Traditionsunternehmen ITAG will Bohrbetrieb einstellen

Bereits am 10. August berichtete die Cellesche Zeitung, dass das Celler Traditionsunternehmen Hermann von Rautenkranz Internationale Tiefbohr GmbH & Co. KG (ITAG) den Bohrbetrieb einstellen will. Sollte dies tatsächlich geschehen, findet eine über 100-jährige Tradition ein Ende.

ITAG-Gründung im Jahre 1912

ITAG-Rig 27 auf Erdgasbohrung „Goldenstedt Z21“ im März 2012. Foto: Steven Arndt. Anklicken zum Vergrößern.

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahre 1912 vom deutschen Erdölpionier Hermann von Rautenkranz zunächst in Hamburg. Bereits ein Jahr darauf erfolgte der Umzug nach Celle. Dass die Kleinstadt am Südrand der Lüneburger Heideausgewählt wurde, ist wenig erstaunlich, befanden sich mit „Wietze“ und „Nienhagen“ die beiden einzigen damaligen Erdölförderstätten Deutschlands von wirtschaftlicher Bedeutung jeweils nur wenige Kilometer von Celle entfernt (ITAG & Wikipedia).

Unter dem Dach des Familienbetriebes wurden neben dem Tiefbohrbetrieb noch die Sparten Ölfeldausrüstung sowie Maschinenbau vereinigt. Dabei ist die Tiefbohrsparte das umsatz- wie mitarbeiterstärkste Geschäftsfeld des Unternehmens, welches heute einem katarischen Unternehmer gehört. Die ITAG Valves & Oilfields Products GmbH entwickelt, produziert und vertreibt Ausrüstungen für die Öl- und Gasindustrie während die kleinste Sparte, die ITAG L&R GmbH, runde Präzisionsteile und Sondergewinde für den Schiffs-, Maschinen- und Anlagenbau sowie Hochdruckrohre herstellt.

Doch weil unter den gegenwärtigen Marktbedingungen ein wirtschaftlicher Bohrbetrieb kaum möglich ist, stellt das Unternehmen Überlegungen an, diese Sparte komplett abzustoßen.

Bereits drei ITAG-Bohranlagen an tschechischen Mitbewerber MND verkauft

ITAG-Rig 40

ITAG-Rig 40 bei Bohrarbeiten im Ölfeld Bockstedt im Dezember 2016. Foto: Steven Arndt. Zum Vergrößern anklicken.

Laut des Artikels der Celleschen Zeitung, der leider online nicht publiziert wurde,  befindet sich das Traditionsunternehmen momentan in einer Umstrukturierungsphase. Für das Jahr 2019 konnten keine wirtschaftlich durchführbaren Vorhaben akquiriert werden, weshalb zum gegenwärtigen Zeitpunkt geplant ist, den Bohrbetrieb einzustellen. Allerdings soll der Geschäftsbereich Reparatur, Wartung und Service erhalten bleiben und sogar ausgebaut werden.

Von den sechs ITAG-Bohranlagen sind bereits drei an den tschechischen Mitbewerber MND Drilling & Services, der im niedersächsischen Nienburg eine Niederlassung eröffnet hat, veräußert worden. Um welche Anlagen es sich konkret handelt, entzieht sich unserer Kenntnis. Diese werden jedoch zunächst weiterhin unter der Betriebsführung der ITAG Tiefbohr GmbH betrieben. Bei wirtschaftlich attraktiven Aufträgen ist sogar nicht ausgeschlossen, dass der Bohrbetrieb aufrecht erhalten bleibt während im umgekehrten Fall die Veräußerung der drei verbliebenen Anlagen weiter eine Option bliebe.

Politik wird für Niedergang mitverantwortlich gemacht

ITAG-Rig 30

ITAG-Rig 30 auf Bohrung „Dötlingen-Ost Z1“ im Sommer 2014. Foto: Steven Arndt. Zum Vergrößern anklicken!

Insgesamt führt im Artikel der Celleschen Zeitung der Prokurist Marc Leverenz drei Gründe für den Niedergang des Bohrbetriebes der ITAG an. Zum einen ist es die seit Jahren andauernde Krise der Ölindustrie aufgrund des Ölpreises. Allerdings bewegt dieser sich gegenwärtig auf vergleichsweise hohem Niveau von fast 80 US-Dollar je Barrel der Sorte „Brent“. Noch vor einem Jahr lag er ca. 25 US-$ darunter (Ölpreis aktuell). Somit spielen andere Faktoren eine wesentlichere Rolle, zumal das Unternehmen vorrangig in Deutschland aktiv ist.

Wie z.B. Grund Nr. 2 die mangelnde Akzeptanz von Teilen der Bevölkerung hinsichtlich der Aufsuchung neuer Ressourcen fossiler (Energie-) Rohstoffe. Aktuell wird dies besonders deutlich in Bezug auf das Vorhaben, in der Niederlausitz außerhalb des Spreewaldes (auch wenn die neugegründete lokale Bürgerinitiative mit dem Namen „IG Gegen Gasbohren im Oberspreewald“ anderes suggeriert), Kohlenwasserstoffe aufzusuchen. Für drei der bislang vier getätigten Erkundungsbohrungen kam dabei die ITAG-Rig 30 zum Einsatz.

Als dritter Grund werden die hohen Auflagen der Behörden zur Genehmigung von Bohrvorhaben angeführt. Diese hohen Auflagen, die 2017 nochmals deutlich aufgrund des Druckes von Teilen der Bevölkerung, Ökolobby- wie Kampagnenvereinen ohne wissenschaftlich-technische Begründung verschärft wurden, führten zur weiteren Verteuerung von Bohrvorhaben und schließlich deren Unwirtschaftlichkeit. Das wiederum bedeutet, dass die unter strengen Auflagen erfolgende und energieintensive weite Transportwege vermeidende Erdöl-Erdgas-Produktion „vor der eigenen Haustür“ stärker zurückgeht als natürlichen wie technischen Gegebenheiten erforderlich. Die vorgeblichen Kämpfer für mehr realistischen Umwelt- sowie abstrakten Klimaschutz haben somit das Gegenteil ihres Anliegens bewirkt, obwohl sie es nicht begreifen werden.

Was mit den Mitarbeitern des Bohrbetriebes geschieht, bleibt ungewiss. Ein Wechsel von der ITAG zur MND hat nicht stattgefunden, so der Prokurist Leverenz. Allerdings habe MND Stellenanzeigen zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter geschaltet. Von Seiten der Politik können sie jedoch keine Unterstützung erwarten, schließlich ist es gewollt, dass die fossilen Energieträger in Deutschland keine Rolle mehr spielen sollen. Dass im Jahre 2017 Erdöl und Erdgas 78,3 Prozent des deutschen Primärenergiebedarfes abdeckten, während Sonne und Wind zusammen gerade einmal auf 4,1 Prozent kamen (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie), ficht weder Politiker noch Umwelt- wie Kampagnenvereine an, die davon träumen, dass von jetzt auf gleich oder auch in absehbarer Zeit Sonne und Wind fossile Rohstoffe Kohle, Öl und Gas ersetzen könnten.

Doch mit Träumereien, die ein Albtraum u.a.  für die Mitarbeiter der darbenden deutschen Erdöl-Erdgas-Industrie sowie den unter exorbitant hohen Strompreisen leidenden Bürgern Deutschlands sind, ist weder ersteren noch letzteren geholfen.

Artikelfoto: ITAG-Rig 23 auf Erdgasbohrung Düste Z10 im März 2012. Foto: Steven Arndt

7 Kommentare zu Traditionsunternehmen ITAG will Bohrbetrieb einstellen

  • Dirk Weißenborn sagt:

    Eine öffentliche Reaktion bzw. ein Statement von Seiten der Gewerkschaft sowie der ehemaligen Arbeiterpartei SPD habe ich bisher nicht vernommen bzw. nicht gefunden. Sollte also ein Interessierter oder auch betroffener Arbeitnehmer etwas dazu hier oder auf der zugehörigen FB-Seite beitragen können, wäre dies sicher zu begrüßen.

    Strukturwandel in Wirtschaft, Gesellschaft und Technologie wird es immer geben. Der jetzige Wandel trägt jedoch dekadente, peinliche Züge des Verfalls im Denken. Diejenigen welche gestern und heute gegen „Fracking“ und überhaupt Erdöl-/Erdgasgewinnung in Deutschland antreten, haben scheinbar überhaupt kein Problem mit dem zunehmenden Import von Erdöl und Erdgas. Dieses gilt sogar für die SPD. Dabei schwafeln die doch genau so vom Pariser Klimaabkommen wie fast alle anderen Parteien und gesellschaftlichen Gruppen.

    Zeitgleich zu diesem Niedergang der deutschen Kohlenwasserstoffbranche vollzieht sich auch der Absturz der deutschen Windenergiebranche. Das ist wirklich ein Treppenwitz. Auch die dortigen Arbeitnehmer haben Sorgen. Im Gegensatz zu den freigesetzten Mitarbeitern in der Öl- und Gasindustrie finden sie jedoch wenigstens das Gehör der Genossen (und auch der CDU) im Land Niedersachsen. Umweltminister Lies ist in großer Sorge und dringt verschärft auf dei Fortsetzung der so erfolgreichen – überwiegend windgestützten – Energiewende. Auch für Mobilität und Wärme.

    Nun denn, also „Energiewende“ mit „Erneuerbaren“. Machen!

    Bestimmt wird sich jedoch irgend ein Genosse oder sonstiger Politversager gegen die Gewinnung wertvoller, für die Energiewende wichtiger, Rohstoffe im eigenen Land wenden,

    Warum wohl wird der Abbau von lithiumhaltigem Spodumen nicht in Sachsen, sondern erst unmittelbar hinter der Landesgrenze zu Tschechien (Raum Cinovec) von einem australisch-tschechischen Konsortium ins Auge gefasst?

    Unter anderem auch, weil die dort klarer denken können.

  • Sven Friedrich sagt:

    „Ach, die tun mir so leid!“ – Satire Ende…
    Schauen Sie sich den Gewinner des diesjährigen Gründerpreises an – Gewinnung von Kraftstoffen aus CO2 und erneuerbaren Energien – Audi ist begeistert und investiert, ebenso wie ein Energieunternehmen aus Bayern… die Jungs haben es drauf und machen die Zerbohrung und Verseuchung der Landschaften überflüssig und tun etwas wirksam gegen den CO2-Anstieg in der Atmosphäre und den damit verbundenen Klimawandel. Hauptsache, die lassen sich die Patente nicht wieder von der Öl-Industrie abkaufen, die diese dann in der Schublade verschwinden lässt. Die Ex-Ölförderer können sich dort bewerben – das Unternehmen expandiert gerade!

    1. SAR sagt:

      Ach, plötzlich sind die Abgasbetrüger des VW-Konzerns die Öko-Helden (falls Sie es nicht wissen, wovon ich bei Ihrem simplen gut/böse-Weltbild fast ausgehe: Audi gehört zu VW).

      Im Übrigen: Auch die Ölindustrie forscht an Alternativen zum Erdöl, wie beispielsweise der „böse“ „Ölmulti“ ExxonMobil: https://corporate.exxonmobil.de/de-de/energie/forschung-und-entwicklung/biokraftstoff-aus-algen

      Das Problem ist nur: All die Bemühungen sind großtechnisch nicht verfügbar, sondern befinden sich in der Erprobungsphase und werden sich, wenn überhaupt, erst in Jahrzehnten großmaßstäbig durchsetzen. Parallel wächst aber der Energiebedarf. Und deshalb ist es erforderlich, nach neuen Ölvorkommen zu suchen und bei Erfolg auch zu fördern.

      Stichwort Audi: Die betreiben im niedersächsischen Werlte eine Power-To-Gas-Anlage. Jährlich erzeugt diese etwa 1 Millionen Kubikmeter Methan. Zum Vergleich: Deutschland hat einen Erdgasbedarf von ca. 80 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. Sie dürfen sich selbst errechnen, wie vieler Anlagen es bedürfte, um den Erdgasbedarf Deutschlands durch diese zu decken. Aber ich helfe Ihnen dabei: Es wären 80.000 Anlagen, die etwa die Größe eines Erdgasförderplatzes hätten.

    2. Dirk Weißenborn sagt:

      —„Ach, die tun mir so leid!“ – Satire Ende…—

      Was an Ihrer kindisch-überheblichen Aussage „Satire“ sein soll, wissen Sie selbst nicht. Lächerlich.

      Des Weiteren: Wen meinen Sie mit „die“? Das Unternehmen, welches seinen Kernbereich schließt oder die davon betroffenen Arbeitnehmer, deren Schicksal Ihnen offensichtlich völlig am A… vorbei geht.

      „Zerbohrung und Verseuchung der Landschaften“

      Mal wieder Abteilung „Fake News“. Landschaften können übrigens gar nicht durchbohrt werden – höchstens deren geologischer Untergrund. Und dass die Öl- und Gasindustrie Landschaften „verseucht“, ist völlig neu. Freigesetzte gefährliche Bakterien und Viren wurde der Branche selbst von Ihren größten Gegnern noch nicht angeheftet.

      „Die Ex-Ölförderer können sich dort bewerben – …“

      Die freigesetzten Mitarbeiter der ITAG waren keine „Ölförderer“. Sie waren Mitarbeiter in einem Tiefbohrunternehmen.

      Aber halbgare Aussagen sind ja die Spezialität Ihrer Szene.

      Davon abgesehen: OMV, Shell und Total sind neben Linde-Gas und etlichen anderen Unternehmen (auch der Automobildustrie) Mitglieder in der Deutschen Wasserstoffinitiative. Die von Ihnen erwähnten, sehr interessanten Entwicklungen finden durchaus statt, auch wenn der Durchbruch zur Marktdurchdringung noch nicht stattgefunden hat.

      Wasserstoff auf regenerativer Basis hat eine Menge für sich. Keine Frage. Sofern der Ausbau der Windenergie jedoch zusätzlich zum Ersatz des 40%igen Kohlestromanteils am Strommix Millionen von akkuelektrischen und brennstoffzellengetriebenen Fahrzeugen sowie weitere Anwendungen stützen soll, kommen wir in utopische Bereiche. Alles Land und die offshore Regionen müssten zugespargelt werden.

      Wenn Sie zusätzlich auch noch in der Stahlerzeugung vom Reduktionsmittel Kohlenstoff auf Wasserstoff umsteigen, können Sie noch mal richtig Windenergiekapazität draufsatteln.

      Oder Sie verzichten auf Stahlerzeugung. Sind ja eh alles nur böse Unternehmen. Allerdings können Sie dann z.B. das Fundament einer E-126 von Enercon nicht mehr mit 180 Tonnen Stahlarmierung aus heimischer Produktion versehen. Aber Ihnen macht das sicher nichts und zudem stehen chinesiche, koreanische und weitere Lieferanten schon bereit Ihre Wünsche zu erfüllen.

      Dumm nur wenn die EU Einfuhrzölle darauf erhebt oder anhebt.

    3. MST sagt:

      Sagen Sie mal, dieses Geothermie kennen Sie schon? Und wissen Sie auch, was man machen muss, um das zu nutzen? Bohren! Und auch Fracen, und das in der Regel noch großvolumiger als in Öl oder Gasbohrungen…

      Und im Übrigen: ITAG fördert kein Öl, sondern bohrt höchstens danach, bzw. stellt Teile für die Förderung her.

      Wie fänden Sie es eigentlich, wenn ich Ihnen sage „Wir schließen jetzt Ihren Betrieb, Ihre Branche, fangen Sie doch mal an nach Öl zu bohren.“ Fänden sie bestimmt super oder?

  • Sven Friedrich sagt:

    Im Übrigen können sie sich sparen,über den Umfang meines Weltbildes zu spekulieren,mit dem Ziel mich beleidigen zu wollen. Mir sind die Fakten zum VW Konzern durchaus bekannt und ich beschönige nicht den Skandal. Das Projekt zur Methangas Gewinnung finde ich auch diskussionswürdig. Aber ihre Darstellung, dass Exxon zukunftsfähige Projekte fördert, kann ich grundsätzlich bezweifeln. Diese Pressemitteilungen über Randaktivitäten dienen nur der PR, um das miese Image des Konzerns zu übertünchen. Von einer Energiewende hält dieses Unternehmen nichts und macht seinen ganzen Einfluss bei Trump geltend – leider mit Erfolg.

    1. SAR sagt:

      „Aber ihre Darstellung, dass Exxon zukunftsfähige Projekte fördert, kann ich grundsätzlich bezweifeln. Diese Pressemitteilungen über Randaktivitäten dienen nur der PR, um das miese Image des Konzerns zu übertünchen.“

      Es handelt sich bei der von mir verlinkten Seite um keine Pressemitteilung und es geht auch nicht um die FÖRDERUNG zukunftsträchtiger Projekte, sondern um eine Darstellung eines Forschungsvorhabens des Unternehmens..

      Aber wie gesagt: Bleiben Sie bei Ihrem eingeschränkten, vorurteilsbehafteten Weltbild und ihren Verunglimpfungen sowie Äußerungen am Rande von Verschwörungstheorien. Ernstgenommen werden Sie damit bei uns nicht.

      Im Übrigen werden Kommentare von Ihnen, die sich nicht mit dem jeweiligen Artikelthema befassen, nicht mehr freigeschaltet. Erst recht nicht, wenn sie vorwiegend unbelegte, von Vorwürfen und Unterstellungen geprägte Äußerungen enthalten.

      Kleiner Tipp zum Abschluss: Fahren Sie einfach mal in eine Erdöl- oder Erdgasförderregion in Deutschland und verbinden das eventuell noch mit einem Besuch in einem Erdöl-Erdgas-Museum wie beispielsweise in Twist oder in Wietze.

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