Kommentar: Wenn du kein Hobby haben kannst

Glaubt man einigen Kommentatoren hier auf dem Blog oder auf anderen Portalen und Netzwerken, könnte man zur Erkenntnis gelangen, dass man bestimmte Hobbys haben kann und vor allem darf, und andere wiederum nicht. Spannend wird es immer dann, wenn Technik, Interessen von Firmen und unweigerlich auch viel Geld ins Spiel kommen. Ein Kommentar.

Ich würde nicht zwingend von mir behaupten die typischen Interessen und Hobbys zu haben. Schon gar nicht zu Kindes- und Jugendtagen. Mögen die Fotografie, Videospiele, Musik und Konzerte oder auch Werder Bremen noch als normale Hobbys durchgehen, wird es doch insbesondere bei der technischen Seite des Internets oder den Seenotrettern schon spezieller, aber vielleicht noch nachvollziehbarer. Und erst recht bei der Förderung von Erdöl und Erdgas dürfte dann auch der letzte raus sein.

Soweit klar? Konnten Sie mir folgen?  Mich interessiert das technische hinter dem Internet. Flexbox, CSS Grids, Keyframes, Webfonts, und und und. Na noch dabei? Meine erste Website ging online, da war ich 13 oder 14, natürlich selbstgecodet, und ohne Baukasten – das konnte doch jeder.

Tagesausflug: Für ein Foto von Mittelplate und Bohranlage durch Norddeutschland.

Interesse seit frühester Kindheit

Aber noch viel früher, ich war noch keine 5 Jahre alt, da war es schon anderweitig um mich geschehen: Irgendwie wirkten diese stählernen Pferde eine gewisse Faszination auf mich aus. Und dann bekam ich auch noch davon Wind, dass „hier“ eine Bohranlage steht. Es war endgültig um mich geschehen. Selbst im Urlaub hatte man keine Ruhe: Wie gut man doch von Dithmarschen aus diese eine Insel da sehen konnte: Mittelplate. Spätestens jetzt gab es kein zurück mehr und jedes Bild, jeder Artikel wurde förmlich aufgesogen.

10, 20 Jahre später hat sich daran nicht viel geändert. Es kamen die ein oder anderen Interessen hinzu. Etwa zeitgleich mit meinen Aktivitäten im Internet  entdeckte ich die Liebe zur Fotografie und kombinierte die Sachen einfach: Es wurden Ölpumpen fotografiert und Websites um diese Bilder aufgebaut.

Und heute? Ich kombiniere noch immer mehr oder weniger die Interessen. Die Fotos sind, das würde ich behaupten, künstlerisch wertvoller geworden, haben ihren gewissen Stil gefunden und rücken nicht immer nur die Bohranlage oder die Sonde in den Vordergrund. Über meine HTML-Kenntnisse von damals kann ich nur schmunzeln und bin nicht so ganz unschuldig an der einen oder anderen Website, sonst würde diesen Text ja jetzt auch niemand lesen können.

Aber dann, spätestens beim nächsten ach so schlimmen Skandal oder dem Zeitungsartikel, dass wieder die bösen bösen Claims abgesteckt wurden, kommen sie wieder aus ihren Löchern: Das Geschrei darüber, es wäre Lobbyismus und Lohnschreiberei, wenn der Unsinn, der in den jeweiligen Artikeln/Beiträgen vom Stapel gelassen wurde, scharfzüngig und mit spitzer Feder auf dieser Seite kritisiert wird.

Klar, als fünfjähriger habe ich mir schon den großen Kopf drum gemacht, wie ich möglichst gut die Interessen einer Industrie vertreten kann. Die Kassen haben geklingelt und ich wäre sowas von neidisch auf meine Kameraausrüstung, die ich mir durch die ganzen Zuwendungen hätte leisten können.

Auch Hobby der Seitenbetreiber: Morgens um 2 Uhr aufstehen, um den Sonnenaufgang im Harz zu fotografieren.

Was ist Hobby und was nicht?

Aber mal im Ernst: Darf man keine Interessen haben, die auf andere befremdlich wirken? Darf man sich nicht für technische Dinge interessieren, die wahre Höchstleistungen sind? Kann es nicht auch Menschen geben, die unentgeltlich, fernab jegliches Profits sich einfach für Sachen begeistern? Soll das wirklich dann schon Lobbyismus sein, wenn man einfach zu den eigenen Hobbys steht und auch dafür argumentiert? Muss man wirklich sofort eine Motivation suchen und sie bis ins kleinste Detail erläutern lassen, wenn man sagt man interessiert sich einfach für die Suche und Förderung von Erdöl und Erdgas und spricht sich deshalb auch dafür aus? Ich finde nicht!

Viel mehr stellt sich doch auch die Frage, warum von Kritikern einen Lobbyarbeit vorgeworfen wird, wenn man eben eine andere Meinung vertritt. Ich fotografiere beispielsweise mittlerweile sogar hauptsächlich Natur und Landschaften. Wenn ich mich jetzt hier explizit für den Schutz und die Erhaltung einsetzen würde, wäre ich dann nicht auch ein Lobbyist? Und was sind bitte Naturschutzorganisationen wie Greenpeace oder der BUND? Sind das nicht auch Interessensvertreter? Warum schwingt man hier nicht gleich die Lobby-Keule als wenn ich mich hier an dieser Seite beteilige, sei es technisch oder auch auf inhaltlicher Weise.

Eine Frage des Respekts

Das Resultat des Shootings vom Titelbild.

Letztlich finde es, je nach Auftreten des Kritikers, respektlos, wenn man nicht verstehen oder erkennen mag, dass es einfach Menschen gibt, die sich für gewisse Technologien interessieren, ohne irgendwelche kommerziellen Absichten, einfach weil es ihr Hobby ist. Vielleicht sollte sich jeder, der uns, also den Betreibern und Autoren der Website hier mal wirklich die Frage stellen, wie man es selbst finden würde, wenn einem selbst quasi die eigenen Interessen abgesprochen werden.

Also vielleicht da einmal drüber nachdenken und überlegen, ob es nicht wirklich auch Leute gibt, die sich für die Suche und Förderung von Erdöl und Erdgas interessieren oder einfach Hobbys haben, die nicht der angenommenen Norm entsprechen. Schließlich ist doch Vielfältigkeit etwas, was man sich gerne wünscht und möchte. Und die Akzeptanz sollte doch eigentlich größer sein, als bei pubertierenden Jugendlichen, denn so möchte keiner mehr sein, oder? Auch wenn man es nicht unbedingt verstehen und nachvollziehen kann.

Ein Kommentar zu Kommentar: Wenn du kein Hobby haben kannst

  • Dirk Weißenborn sagt:

    Wie viele Mitglieder von Naturschutzverbänden einschl. Greenpeace und auch Mitglieder zahlreicher Parteien haben wohl Anteile an Windparks, Freiflächensolaranlagen usw.? Greenpeace betreibt sogar Windparks und vertreibt elektrischen Strom.

    Also sollten gewisse Kommentatoren ganz vorsichtig hinsichtlich Ihrer vermeintlich „neutralen“ und nur am „Gemeinwohl“ orientierten Argumentation sein.

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