Wiedererschließung Erdöllagerstätte Ampfing: Testergebnisse ernüchternd – 3D-Seismik geplant

Mit dem Aufschluss der Erdöllagerstätte Ampfing gelang 1954 der erste Erdöl- und Erdgasfund im östlichen Teil des deutschen Alpenvorlandes. Wie wir mehrfach bereits berichtet haben, wird die in den 1980er Jahren aufgelassene Lagerstätte aktuell einer Wiedererschließungsprüfung unterzogen. Nun wurde die auf drei Monate anberaumte Testförderung nach zwei Monaten beendet. Mit zunächst ernüchterndem Ergebnis.

Zusammenfassung des bisherigen Verlauf des Vorhabens Wiedererschließung Erdöllagerstätte Ampfing

Testanlagen auf der Bohrung Ampfing-RAG 1 Uderl

Testanlagen auf der Bohrung Ampfing-RAG 1. Mit freundlicher Genehmigung von U. Schumertl

Vor fast zwei Jahren, im Dezember 2014, gab das österreichische Unternehmen, die Rohöl Aufsuchungs AG (RAG) bekannt, die Wiedererschließung der Erdöllagerstätte Ampfing im östlichen Teil des deutschen voralpinen Molassebeckens zu prüfen. Hintergrund ist eine Studie zur Bewertung des verbliebenen Potenzials an Erdöl und Erdgas in der 1997 an die RAG vergebene Aufsuchungserlaubnis „Salzach-Inn“. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Lagerstätte „Ampfing“ sowie aus der nahegelegenen, kleineren Lagerstätte „Mühldorf-Süd“ noch Kohlenwasserstoffe wirtschaftlich gewinnen lassen (RAG will Wiedererschließung der Erdöllagerstätte Ampfing prüfen).

Für das Jahr 2015 war die Durchführung einer Bohrung mit der Bezeichnung Ampfing-RAG 1 geplant. Das Vorhaben wurde jedoch erst Anfang 2016 begonnen und im Februar abgeschlossen. Zum Abteufen der Bohrung kam eine von der deutschen Firma Bentec konstruierte Bohranlage des Tochterunternehmens RAG Energy Drilling (RED) zum Einsatz.

Nach Abschluss der ca. 1.900 Meter tiefen Bohrung erfolgten erste Messarbeiten. Deren Auswertung hat ergeben, dass der Ampfinger Sandstein erwartungsgemäß Erdöl führt. Dementsprechend hat sich die RAG, bzw. deren deutsches Tochterunternehmen RDG, dazu entschlossen, einen Langzeittest durchzuführen. Dieser begann am 24. August 2016 und wurde jüngst laut Bericht von innsalzach24.de abgeschlossen. Zum Einsatz kam dabei neben weiterem Testequipement ein klassischer, auf dem Foto abgebildeter Tiefpumpenantrieb.

Ergebnisse ernüchternd – Projekt wird dennoch fortgesetzt

Vibroseismik-Fahrzeug von Geofisyka Torun bei einer Vorführung der Wintershall in Barnstorf ©chef79

Vibroseismik-Fahrzeug von Geofisyka Torun bei einer Vorführung der Wintershall in Barnstorf ©chef79

Konkret heißt es, dass das Speichergestein, der Ampfinger Sandstein, zwar erwartungsgemäß ölimprägniert ist, jedoch die Zuflussraten an Erdöl aus dem Zielbereich der Bohrung zu gering für eine wirtschaftliche Förderung sind. Laut des Projektleiters Ernst Burgschwaiger könnte eine Erklärung sein, dass ein bereits entölter Lagerstättenbereich angefahren worden ist. Somit ist kaum noch leicht mobilisierbares Erdöl vorhanden, sondern solches, welches am Ampfinger Sandstein anhaftet.

Dieser anhaftende Teil stellt übrigens gegenüber dem bereits gewonnenen den weitaus größeren Anteil dar. Ursprünglich ging man von einem förderbaren Anteil von 17 % des Lagerstättenanteils aus, der ca. 560.000 Tonnen betragen sollte (Boigk 1981). Laut Erdölförderung 1932-1996 sind bis zur Einstellung der Förderung im Jahr 1987 ca. 551.000 Tonnen gewonnen worden. Die RAG erhofft sich bei erfolgreicher Wiedererschließung der Erdöllagerstätte Ampfing, weitere 560.000 Tonnen gewinnen zu können.

Trotz des ernüchternden Testergebnisses hält die RAG an dem Vorhaben fest. Schließlich erlauben die aus Bohrkernen, Bohrloch- sowie Zuflussmessungen gewonnen Daten eine Verbesserung des Lagerstättenmodells. So hat beispielsweise die Auswertung der Bohrkerne ergeben, dass entgegen ursprünglichen Vermutungen das Speichergestein gute Lagerstättenqualität und Beweglichkeit für Erdöl über größere Bereiche haben kann.

Zusätzlich soll zur Optimierung des Lagerstättenmodells eine 3D-Seismik durchgeführt werden. Diese ermöglicht ein genaueres Abbild des Untergrundes, mit dessen Hilfe potenziell ölführende Bereiche besser identifiziert werden können. Ferner können anhand der seismischen Daten Bereiche identifiziert werden, welche für die Gewinnung geothermaler Energie geeignet sind.

Die Durchführung der Seismikkampagne ist ab Januar 2017 vorgesehen. Nach Abschluss dieser Feldarbeiten schließt sich eine etwa einjährige Auswertungsarbeit an. Ob der Bohrung Ampfing-RAG 1 eine weitere folgt, wird demnach erst Ende 2017/Anfang 2018 geklärt wreden können. Wir wünschen dem Projektverlauf viel Erfolg.

Artikelfoto: Bohranlage E 202 der RED auf der Bohrung Ampfing-RAG 1 im Februar 2016 (bearbeitet), ©U. Schumertl

Vielen Dank an U. Schumertl für Fotos und Hinweis auf den innsalzach24.de – Artikel.