Erdgasbohrung „Leer Z5“ soll in Produktion gesetzt werden

Bereits ab Februar 2007 und zunächst bis Oktober des selben Jahres sowie von März bis Dezember 2009 mit mehrmonatiger Unterbrechung wurde die Erdgasbohrung „Leer Z5“ niedergebracht. Seitdem wurde die Bohrung in den jeweiligen Jahresberichten des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mit „noch kein Ergebnis“ geführt. Nun kündigt der Betreiber der Erdgaslagerstätte „Leer“ Maßnahmen an, um die Bohrung in Produktion zu setzen.

Erdgasfeld Leer – Historischer Überblick

Testausrüstung auf Erdgasbohrung „Leer Z5“ im Jahr 2009(?) . Bildquelle: Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V.

Die Erdgaslagerstätte „Leer“ ist mit der Aufschlussbohrung „Leer Z3“, welche von August 1981 bis März 1982 abgeteuft wurde (NIBIS Kartenserver), entdeckt. Erst zwei Jahre später wurde, mutmaßlich zunächst testweise, erstmals Erdgas aus der Fundbohrung gewonnen. Eine mehr- oder weniger reguläre Produktion erfolgte erst ab 1986, wobei über mehrmonatige Zeiträume überhaupt kein Erdgas gewonnen wurde und im gesamten Jahr 1988 äußerst bescheidene 25.000 m³ verbucht werden konnten. Bis 1996 kamen vergleichsweise bescheidene 20,3 Mio. m³ zusammen (Erdgasförderung 1949-1996).

Im Folgejahr ist aus der Bohrung eine geologische Ablenkung zur „Leer Z3a) unternommen worden, welche zunächst noch kein abschließendes Ergebnis erhielt. Dennoch weist der LBEG-Jahresbericht Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 1997 eine Produktion von über 9 Mio. m³ aus, was fast der Hälfte der bisherigen Gesamtfördermenge entsprach. Im Mai 1998 erfolgte eine hydraulische Fracbehandlung (umgangssprachlich „Fracking“) mit dem erfreulichen Ergebnis, dass eine Jahresproduktion von 51 Mio. m³ erreicht wurde.

Aber erst 2005 kam mit der Erweiterungsbohrung „Leer Z4“ eine weitere Bohrung im Feld „Leer“ hinzu. Diese wurd im Bereich des Speichergesteins horizontal geführt und in insgesamt 6 Abschnitten Fracbehandlungen unterzogen. Während die Folgebohrung „Leer Z5“ aus technischen Gründen vor Erreichen des Zielhorizontes unterbrochen werden musste, erfolgte die Niederbringung der „Leer Z6“. Diese ist ebenfalls horizontal in die Lagerstätte in Sandsteinen des Rotliegend geführt und in insgesamt 8 Intervallen hydraulisch stimuliert worden. Bis Ende 2017 konnten insgesamt ca. 840 Mio. m³ Erdgas mit Hilfe der bislang vier fündigen Bohrungen (Leer Z3, Leer Z3a, Leer Z4 und Leer Z6) gewonnen werden.

Leer Z5 – Erdgassuche mit Schwierigkeiten

Bohrpfad der „Leer Z5“. Bildquelle: Projektflyer

Mit der „Leer Z5“ sollte analog zur „Leer Z4“ die Rotliegend-Erdgaslagerstätte horizontal aufgeschlossen und mit mehreren Fracbehandlungen in verschiednene Intervallen erschlossen werden. Doch noch vor Erreichen der Speichergesteine musste die Bohrung aufgrund technischer Probleme unterbrochen werden. Konkretes ist dem Verfasser nicht bekannt, da es hierzu keine öffentlich verfügbaren Informationen gibt.

Aber auch nach Abschluss der Bohrarbeiten inklusive der Durchteufung des Speichergesteins auf ca. 1.200 m Länge ist seitens des damaligen Projektträgers Gaz de France Produktion Exploration Deutschland GmbH kein erfolgreiches Ergebnis vermeldet worden. Arbeiten an der Bohrung, wie sie z.B. nach eigener Beobachtung auch im März 2012 erfolgten (damals war eine Coiled Tubing-Anlage des Unternehmens Halliburton aufgebaut) führten offensichtlich nicht dazu, eine wirtschaftliche Produktion zu ermöglichen. Doch das soll sich nach Angaben des neuen Inhabers Vermilion Energy ändern.

Fast neun Jahre nach Bohrende Inproduktionsnahme der „Leer Z5“ geplant

Thema Fracking: Fracarbeiten in Leer, im Hintergrund Leer Z5

Fracarbeiten im Tight-Gas-Feld Leer. Quelle: Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V. (heute Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V.)

In einer Pressemitteilung des Unternehmens, welche auf den 31.05.2018 datiert ist, heißt es, dass Vermilion im Juni 2018 betriebliche Arbeiten an der Bohrung Leer Z5 plane. Vorgesehen sei eine Perforation der Verrohrung in ca. 4.300 m Teufe vor. Perforationsarbeiten sind standardmäßig erforderlich, um eine Produktionsaufnahme zu ermöglichen. Nach Angaben von Vermilion hätten Produktionstests in den Bohrungen „Leer Z2“ sowie „Leer Z3a“ nach Perforationsarbeiten in diesem Lagerstättenbereich den erwarteten Erfolg gezeigt.

Diese Angabe verwundert den Verfasser insofern, als das die Bohrung  „Leer Z2“ nie als „gasfündig“ deklariert worden ist. Vermutlich handelt es sich um einen Tippfehler und es ist die Bohrung „Leer Z3“ gemeint.

Weiterhin ist der Mitteilung zu entnehmen, dass laut Planung die Arbeiten inklusive Auf- und Abbau voraussichtlich eine Woche dauern. Vermilion geht zurzeit von 6 Arbeitstagen in 24-stündigem Schichtbetrieb – darunter auch Arbeiten am Samstag – aus. „Sichtbar für die Anwohner und Anwohnerinnen während dieser Zeit werden vor allem eine circa 32 Meter hohe Anlage, ein zusätzlicher Kran sowie sechs weitere Mitarbeiter vor Ort sein“, so Andreas Gobi, Produktionsleiter von Vermilion.

Nach Abschluss der untertägigen Arbeiten werden sich voraussichtlich obertägige anschließen. Diese umfassen den Bau von Leitungen zum Anschluss der Bohrung an bereits vorhandene Aufbereitungsanlagen. Der Erdöl- und Erdgasproduzent erhofft sich, die Bohrung noch im Juli 2018 in Betrieb nehmen zu können.

 

Artikelfoto: Fracarbeiten im Tight-Gas-Feld Leer. Quelle: Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V. (heute Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V.)