Fracking in Russland – Russland, der stille fleißige Fracer

Fracking in Russland

Bereits vor knapp drei Jahren haben wir über den Tellerrand geschaut und einen kleinen Blick nach Russland zum Thema Hydraulic Fracturing (Fracking in Russland) geworfen. Im fast gleichnamigen Artikel haben wir in einem übersichtartigen historischen Abriss die Anwendung des umgangssprachlich als „Fracking“ bezeichneten Verfahrens in unserem bedeutendsten Lieferland für Erdöl und Erdgas dargelegt. Zudem beinhaltete der Beitrag einen Blick in die Zukunft. In diesem Artikel wollen wir uns mit der Gegenwart befassen. Es handelt sich hierbei im Wesentlichen um die Übersetzung eines Beitrages des Oil & Gas Journal.

PJSC Gazprom Neft hat berichtet, in Russlands Yuzhno-Priobskoye-Feld eine 18-stufige Fracmaßnahme durchgeführt zu haben. Die Bohrung ist ca. 4 Kilometer tief und verfügt über eine Horizontalstrecke von 920 Metern.

Das Unternehmen sagte, dass das erwartete Förderpotenzial bei mindestens 80 Tonnen pro Tag und somit um 15 Prozent höher liegt als das Förderniveau bei Bohrungen mit weniger gefracten Abschnitten.

Nach Angaben von Gazprom Neft war das Schlüsselmerkmal des „Fracking in Russland“- Vorhabens, das die Stimulation der Bohrung über den gesamten Zeitraum der Maßnahme erlaubte, war die Verwendung einer „non-ball-and-socket“-Komplettierungs- und Stimulationstechnik. Das Unternehmen verwendet dazu ein „spezielles Werkzeug“,  eine Art „Kissen“, das ausgedehnt und zusammengezogen werden kann, wodurch ein Transport von einem hydraulisch zu stimulierenden Abschnitt zum nächsten möglich ist.

Bei der traditionelleren „ball-and-socket“-Technik wird hingegen eine Kugel aus Metall verwendet, die jede neue zu stimulierende Zone von der vorangegangenen trennt. Dabei vergrößert sich der Durchmesser der Kugel von Abschnitt zu Abschnitt, was schließlich mehr als 10 Fracmaßnahmen je Bohrung unmöglich macht (Quelle: Gazprom Neft).

Bereits im vergangenen Dezember vermeldete das Unternehmen, eine 15-stufige Fracmaßnahme im selben Feld durchgeführt zu haben. Jene Bohrung hat eine Tiefe von 4,2 Kilometern und verfügt über eine Horizontalstrecke von 760 Metern.

Die Anwendung mehrstufiger Fracmaßnahmen ermöglicht es, den Anteil schwer zu fördernder Reserven zu entwickeln.

Im vergangenen Jahr überführte Gazpromneft Khantos, ein Tochterunternehmen von Gazprom Neft 373 Bohrungen in Poduktion. Ungefähr 52 davon waren Horizontalbohrungen, in denen Multistage-Fracjobs durchgeführt worden sind. Fracking in Russland ist also nichts ungewöhnliches und u.a. wir Deutschen profitieren davon.

Nun mag sich der geneigte Leser fragen, warum auf einem Blog, der sich seines Namens nach mit der Erdöl- und Erdgasgewinnung in Deutschland befasst, zum zweiten Mal Fracking in Russland thematisiert wird. Die Antwort ist: Wie bereits in der Einleitung geschrieben, ist Russland unser wichtigster Lieferant für Erdöl und insbesondere Erdgas. Gegen die Gewinnung dieser beiden nach wie vor und bis auf unbestimmte Zeit bedeutenden (Energie-) Rohstoffe wird seit Jahren durch Bürgerinitiativen und grüne Nichtregierungsorganisationen, teilweise kräftig sekundiert von Medien und Politikern, opponiert, insbesondere wenn das Verfahren Hydraulic Fracturing zum Einsatz kommt.

In der Folge ist die Produktion im Inland, insbesondere bei Erdgas, deutlicher zurückgegangen als erwartet, was mit dem gesetzlich ungerechtfertigten Genehmigungsstau von Fracmaßnahemn zu begründen ist. Zudem ist die Erkundung bislang unerschlossener Potenziale in Kohleflözen und Tonsteinen ausgebremst. Diese im Inland nicht produzierten Mengen müssen durch Importe ersetzt werden, wobei für die Gewinnung der importierten Mengen das hierzulande verpönte Hydraulic Fracturing eingesetzt wird. Das sollte sich jeder, der einen „Stopp Fracking“-Aufkleber auf seiner Benzinkutsche spazieren fährt, vergegenwärtigen. Es könnte „gefractes“ Erdöl aus Russland im Tank sein.

Artikelfoto: Erdgasförderbohrung im russischen Feld Nowy Urengoi. Dort wird nach Anwendung von Fracmaßnahmen aus der Achimov-Formation produziert. Bildquelle: WEG e.V.