NDR köchelt weiter am Bohrschlammskandal

Seit etwas mehr als drei Jahren versucht der NDR, zunächst noch in Kooperation mit dem WDR einen „Bohrschlammskandal“ herbeizuschreiben. Da die Anlage von offenen Bohrschlammgruben seit Jahrzehnten in Deutschland nicht mehr genehmigungsfähig ist, konzentrierte man sich auf historische Gruben bzw. die ordnungsgemäße Sanierung dieser. Nachdem es einige Monate ruhig war, nahm sich NDR-„Markt“ erneut des Themas an. Konkret geht es dabei um eine Abfallgrube der Erdgasgewinnung im niedersächsischen Wendland nahe der Ortschaft Luckau.

Kurzer Rückblick auf den vermeintlichen „Bohrschlammskandal“

Screenshot mit Autorin Alexa Höber in einem NDR-„Markt“-Beitrag über eine Boden- und Grundwassersanierung im Erdgasfeld Söhlingen im Winter 2010/2011.

Wie einleitend erwähnt, behandelt der NDR das Thema „Bohrschlamm“ seit etwas mehr als drei Jahren. Federführend zeichnete sich dabei Alexa Höber aus, welche in ihren Beiträgen über die Erdöl-Erdgasindustrie Deutschlands diese mit dramatisierenden Beiträgen an den Pranger zu stellen und vorzuführen. Den Ausgang bildete dabei ein Beitrag über Schadstofffunde im Bereich einer aus den 1960er Jahren stammenden Bohrschlammgrube am Platz der einstigen, nicht fündigen Erdgasexplorationsbohrung „Kallmoor Z1“. „Umweltskandal in Niedersachsen: giftiger Bohrschlamm gefunden“ betitelte der NDR reißerisch seine nBeitrag, gestand aber im Text selbst ein, dass eine solche Entsorgungspraxis damals vor über 65 Jahren durchaus erlaubt und gängige Praxis war, heutzutage jedoch längst nicht mehr genehmigungsfähig ist.

Weitere Beiträge auch in Kooperation mit dem WDR und dessen „Energieexperten“ Jürgen Döschner widmeten sich dem Export von Schlamm aus in Sanierung befindlichen größeren zentralen Bohrschlammdeponien nach Nordrhein-Westfalen. Grundsätzlich war in diesen Beiträgen, wie später auch, permanent von „giftigem“, mindestens aber „gefährlichem“ Material zu lesen, was den herbeigeredeten „Bohrschlammskandal“ wohl untermauern sollte.

Doch die dürftige Recherchearbeit mit nicht auszuschließender politischer Intention blieb nicht unwidersprochen. Erwartungsgemäß widersprach der damals noch als Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V. (WEG e.V.) fungierende Interessenverband der deutschen Erdöl-Erdgas-Industrie den Ausführungen. Aber auch Fachbehörden burteilten die Behauptungen der Autoren vom NDR und WDR als absurd (Medial herbeigeredeter Bohrschlammskandal Teil II).

Dennoch setzte vor allem der NDR seine Skandalisierungskampagne fort, ohne dabei neue Erkenntnisse zu den bereits dürftigen hervorzubringen. Tatsächlich blieb seitens der investigativen Journalisten Döschner und Höber bis heute unbeantwortet, was daran so skandalträchtig sein soll, ehemalige Bohrschlammgruben ordnungsgemäß zu sanieren und dabei ihren Inhalt in geeignete Deponiekörper einzubringen (Medial herbeigeredeter Bohrschlamm-Skandal Teil III – Riesenwelle um Nichts! und fortfolgende Teile IV; V; VI).

Aktueller Bohrschlammskandal im Wendland

Sanierung einer Bohrschlammgrube in der Altmark neben bestehendem Förderplatz, Quelle: GoogleMaps

Um das Thema „Bohrschlammskandal“ weiter am Köcheln zu halten und mit mutmaßlich  relativ wenig Aufwand den ein oder anderen GEZ-Euro in die Tasche der freien, tatsächlich jedoch wesentlich von der ARD abhängigen Fernsehjournalistin Alexa Höber zu transferieren, widmete sich NDR-Markt abermals dem Thema „Bohrschlammskandal“.

Ort des Geschehens dieses Mal das niedersächsiche Wendland im Osten des Bundeslandes. Dort wurde seit den 1970er Jahren bis Mitte der 1990re Jahren Erdgas aus den Lagerstätten „Wustrow/-West“, „Volzendorf“ und „Lemgow“ gefördert, welche geologisch gesehen mit zum südlich gelegenen Feldeskomplex „Altmark“ im äußersten Nordwesten Sachsen-Anhalts zählen.

Bereits vor ziemlich genau zwei Monaten am 23. Januar 2018 berichtete der NDR darüber, dass dort eine „Bohrschlammgrube“ saniert werden solle (Bohrschlammgrube in Luckau wird saniert). Immerhin wird differenzierter als sonst üblich geschrieben, dass über die Gefährlichkeit bei der Erdgasgewinnung anfallender Begleitstoffe sich die Geister scheiden würden. Wobei das wiederum dennoch nicht exakt ist. Über die Gefährlichkeit mancher Begleitstoffe wie Quecksilber gibt es überhaupt keinen Diskussionsbedarf. Das Element und auch seine Verbindungen sind stark toxisch. Das ist Fakt! Zur Diskussion steht jedoch, ob Bohrschlamm grundsätzlich gefährlich oder gar giftig ist, wie in der Vergangenheit stets vom NDR behauptet.

Zudem hat sich bei der Lektüre des Berichtes herausgestellt, dass es sich nicht um eine Bohrschlammgrube, sondern um eine Deponie für Abfälle handelt, welche während der Förderung angefallen sind. Das bestätigt selbst in den Kommentaren Bauingenieur Wasserwirtschaft und „Erdgaskritiker“ Bernd Ebeling, welcher regelmäßig auch vom NDR als Experte konsultiert wird, dabei jedoch seine Parteimitgliedschaft bei den Grünen und auch sein Engagement in einer kernkraft- wie fossiler Energiegewinnung ablehnend gegenüberstehenden Bürgerinitiative verschweigt (zugespitzt formuliert Belügen durch Auslassen von wichtigen Informationen).

Bekennender Erdgasförderungsgegner als „Experte“

 

Wendländische Erdgasförderbohrung „Lüchow Z1“ im September 2012. Gebohrt 2010 zur Restgasgewinnung eines Teilbereiches der Lagerstätte „Wustrow“. Foto: Steven Arndt

Prinzipiell ist mit dem Beitrag vom 23.01.2018 alles Wesentliche gesagt worden. Dennoch muss das Thema knapp zwei Monate später in der Sendung „Markt“ vom 19.03.2018 erneut behandelt werden. Der Beitrag ist mit „Bohrschlamm: Angst der Anwohner“ bereits vielsagend betitelt.

Tatsächlich kommt im gesamten mehr als sechsminütigen Beitrag lediglich eine besorgte Anwohnerin zu Wort, die der landschaftlichen Idylle wegen (nein, NDR, eine landwirtschaftlich genutzte Fläche ist nicht „Natur“) von Hamburg auf’s Land gezogen ist.

Mit Bezug auf die Förderaktivitäten in den 1970er Jahren wird laut Kommentatorin salopp behauptet, dass Schadstoffe „einfach so“ in Erdgruben eingelagert wurden. Doch dass dieses „einfach so“ damals gängiger Praxis entsprach, wird wie üblich dem Zuschauer vorenthalten. Mit banalen Fakten lässt sich eben keine Stmmung machen.

Ebenso salopp wird kurz darauf behauptet, dass „Exxon“ den Bohrschlamm auch „einfach“ den Bohrschlamm liegenlassen wollte. Stimmt das wirklich, oder tischt der NDR der Allgemeinheit mal wieder skandalisierend die Unwahrheit auf? Fakt ist, dass das Vorgängerunternehmen („ExxonMobil“ gab es damals in Deutschland nicht, der Rechtsvorgänger war ein Konsortium aus Esso Deutschland und Shell Deutschland) seinerzeit gesetzlich nicht verpflichtet war, die Deponie zu beräumen. Eine Abdeckung des Deponiekörpers mit Mutterboden war Anfang der 1990er Jahre üblich.

Stattdessen, wie für das Format üblich, werden einem Erdöl-Erdgas-Produzenten pauschal schwere Vorwürfe der Verharmlosung getätigt. Als Referenz für die Anschuldigungen dient der besagte Bernd Ebeling, welcher offensichtlich gut bekannt mit der besorgten Anwohnerin ist. Ebeling sei angeblich an Unterlagen von „Exxon“ herangekommen. Wie, das wird erwartungsgemäß verschwiegen. Es findet auch keine Erläuterung statt, was der Hintergrund für die Einrichtung des Messbrunnens war (gab es weitere?), indem die Schadstoffe nachgewiesen worden sind.

Anstehende Sanierung wird dramatisiert

Früher Schlammgrube, heute Biotop „Hollerberger Moor“ bei Emlichheim. Steven Arndt, Juli 2016.

Was bereits seit mindestens Ende Januar auch dem NDR bekannt ist, nämlich dass die Deponie saniert werden soll, wird im „Markt“-Beitrag dramatisiert. So sollen fünf bis zehn LKW pro Tag durch den Ort fahren, um das Deponieinventar abzutransportieren. In Anbetracht eines als realistisch anzusehenden 12-Stunden-Tages bei solchen Arbeiten wären das weniger als 1 LKW alle zwei Stunden bis maximal etwas mehr als einer pro Stunde. Ein lächerlich geringes Verkehrsaufkommen selbst in Anbetracht des zu transportierenden Gutes.

Als Beleg, dass solche Arbeiten angeblich nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden, wird ein hausinterner Beitrag zur Sanierung der Ölschlammgrube „Erika“ im Emsland angeführt. Über angebliche Geruchsbelästigungen des zeitweilig offen liegenden Grubeninventars beklagt sich nicht entweder ein Anwohner, sondern ein nicht näher bezeichneter „Umweltschützer“, der aus der Erinnerung des Verfassers heraus ein Mitglied der Grünen des Kreistages Meppen ist. Soviel, erneut, zur vermeintlichen Überparteilichkeit des NDR.

 

Bohrschlammgrube „Hollerberger Moor“ bei Emlichheim vor der Sanierung. Quelle: GoogleMaps