Mitarbeiter des NRW-Umweltministers Remmel wirft via Twitter ExxonMobil Instrumentalisierung von Kindern in #Fracking -Debatte vor

In Nordrhein-Westfalen (NRW) regiert seit 2010 eine Regierungskoalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen (B’90/Grüne) unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.  Da in NRW Erdgasvorkommen vermutet werden, die sich teilweise nur mittels Hydraulic Fracturing („Fracking“) erschließen ließen, entbrannte aufgrund unterstellter Risiken eine hitzige Diskussion um diese etablierte Standardtechnologie.

Umweltminister der Regierung Kraft ist Johannes Remmel von B’90/Grüne. Und um Herrn Remmel dreht sich dieser Artikel, genauer gesagt um einen Tweet, den er auf dem Kurznachrichtenportal Twitter verbreitete bzw. über einen Mitarbeiter verbreiten ließ. Dieser Tweet fand seinen Ausgangspunkt wiederum bei einem Tweet der in Schleswig-Holstein beheimateten Bürgerinitiative (BI) „Kein CO2-Endlager“, die sich inzwischen aufgrund des verlorengegangenen Themas CO2-Speicherung nun zur Aufgabe gemacht hat, gegen „Fracking“ und Kohlenwasserstoffgewinnung aufzuwiegeln. Dieser Tweet bezog sich auf folgenden Facebook-Eintrag der BI:

#‎Fracking‬‪#‎EXXON‬ scheint das Wasser bis zum Hals zu stehen, dass sie den vom ‪#‎Nabu‬ verliehenen DINO jetzt zum Kinderkanal pro Fracking einsetzen ‪#‎fail‬

Darauf fragte Minister Remmel bzw. von ihm beuftragte MitarbeitrInnen (das „mb“ hinter den Tweets steht für „Mitarbeiter“) mit schon fast kindlicher Naivität via Twitter bei ExxonMobil (EM) an:

Liebe ! Ist wirklich Ihr offizieller Kinder-Kanal, um fürs zu werben o ein derber Fake? (ma)

Nun, EM antwortete humorvoll, dass es sich bei Frexxi um einen neuen Mitarbeiter handele, der vom Naturschutzbund Deutschland, kurz NABU vermittelt worden ist. Dazu sollte man wissen, dass der NABU den Negativpreis „Dinosaurier des Jahres“ an Personen verleiht, die sich nach Meinung des Vereins

sowohl durch herausragende Einzelleistungen als auch durch die Summe ihres Gesamtwerkes in Sachen Umweltschutz als besonders antiquiert erwiesen haben.

Preisträger 2014 ist der Vorstandsvorsitzende von ExxonMobil Europe, Dr. Gernot Kalkoffen. Der NABU begründet die Verleihung in einem ausführlichen Artikel („Dino des Jahres“ für Gernot Kalkoffen), der teilweise vor eklatanten Falschbehauptungen strotzt, die jedoch nicht hier sondern in einem noch folgenden Artikel diskutiert werden.

Den Preis stellt eine aus Zinn gegossene Figur eines Dinosauriers dar, der zumindest im Fall von Herrn Kalkoffen nicht persönlich überreicht wurde, sondern einfach auf dem Postweg den Adressaten erreichte. ExxonMobil nahm die Verleihung mit Humor und rief via Twitter sowie der Website „Erdgassuche in Deutschland“ dazu auf, dem namenlosen Urzeitriesen einen Namen zu vergeben. Es setzte sich schließlich „Frexxi“ durch und es wurde eine comicartige Darstellung geschaffen, die dem kürzlich eingerichteten Twitter-Account als Avatar dient. Diese Comicfigur mit großen Augen und breitem Lächeln bedient das „Kindchen-Schema“, was wahrscheinlich die BI Kein CO2-Endlager dazu veranlasste, den „Frexxi“-Account als „Kinderkanal“ von EM zu betrachten.

Obwohl EM in keinster Weise die oben erwähnte Anfrage von Herrn Remmel bestätigte, schloss dieser:

Also zielt jetzt bei seinen Werbe-Maßnahmen auf Kinder ab – mit Unterstützung des ? (ma)

Diese Schlussfolgerung wurde zurückgewiesen. Tatsächlich wolle das Unternehmen nicht werben sondern aufklären (für mich nicht zwingend ein Widerspruch). Dass das nicht jedem gefällt, nähme EM in Kauf. Remmel bzw. dessen Mitarbeiter gefällt das selbstverständlich nicht und wirft EM „Kinderfang“ für eine „Hochrisikotechnologie“ vor.

Doch wie via Twitter Kinder erreicht werden sollen, erschließt sich mir nicht, da dieses Medium kaum von Kindern genutzt wird. Mir sind bislang dort noch keine über den Weg gelaufen, sondern im Wesentlichen Vertreter von Politik, Medien, Unternehmen, NGO, Bloggern sowie Mitbürgern, die einfach nur ihre Meinung zu gewissen Dingen abgeben wollen. Remmels Ansicht, beim „Fracking“ handele es sich um eine „Hochrisikotechnologie“ wird von EM genauso zurückgewiesen wie der Vorwurf des „Kinderfangs“.

Doch Remmel bzw. dessen Mitarbeiter verharrt auf seiner Position, fast schon wie ein bockiges Kind:

. Eindeutig „Kinderfang“ – und eindeutig Hochrisikotechnologie. Oder wollen Sie Ihren eigenen Gutachter widersprechen?! (ma)

Remmels Mitarbeiter bezieht sich hierbei offensichtlich auf die von ExxonMobil bereits 2011 in Auftrag gegebene „Risikostudie Fracking“. Diese kommt jedoch an keiner einzigen Stele zu der Bewertung, dass es sich beim Hydraulic Fracturing, dabei insbesondere dessen Anwendung in Schiefergaslagerstätten, um eine „Hochrisikotechnologie“ handelt. Sie reden vielmehr von einer „neuartigen Risikodimension“. Darauf verweist auch EM worauf der anscheinend mit dem Thema überforderte MitarbeiterIn entgegnet:

. Genau. Das hatten wir alles schon mal: Ihre eigenen Gutachter sprechen bei von einer neuen Risikodimension (ma)

An diesem Punkt mischte ich mich ein und erwiderte (LINK):

Seid wann ist „neu“ das Synonym für „hoch“, Herr Minister? Zur Lektüre empf.

Und ergänzte dann noch (LINK):

Wer außer Gegnern redet von „Hochrisikotechnologie“? Ihr Staatl. Geol. Landesdienst jdf. nicht!

Darauf erhielt ich die Antwort:

. Die Exxon-Gutachter „neue Risikodimension“ …. (ma)

Es blieb mir nicht weiter übrig als zu erwidern (LINK):

Ja, „neu“ nicht „hoch“. Bedeutung der Wörter sollte man als Minister schon auseinanderghalten können.

In den Schlagabtausch, bei dem rein sachlich betrachtet der Mitarbeiter des Umweltministers völlig die Kontrolle verlor und deshalb ExxonMobil vorwarf, mit massivem Werbemitteleinsatz auf Kinder loszugehen (LINK) und sie für eine „HighRisk“-Technologie zu instrumentalisieren (LINK), mischte sich u.a. auch der WDR/ARD-Journalist und zweifelhafter „Energieexperte“ Jürgen Döschner ein (LINK):

Wer sowas nötig hat, dem muss d Frackwasser schon bis z Hals stehen! Voll daneben!

Der Wortlaut Döschners kommt einem ziemlich bekannt vor, wurde er doch beim Facebook-Eintrag ähnlich von der BI Kein CO2-Endlager verwendet, der letzten Endes den Anstoß für den Schlagabtausch gegeben hat. Der überraschende Moment bleibt dabei allerdings auf der Strecke, da Döschners ideologische Ausrichtung bekannt ist, welche auf einer Wellenlänge mit den „Fracking“-Gegnern liegt. Er ist ein Verfechter der Energiewende ohne Wenn und Aber. Dafür erhielt er den „Solarpreis 2014“ des Lobbyverbandes „Eurosolar“ für sein persönliches Engagement für die Energiewende. Überreicht wurde der Preis für den „persönlich Engagierten“ im Dienste des neutralen öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch Herrn Umweltminister Johannes Remmel („Deutscher Solarpreis in Witten vergeben – Klimaschutzminister Johannes Remmel ehrt Kölner WDR-Redakteur„!

Fassen wir also zusammen:

Eine Bürgerinitiative behauptet, dass ein neu eingerichteter Twitter-Account des Unternehemens ExxonMobil als humorige Reaktion auf die Negativ-Preisverleihung „Dinosaurier des Jahres“ als „Kinderkanal pro Fracking“ eingesetzt werden soll. Diese recht merkwüdige Unterstellung in Hinblick darauf, dass Twitter kaum von Kindern genutzt wird, führt zu der kindlich-naiven Anfrage eines Mitarbeiters (MA) des NRW-Umweltministers Johannes Remmel, ob diese Unterstellung den Tatsachen entspräche.

Eine Zurückweisung des Unternehemens nützt nichts, stattdessen behauptet der MA völlig aus der Luft gegriffen sogar, dass ExxonMobil mit „massivem Werbemitteleinsatz“ auf Kinder losginge, und das obwohl ein Twitter-Account völlig kostenfrei ist. Der MA geht sogar noch weiter und behauptet, ExxonMobil würde Kinder instrumentalisieren, also für seine Zwecke einsetzen.

Dieses Verhalten ist stattdessen von Bürgerinitiativlern bekannt, die gerne ihre Kinder auf Demos mitschleppen und ihnen Transparente in die Hand drücken oder um den Hals binden. Dass ExxonMobil oder andere Unternehmen der Branche Kinder losschicken, ist mir bislang nirgendwo aufgefallen. Sicherlich mag die comicartige Dinosaurierzeichnung Kindern gefallen, aber deshalb eine Instrumentalisierung zu unterstellen, ist einfach nur peinlich.

Genauso peinlich ist es, dass der MA des Ministers, der sich den Tag damit vertrieben hat, den Twitter-Account des Ministers zu betreuen, ganz offensichtlich die Bedeutung der Wörter „neu“ und „hoch“ nicht auseinanderhalten kann.

Abschließend: Die Unterstellung:

Also zielt jetzt bei seinen Werbe-Maßnahmen auf Kinder ab – mit Unterstützung des ? (ma)

des MA des Umweltministers (LINK) wurde sogleich vom Umweltinstitut München aufgenommen, dass daraufhin behauptet, EM verharmlose „Fracking“ und instrumentalisiere dafür den NABU.

Und dem nicht genug: Selbst bei der TAZ ist der „Frexxi“-Twitter-Account und die von der BI Kein CO2-Endlager mit einer Unterstellung losgetretene künstliche Echauffierung wurde im Artikel „Fracking-PR mit Schmäh-Dino“ thematisiert.

Ob ExxonMobil mit einer solchen Gegenreaktion auf die eigene humorige Reaktion auf die Verleihung des Dinosaurierpreises gerechnet hat? Es ist dabei jedenfalls erstaunlich, was eine Unterstellung einer Gruppierung wie der BI Kein CO2-Endlager letzten Endes auslösen kann.

Artikelbild: fotografie Wolf Birke Wuppertal

3 Kommentare zu Mitarbeiter des NRW-Umweltministers Remmel wirft via Twitter ExxonMobil Instrumentalisierung von Kindern in #Fracking -Debatte vor

  • Peter sagt:

    Wie schrieb die TZ:
    „Wenn ein Unternehmen einen Negativ-Preis bekommt, schweigt es darüber normalerweise verschämt. Denn wer lässt sich schon gern als „Dinosaurier des Jahres“ bezeichnen?“
    EM macht es vor, wie man aus einem Negativ-Preis, der auch noch unberechtigt verliehen wurde, einen Positiv-Preis macht.
    Das kann natürlich dem NABU und dem Minister, von den BI´s ganz zu schweigen, nicht gefallen.
    Es wird mit allen Mitteln versucht den „Dinosaurier des Jahres“ wieder ins Negative zu rücken.
    Wie armselig.

  • Ich habe mir jetzt nicht die Mühe gemacht, nachzuschauen wo und wie oft von Frackinggegnern und anderen vergleichbaren Leuten, versucht wurde, Kinder zu indoktrinieren. NGOs stellen Unterrichtsmaterial zur Verfügung, ohne dass die Kultusminister einschreiten – wie gesagt, ich will gar nicht beginnen Freund Google zu bemühen.

    Die Brüder sollen sich erst mal an die eigene Nase fassen.

    1. SAR sagt:

      Mir ist ein Fall von einem Mitarbeiter eines Dienstleisters der Förderindustrie zugetragen worden, dessen Sohn aus der Schule nach Hause kam und seinen Vater anging, er und die gesamte Förderindustrie würden das Grundwasser „verseuchen“.

      Wie sich herausstellte hatte die Lehrerin sich auf „Gasland“ berufen oder sogar den Film auf Eigeninitiative außerhalb des Lehrplans bzw. der Rahmenrichtlinien, wie es heutzutage so schön heißt, gezeigt und aus ihrer Sicht kommentiert.

      Der Vater ließ sich das nicht gefallen und ging zum Schulleiter. Es stellte sich letzten Endes heraus, dass die Lehrerin einer regionalen Bürgerinitiative namens „No Moor Fracking“ nahestand. Als ich das erfuhr, platzte mir der Kragen, denn Lehrern ist es strengstens untersagt, Kinder mit der eigenen politischen Ansicht zu indoktrinieren.

      Jede Demo des ökologistischen Lagers oder wie auch immer wir es nennen wollen zeigt, dass grundsätzlich Kinder indoktriniert/vorgeschoben werden. Und sei es nur in der Form wie ich es schrieb, dass den Kleinen ein Transparent in die Hand gedrückt wird oder selbiges um den Hals gebunden wird.

      Ja, die Brüder und Schwestern sollten sich wirklich an die eigene Nase fassen. Doch mit Selbstreflexion sind sie anscheinend überfordert.

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