Kohleflözgas-Erkundung bei Stadthagen geplant

In der Hauptsache befassen wir uns auf diesem Blog mit der Erdöl- und Erdgasgewinnung aus konventionellen Lagerstätten. Auch die aus politischen Gründen abgewürgte Erkundung von Schiefergasvorkommen war in der Vergangenheit eines der Kernthemen hier. Untergeordnet richtet sich unser Augenmerk zudem auf die Erkundung und potenzielle Gewinnung von Erdgas aus Kohleflözen, dem Muttergestein der Erdgaslagerstätten in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Dieser Artikel befasst sich mit einem Kohleflözgas-Projekt im westlichen Niedersachsen und gibt somit diesem Bereich der Erdgasgewinnung mehr Gewicht.

Was ist Kohleflözgas?

Per Definition ist Kohleflözgas all das Gas, welches natürlich in Kohleflözen enthalten ist. Unterschieden wird hierbei Flözgas und Grubengas. Flözgas ist dabei das Erdgas, welches aus zuvor unverritztem Gebirge mittels einer Bohrung freigesetzt wird. Im Englischen ist es als „coal bed methane“ (CBM) definiert. Hinsichtlich Grubengas gibt es zwei Formen. Zum einen ist es Erdgas, das aus einem in Betrieb befindlichen Kohlebergwerk abgsaugt wird. Es wird im Englischen als „Coalseam Methane“ (CSM) bezeichnet. Das aus stillgelegten Bergwerken gewonnene Erdgas, im Regelfall Methan, wird hingegen als „Coalmine Methane“ (CMM) bezeichnet. 1)Thielemann, T. (2002): Kohleflözgas in Deutschland

Letzteres möchte das Unternehmen LauenhagenGas GmbH (Lauenhagengas) im Landkreis Stadthagen, westlich von Hannover, gewinnen. Und darüber soll hier im Folgenden zusammenfassend berichtet werden.

Über das Vorhaben

Die Aufsuchungserlaubnis wurde bereits 2014 an die Unternehmensmutter PVG GmbH – RESOURCES, SERVICES & MANAGEMENT (PVG) vergeben. Im November 2015 wurde die Erlaubnis dann auf die Lauenhagengas übertragen. Dazu gab es hier auf dem Blog nichts zu lesen, da wir grundsätzlich erst berichten, wenn technische Maßnahmen zur Aufsuchung in Angriff genommen werden. Denn oft hat die Vergangenheit bewiesen, dass Aufsuchungserlaubnisse nach negativer Bewertung vorhandener Daten zurückgegeben worden sind, ohne das auch nur ein Hauch Feldarbeit geleistet wurde. Wir halten uns an Fakten und spekulieren, anders als die Gegner inländischer Kohlenwasserstoffgewinnung nicht wild herum.

Das Erlaubnisfeld befindet sich in der Schaumburger Mulde. Dort bildete sich im Verlauf der Erdgeschichte Steinkohle im unterkretazischen Wealden. Somit ist die dortige Steinkohle erheblich jünger (130-140 Millionen Jahre) 2)http://www.lauenhagengas.de/de/projekt.php als die bedeutenderen Steinkohlevorkommen des Oberkarbon (23,2–298,9 Millionen Jahre vor heute)3)https://de.wikipedia.org/wiki/Karbon.

Die schaumburger Steinkohlevorkommen wurden in der Vergangenheit abgebaut. Aufgrund von Ausgasungen war  die Einrichtung (bergmännisch „Auffahren“) neuer Abbaustrecken mit erheblichen Komplikationen verbunden. Das anfallende Gas wurde abgesaugt und energetisch verwertet. Durch diese Maßnahme ließ sich der Gaszustrom technisch beherrschen, was den Kohaleabbau ermöglichte. Dieser wurde Anfang der 1960er Jahre jedoch aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.

Mit der für das erste Halbjahr anberaumten Aufschlussbohrung „Lüdersfeld 2“ soll erkundet werden, ob das Kohleflözgas heute noch wirtschaftlich gewonnen werden kann. In anderen stillgelegten Steinkohlerevieren führten solche Vorhaben zum Erfolg.

Protest gegen die mögliche Kohleflözgas-Gewinnung

Eine Bohranlage der Angers Söhne auf der Aufschlussbohrung zur Schiefergaserkundung „Schlahe 1“. © Markus Stahmann

Wie gegenwärtig kaum anders zu erwarten, regt sich gegen das Vorhaben regionaler Protest. Erwartungsgemäß spielen Fakten dabei offenbar kaum eine Rolle. Laut eines Presseartikels, welcher auf der Website von Lauenhagengas hinterlegt ist, schürt eine lokale Bügerinitiative mit offensichtlich zusammengeklaubtem Halbwissen Ängste unter den Mitbürgern.

So soll unter Anderem behauptet worden sein, dass alle 2.000 Meter (2 Kilometer) eine Bohranlage errichtet werden müsse, um das Erdgas zu gewinnen. Dazu folgende Klarstellung: Mit der Bohrung „Lüdersfeld 2“ soll überhaupt erst festgestellt werden, ob sich Erdgas in wirtschaftlich förderbarer Menge im Untergrund befindet. Die Abstandsangabe von 2 Kilometern beruht zudem wahrscheinlich auf dem Erschließungskonzept der ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) für hiesige Schiefergasvorkommen. Demnach sind zur flächenmäßigen Erschließung inländischer möglicher Schiefergasvorkommen Förderplätze im Abstand von 2 km angedacht gewesen. Doch was hat das mit dem Vorhaben zu tun? Richtig! Rein gar nichts! Damit wären wir beim bereits oben erwähnten Punkt wilder Spekulationen durch Bürgerinitiativen.

Und selbst wenn der Abstand der Bohrungen 2 km betragen sollte, ist sachlich gesehen kein Problem zu erkennen. Dort wo der Verfasser dieser Zeilen aufgewachsen ist, lagen die in der Spitze ca. 320 Förderplätze nur 500 Meter und teilweise noch weniger auseinander. In Ölfeldern sind es manchmal sogar nur 10er-Meter Abstand von Förderplatz zu Förderplatz.

Einen gewissen Anteil Mitverantwortung an der Hysterie trägt auch die regionale Presse. In einem 4)Artikel der Schaumburger Nachrichten aus dem Jahr 2014 hieß es im Text zum Artikelfoto:

Eine Fracking-Anlage wie hier vor einigen Jahren in Niedernwöhren wird es in Lauenhagen nicht geben.

Auf dem Foto ist jedoch keine „Fracking-Anlage“, was auch immer das sein soll, zu sehen, sondern eine kleine Bohranlage des Unternehmens Angers & Söhne. Selbige stand im ungefähren Zeitraum auch auf der Bohrung „Schlahe 1“ bei Sulingen (Foto). Beide Bohrungen hatten lediglich das Ziel, Bohrkerne zu gewinnen, um das Schiefergaspotenzial in den jeweiligen Regionen zu evaluieren. Auftraggeber war übrigens die bereits erwähnte EMPG. Es sind solche Desinformationen mangels Recherche, weswegen sich die offizielle Medienlandschaft über „Lügenpresse“-Vorwürfe aus Sicht des Verfassers nicht beschweren darf.  Einfach bei den Verantwortlichen anzufragen, ist heutzutage offenbar zu viel verlangt. Stattdessen versteigt man sich in Spekulationen und freien Erfindungen, was einfach nur traurig, wenn nicht gar peinlich ist.

Ob das Vorhaben der Lauenhagengas letzlich erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Das gilt nicht nur für dieses Vorhaben, sondern für alle Erkundungsprojekte. Denn die Geologen-/Bergmannsweisheit lautet nicht von ungefähr: „Vor der Hacke ist es dunkel.“ Dieser Weisheit sollten sich Bürgerinitiativen und Medien annehmen, die bereits vor Erkundungsmaßnahmen zu wissen glauben, was zukünftig geschieht.

Artikelfoto: Erdgasförderung in der Heimat des Verfassers. © Steven Arndt 2013

Quellenverzeichnis   [ + ]

1. Thielemann, T. (2002): Kohleflözgas in Deutschland
2. http://www.lauenhagengas.de/de/projekt.php
3. https://de.wikipedia.org/wiki/Karbon.
4. Artikel der Schaumburger Nachrichten