Wiedererschließungsprüfung des ehemaligen Erdölfeldes Suderbruch nun durch Wintershall statt ExxonMobil

Zum Jahreswechsel 2012/2013 war auf Online-portalen verschiedener Lokalzeitungen wie „Die Harke“ oder der „Walsroder Zeitung“ zu erfahren, dass in Kooperation der TU Clausthal mit dem Erdöl-Erdgasproduzenten ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) eine mögliche Wiedererschließung der 1993 aufgegebenen Erdöllagerstätte Suderbruch (zwischen Celle und Nienburg (Weser) gelegen) erforscht werden soll.

Die Impulse für die Wiedererschließung gingen dabei von der TU Clausthal aus. Studenten des Institutes für Erdöl- und Erdgastechnik untersuchten mehrere alte Erdölfelder hinsichtlich ihres Förderverhaltens. Zu diesen Erdölfeldern zählte auch „Suderbruch“, dessen einst über 80 fündige Bohrungen der 1949 entdeckten und 1994 aufgegebenen Lagerstätte hinsichtlich ihres Förderverhaltens analysiert wurden.

Die Analysen ergaben, dass „Suderbruch“ zu den ersten drei deutschen Erdölfeldern zählt, bei denen sich die Wiederaufnahme der Förderung lohnen könnte. Die Technische Universität trat 2010 an ExxonMobil heran, dessen Vorgängergesellschaft, die Brigitta Elwerath Betriebsführungsgesellschaft mbH (BEB), das Feld betrieb. Es wurde ein Kooperationsvertrag über eine dreijährige vertiefende Untersuchung geschlossen.

Bereits für 2013/2014 war eine Bohrung zur Erkundung der Lagerstätte, deren Ölführung sich auf mehrere Horizonte verteilt, durchgeführt werden (Informationen bis hierher: „Suderbruch einzigartiges Freilufttechnikum“, Samtgemeinde Steimbke). Der Erdöl-Erdgas-Deutschland Co-Autor Dipl.-Geol. Dirk Weißenborn wohnte einer Informationsveranstaltung bei und berichtete vor Kurzem am Telefon, als wir auf das Thema zu sprechen kamen, dass diese weit abgelenkte Bohrung die Untersuchung mehrerer Horizonte zum Ziel hatte.

Warum es letztlich nicht zur Umsetzung dieser Bohrung kam, ist spekulativ. Eventuell ist die durch mehrere Jahre Desinformation hervorgerufene Angst vor der bewährten Fractechnologie („Fracking“) in Teilen der Bevölkerung dafür (mit-) verantwortlich. Schließlich wollte ExxonMobil die Anwendung von vornherein nicht hundertprozentig ausschließen („ExxonMobil schließt Fracking nicht aus“, Walsroder Zeitung). Nach Aussage von Dirk Weißenborn käme dafür der Lias epsilon in Frage. Dieser wurde in der Vergangenheit in einer Bohrung in  Suderbruch ölführend angetroffen.

Nachdem es um das Vorhaben in den letzten Jahren ruhig geworden ist, trat nun überraschend die Wintershall Deutschland an die Öffentlichkeit mit der Mitteilung, die Wiedererschließung von „Suderbruch“ zu prüfen.

Dafür plant das Unternehmen, statt wie bislang eine nun zwei Bohrungen abzuteufen, um das noch vorhandene Potenzial der Lagerstätte zu ermitteln. Beide Bohrungen sollen von einem gemeinsam Platz westlich der Gemeinde Rodewald niedergebracht werden. Die Durchführung der Bohrungen ist für den Sommer 2015 anberaumt.

Sollte die Förderung künftig wieder aufgenommen werden, so wäre Wintershall Deutschland mit einem Anteil von 50 Prozent Betriebsführer. Die übrigen 50 Prozent hält die ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG). Die EMPG übernahm nach Einstellung der Förderung sowie der Rekultivierung des Erdölfeldes die Konzession von der BEB und ist bis heute Inhaber der Lagerstätte. Inwiefern die TU Clausthal(noch) in das Vorhaben eingebunden ist, geht aus der Mitteilung „Wiedererschließung des Erdölfelds Suderbruch“ leider nicht hervor. Und während ExxonMobil noch vor wenigen Jahren die Anwendung des Hydraulic Fracturing nicht ausschließen wollte, stellt Wintershall klar, dass dieses Verfahren im Zuge der Wiedererschließung nicht durchgeführt werden würde.

Nach Abschluss der Bohrarbeiten im Spätsommer des Jahres soll sich nach gegenwärtigem Planungsstand eine mindestens sechsmonatige Testförderung durchgeführt werden. Anschließend will die Wintershall darüber entscheiden, ob eine Gesamtwiedererschließung der Lagerstätte möglich ist. Sollte das der Fall sein, so wäre eine Aufnahme der Produktion ab 2018 denkbar.

Während der Testphase gefördertes Erdöl würde per Tanklastwagen nach Barnstorf im Landkreis Diepholz, dem Stammsitz von Wintershall Deutschland, gebracht werden. Im Falle eines Dauerbetriebes käme das Öl entweder weiterhin nach Barnstorf oder aber in den näher an Suderbruch gelegenen Förderbetrieb Barenburg der EMPG. Anfallendes Erdölbegleitgas würde zur Erzeugung von Strom für den Eigenbedarf Verwendung finden, wie es die Wintershall an allen Standorten weltweit handhabt. Im übrigen verfahren alle weiteren Förderunternehmen im Inland ähnlich und nutzen das Erdölbegleitgas entweder zur Stromerzeugung für den Eigenbedarf, liefern es zur Strom- und Wärmeerzeugung an Dritte oder verwenden es zur Erzeugung von Prozesswärme. Eine Abfackelung erfolgt nur vereinzelt und dann in geringem Umfang.

Von uns ein bergmännisches „Glück Auf!“ dem Vorhaben.