Teil II, der eine gemeinsame Pressemitteilung des Wirtschafts- sowie des Umweltministeriums kritisch kommentieren wird.

Quellenverzeichnis   [ + ]

1. Anzahl Fracs seit 1961 in Deutschland
2. Fracking nicht verteufeln!
3. Interview mit Brian Horsfield über Schiefergas und Hydraulic Fracturing
4. Documents: A Case of Fracking-Related Contamination
5. Fracking in den USA – ‘Gasland’ und die Fakten
6. Colorado Oil and Gas Conservation Commission (COGCC) (on “Gasland”/zu “Gasland”)
7. Gasland director hides full facts
8. Studie über Pennsylvania: Fracking treibt Gase ins Trinkwasser
9. Increased stray gas abundance in a subset of drinking water wells near Marcellus shale gas extraction
10. Duke Study findet höhere Gaskonzentrationen im Trinkwasser nähe von Gasbrunnen
11. Duke Study Finds Higher Gas Levels in Drinking Water Wells Near Marcellus Fracking Sites
12. Kurzbiographie Jürgen Döschner
13. Vortrag zur Radioaktivität bei Gasbohrungen
14. ARD-”Energieexperte” kommentiert zur Ölhavarie in Etzel am Sachverhalt vorbei
15. Fracking-Gegner fordern Verbot
16. Bürger wollen kein giftiges Abwasser in Oerrel
17. NDR streut Falschinformationen zum Lagerstättenwasser
18. Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten (Kurzfassung)
19. BUNDESANSTALT FÜR GEOWISSENSCHAFTEN UND ROHSTOFFE HANNOVER – Stellungnahme der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zum Gutachten des Umweltbundesamtes (UBA) „Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten – Risikobewertung, Handlungsempfehlungen und Evaluierung bestehender rechtlicher Regelungen und Verwaltungsstrukturen“
20. Fracking: Bundesbehörden streiten über Gasförderung
21. Magreth Lünenborg, Simon Berghofer (2010): POLITIKJOURNALISTINNEN UND -JOURNALISTEN
Aktuelle Befunde zu Merkmalen und Einstellungen vor dem Hintergrund ökonomischer und technologischer Wandlungsprozesse im deutschen Journalismus Eine Studie im Auftrag des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes (DFJV) und der Gesellschaft für Fachjournalistik
22. Impressum: Stefan Schultz
23. Riesige Erdgasfelder in NRW
24. Milliarden Kubikmeter Gas sollen in deutschem Boden schlummern
25. Umweltministerium und Wirtschaftsministe­rium legen Risikogutachten zu Fracking vor
26. Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten – Genehmigung von Bohrungen unterschiedlichster Art
27. Abschätzung des Erdgaspotenzials aus dichten Tongesteinen (Schiefergas) in Deutschland
28. Umweltminister Habeck stellt Vorgehen gegen umwelttoxisches Fracking vor
29. Vorerst kein Fracking in Nordhessen: Anweisung von Umweltministerin
30. Hintergrundpapier Bohrlochtest Barth 11 in der Saal/Barth-Struktur