NDR mit nicht sachgerechter Berichterstattung zu Methanaustritten in der Nordsee Teil II

Im ersten Teil unserer kleinen Serie befassten wir uns mit einem NDR-Beitrag in Textform sowie einem weiteren im Filmformat zum Thema Methanausgasungen im näheren Umfeld ehemaliger Tiefbohrungen. Doch ein nüchterner Bericht zu diesem Sachverhalt genügte dem NDR bzw. der verantwortlichen Journalistin Alexa Höber nicht. Stattdessen das Spektrum auch auf Bohrungen an Land ausgedehnt und statt den Methanaustritten außerhalb der Bohrungen über Leckagen aus dem Inneren von Erdöl- oder Erdgasbohrungen gemutmaßt. In der ARD gab es zum Thema einen ausführlicheren Beitrag, mit dem wir uns in diesem Artikel kritisch auseinandersetzen.

von Diplom-Geologe Dirk Weißenborn und Diplom-Geograph Steven Arndt

Quantifizierung und sachgerechte Einordnung von Methanaustritten unterbleibt

Moderne deutsche Erdgasförderanlage „Hildesheimer Wald Z2“ Foto: Steven Arndt (2017)

Der Plusminus-Beitrag von Frau Höber bleibt insgesamt etwas vage, ebenso wie ihre im ersten Teil diskutierten NDR-Beiträge zum Thema. Quantifizierte Methanfrachten aus dem Bereich ehemaliger oder noch aktiver Förderlöcher von Erdöl und Erdgas werden nicht genannt. Erst recht fehlt ein Vergleich zwischen den durch solche menschlichen Aktivitäten hervorgerufenen Methanaustritten einerseits und den „natürlichen“ Austritten von Methan am Meeresboden andererseits. Letztere gibt es nämlich auch! Erst vor wenigen Monaten berichtete der NDR von nachgewiesenen, erst in allerletzter Zeit entstandenen „Auswurfkratern“, welche nordwestlich von Helgoland bei der eruptiven Freisetzung von Methan aus Sedimenten nahe des Meeresbodens entstanden sein sollen. Als letztlich auslösende Ursache wurden Wasserdruckschwankungen im Gefolge heftiger Stürme genannt. Leider kein Wort dazu im aktuellen Beitrag. Wahrscheinlich wollte Frau Höber ihre recht offensichtliche poltische Botschaft („Anti-Fossil-Carbon“) nicht verwässern oder relativieren.

Überall dort, wo organisches Material unter Abwesenheit von freiem Sauerstoff im Sediment vorliegt, kommt es zur Methanbildung. Tertiäre Braunkohlenvorkommen in relativ geringer Tiefe sind in der südlichen Nordsee nachgewiesen. Um nun an Erdöl- und Erdgasvorkommen in größerer Tiefe zu erschließen, müssen diese Schichten natürlich durchbohrt werden. Mit diesen Eingriffen des Menschen zusammenhängende Methanemissionen sind dabei sehr wohl gegeben und nahezu unvermeidlich. Jedenfalls bei vertretbarem technisch-ökonomischem Aufwand.

Natürliche Methanemissionen an Land und aus Seen

Quelle natürlicher Methanemissionen: renaturierte Moore. Bildquelle: Steven Arndt

Viele werden wissen, dass Methanemissionen auch an Land auftreten. Nicht nur aus Braunkohlevorkommen des Tertiärs (häufig Miozän) in oft nur 50-100m Tiefe (Nordwestdeutschland). Bekannt sind z.B. die „Irrlichter“ in Moorgebieten: Selbstentzündungen kleinerer Methanmengen! Klimaschützer machen sich oft auch dafür stark, die Moore als natürliche Kohlenstoffsenken nicht nur zu schützen, sondern die Moorbildung durch geeignete Maßnahmen der Wiedervernässung wieder in Gang zu bringen.

Allerdings übersehen die Klimaschützer dabei, dass ein Anstieg des Grundwasserspiegels in einem Moorgebiet zwar die CO2 Emissionen aus dem Moor senkt, jedoch die Methanbildung im Moorsubstrat wieder ankurbelt. Bedingt durch die Ausweitung anaerober Bedingungen unter Wasser. Und dabei ist Methan doch 25mal klimaschädlicher als CO2!

Eine weitere natürliche Methanquelle können in Abhängigkeit des Eutrophierungsgrades stehende Gewässer, also Seen, sein. Dabei gilt: Je nährstoffärmer sowie je tiefer ein See, umso geringer die Emissionen von Methan. Auch die Temperatur spielt dabei eine Rolle. Je höher sie ist, umso höhere Methanfreisetzungen sind zu erwarten. Dieser Sachverhalt ist übrigens ein interessanter Punkt hinsichtlich der vielgelobten (vermeintlich) klimafreundlichen Wasserkrafterzeugung aus Stauseen. Ein empfehlenswerter Beitrag des MDR geht darauf detaillierter ein.

„Erneuerbare“ nicht frei von Methanaustritten

Erdgasförderung (Bohrung Hemsbünde Z4) versus Biogasgewinnung und Viehhaltung im Landkreis Rotenburg. Wesentliche Methanquelle nur mit Isotopenuntersuchung identifizierbar. Quelle: GoogleMaps

Man kann – und Frau Höber würde an diesem Punkt sicher zustimmen – aber auch auf die Nutzung von Kohlenwasserstoffen verzichten. Politisch geht da alles. Niemand erwartet von der Autorin, sich detailliert zu den durchführbaren Alternativen zu äußern. Auch nicht zu den Folgen einer fossil-kohlenstofffreien Lebensweise der Gesellschaft.

Jede Form der Energie- und Rohstoffgewinnung hat ihre Nebenwirkungen. Auch das von der Anti-Fossil-Carbon Fraktion so hochgelobte Power-to-gas Verfahren mit überbordender Windenergienutzung im Lande und zur See. Dass hierbei auch mit Freisetzungen aus den Prozessanlagen sowie Transportsystemen in gleichem Maße je Methaneinheit zu rechnen ist wie aus den technisch identischen Anlagen der Erdgasaufbereitung und -verteilung wird dabei gerne unter den Teppich gekehrt. Ähnliches gilt ebenso für Biogasanlagen.

Falls nun Untersuchungsprogramme zur Erkundung von Methanaustritten an Land, z.B. in niedersächsischen Erdöl- und Erdgasgewinnungsgebieten, gefordert werden sollten, muss das Untersuchungsprogramm jedoch sehr tiefgründig angelegt werden. Die isotopengeochemische Einbeziehung des C13/C12 Verhältnisses müsste dann zur Unterscheidung von Methan verschiedener geologischer Herkunft zwingend herangezogen werden. Leider wurde im Plusminus-Beitrag dazu nichts ausgesagt.

Doch dieses, nennen wir es „Phänomen“, dass Messwerte nicht exakt benannt werden oder eine sachlich wie fachlich korrekte Einordnung unterbleibt oder aber das die Komplexität solcher Themen unzureichend dargestellt wird, ist leider ein wesentliches Merkmal solcher Reportagen bzw. Dokumentationen. Im abschließenden dritten Teil unserer Serie gehen wir darauf detaillierter ein.

 

Artikelfoto: Erdgasbohrung Burgmoor Z3a in einem von Natur aus methanemittierenden Moorgebiet. Foto: Markus Stahmann