Neues Konzept zur Erschließung der Erdgaslagerstätte Heringsdorf (Insel Usedom)

Modell Aufbereitungsanlage Erdgaslagerstätte Heringsdorf

Am 1. November 2015 veröffentlichten wir den Artikel Zukunftsweisende Konzepte der Erdgasproduktion in Deutschland Teil I. Darin wurde u.a. das Vorhaben zur umweltfreundlichen Gewinnung des Erdgases aus der größtenteils vor der Ostküste der Ostseeinsel Usedom situierten Erdgaslagerstätte Heringsdorf dargelegt.

Das Erdgas sollte nach diesem Konzept bohrlochsnah aufbereitet und verstromt werden. Zudem war angedacht, die Ernergie zur Meerwasserentsalzung zu nutzen und damit die angespannte Situation der Trinkwasserversorgung der Insel abzumildern. Gegen das Vorhaben der Erdgasgewinnung regte sich in der lokalen Bevölkerung erheblicher Widerstand, was in diesem konkreten Fall sogar nachzuvollziehen ist.

Testarbeiten auf der Bohrung E Heringsdorf 3, Erdgaslagerstätte Heringsdorf Bildquelle: "Schatzsucher - Eine Chronik des Grimmener Erdölbetriebes"

Testarbeiten auf der Bohrung E Heringsdorf 3, Erdgaslagerstätte Heringsdorf. Bildquelle: „Schatzsucher – Eine Chronik des Grimmener Erdölbetriebes“

Denn vielen Anwohnern sind Ende der 1990er Jahre noch die Erkundungsaktivitäten zu Beginn der 1980er Jahre präsent gewesen. Damals wurde eine der Erkundungsbohrungen, die „E Heringsdorf 3“, vom Stadiongelände des lokalen Fußballvereines in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten sowie des Badestrandes abgeteuft. Während der Testarbeiten der gasfündigen Bohrung mussten zudem die Anwohner eines definierten Bereiches aus Sicherheitsgründen vorsorglich evakuiert werden. Denn das Erdgas der Lagerstätte enthält wie viele andere, die ebenfalls an das Staßfurtkarbonat des Zechstein (Ca2) gebunden sind, auch hochgiftigen Schwefelwasserstoff.

Um der Skepsis der Bevölkerung zu reduzieren, wurde die ursprüngliche Idee der einfachen Aufbereitung und Fortleitung verworfen und das im oben verlinkten Artikel vorgestellte Konzept entwickelt. Die Skepsis konnte dadurch kaum reduziert werden, so dass es nicht zur Umsetzung des Vorhabens kam. Die beiden in diesem Abschnitt erwähnten Konzepte werden übrigens im Erdölmuseum Reinkenhagen (Vorpommern) anschaulich präsentiert. Wer sich für die Erdölproduktion in Vorpommern interessiert, sollte diesem kleinen aber feinen Museum einen Besuch abstatten.

Nachdem es über die letzten Jahre keinerlei Informationen darüber gab, inwiefern die Erdgasgewinnung durch den Lagerstätteninhaber GDF-Suez E&P Deutschland (GDF-Suez) weiter verfolgt wird, stellte das Unternehmen laut Mitteilung vom 18.12.2015 tags zuvor in der Gemeinderatssitzung in Heringsdorf ein neues Erschließungskonzept vor.

Demnach soll das Grundstück am Schloonsee im unmittelbaren Hinterland des Ostseebades Bansin gegen ein abgelegenes Industriegelände („Altes Klärwerk“) getauscht werden. Dadurch könnte die Gemeinde Heringsdorf das gelände am Schloonsee nach eigenen Vorstellungen gestalten. Mit der angedachten Errichtung der Prozessanlagen zur Erdgasaufbereitung will GDF-Suez nach eigenem Bekunden „Rücksicht auf die Interessen der Bürger, den Umweltschutz und den Tourismus als stärksten Wirtschaftsfaktor nehmen“.

Erdgaslagerstätte Heringsdorf

Erdgasbohrungen Heringsdorf 5 und Heringsdorf 6. ©chef79

Entgegen der vorangegangenen Konzepte will GDF-Suez offenbar auf die bohrlochnahe Verstromung des Erdgases verzichten und dieses stattdessen in das vorhandene Pipelinenetz einspeisen. Nach Einschätzung des Unternehmens könnte die Erdgasgewinnung 2019 beginnen, sofern die Genehmigungs- und Bauphase abgeschlossen ist, und anschließend 30 bis 40 Jahre andauern. Die größtenteils unter der Ostsee liegende Lagerstätte kann landseitig durch abgelenkte Bohrungen erschlossen werden. Ob dazu neue Bohrungen erforderlich sind oder ob die 1986/1987 abgeteuften Bohrungen „E Heringsdorf 5“ und „E Heringsdorf 6“ genügen, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Dem Verfasser ist jedoch bekannt, dass bei den verworfenen Konzepten keine Neubohrungen zur Ausförderung der Erdgaslagerstätte Heringsdorf geplant gewesen sind.

Zusatzinformationen zur Erdgaslagerstätte Heringsdorf

Die Lagerstätte Heringsdorf ist 1982 durch die Bohrung „E Heringsdorf 2“ aufgeschlossen worden. Das Vorhandensein einer wirtschaftlich ausbeutbaren Lagerstätte wurde darauf durch die bereits erwähnte Bohrung „E Heringsdorf 3“ im Jahr 1983 bestätigt (Quelle: regionalgeologie-ost.de sowie „Schatzsucher – Eine Chronik des Grimmener Erdölbetriebes“).

Jahresübergreifend wurden 1986/1987 noch die Produktionsbohrungen „E Heringsdorf 5“ und „E Heringsdorf 6“ abgeteuft, während aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der DDR kurz vor dem Ende ihrer Existenz  die Bohrung „E Heringsdorf 4“ nicht mehr umgesetzt wurde, obwohl die Herrichtung des Bohrplatzes nahezu abgeschlossen war (Quelle: „Schatzsucher – Eine Chronik des Grimmener Erdölbetriebes“).

Nach Auskunft des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) des Landes Mecklenburg-Vorpommern wird der Inhalt der Erdgaslagerstätte Heringsdorf auf 12 Milliarden Kubikmeter Erdgas geschätzt (Rohstoffsicherung in Mecklenburg-Vorpommern).

Artikelfoto: Modell der Anlage zum zweiten Erschließungskonzept der Lagerstätte Heringsdorf. Bildquelle: „Schatzsucher – Eine Chronik des Grimmener Erdölbetriebes“

3 Kommentare zu Neues Konzept zur Erschließung der Erdgaslagerstätte Heringsdorf (Insel Usedom)

  • Detlef Udo merten sagt:

    Wieder wie immer topp

  • Wolfgang Stumpf sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    mit großem Interesse habe ich ihre Neuigkeiten zur geplanten Erschließung der Erdgaslagerstätte Heringsdorf gelesen (leider erst jetzt entdeckt).
    Mitte der 90er Jahre war ich Mitarbeiter der DSD Erdgas-& Umwelttechnik und intensiv mit diesem Thema beschäftigt und der Ersteller der Machbarkeitsstudie „Untersuchung zur Definition der Übertageanlagen „Gasaufbereitung“ für die Erdgas/ Kondensatlagerstätte Heringsdorf“ (März 1995) und im zweiten Schritt für die Entwicklung eines wirtschaftlichen Aufbereitungskonzeptes „Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur H-Gas-Aufbereitung für die Erdgas/ Kondensatlagerstätte Heringsdorf“ (Sept. 1995) im Auftrag von EEG & RWE DEA.
    Die Lage des geplanten Anlagenplatzes in einem sensiblen Naturschutzgebiet, zwischen den Orten Seebad Heringsdorf und Seebad Bansin am Schloonsee, war eine Herausforderung und wurde damals von der Bevölkerung nicht akzeptiert. Die erste Erschließung scheiterte bekanntlich an deren Widerstand.
    Wegen meines seinerzeit großen Engagement begleitet mich dieses Thema noch heute. Aus rein privatem Interesse würde ich gerne wissen:
    -Wenn das geförderte Sauergas mit einem Fließdruck von 350 bar (damalige Werte) und entsprechender Temperatur nicht mehr bohrlochnah verstromt bzw. aufbereitet werden soll, muss es via Pipeline an eine andere Lokation gefördert werden. Können sie etwas über das prinzipielle Anlagenkonzept sagen?
    -Handelt es sich bei dem, in ihrem Artikel veröffentlichten Modell um das bereits überarbeitete Konzept der Anlage Heringsdorf? Es zeigt jedenfalls nicht das seinerzeit Erstellte.
    Hat Gaz de France Suez die Federführung für die Erschließung und die angestrebte Realisierung ?
    Ich würde mich freuen, wenn sie mir ein paar Information zum Thema zukommen lassen könnten, sofern dies möglich ist natürlich. (E-Mail: stumpfw:_nt1@yahoo.de).
    Besten Dank und schöne Grüße
    Wolfgang Stumpf

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