Erdöl und Erdgas in Deutschland https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de Sun, 29 Mar 2020 16:29:02 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.3.2 Erkundungsbohrung Schwegenheim 1 weist Erdöl nach https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/erkundungsbohrung-schwegenheim-1-weist-erdoel-nach/ https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/erkundungsbohrung-schwegenheim-1-weist-erdoel-nach/#respond Sun, 29 Mar 2020 16:29:02 +0000 https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/?p=8446 Bei einer Geothermie-Erkundungsbohrung in einem Gewerbegebiet am Rande von Speyer stieß im Jahr 2003 die ausführende Firma Palatina Geocon in Schichten des Buntsandstein unerwartet auf Erdöl. Nach 3-D-seismischen Arbeiten 2005 erfolgte mit der Bohrung „Römerberg 1“ zwei Jahre später eine gezielte Erkundungsbohrung auf das zufällig gefundene Vorkommen. 2009 wurde diese Bohrung als fündig bewertet und […]

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Bei einer Geothermie-Erkundungsbohrung in einem Gewerbegebiet am Rande von Speyer stieß im Jahr 2003 die ausführende Firma Palatina Geocon in Schichten des Buntsandstein unerwartet auf Erdöl. Nach 3-D-seismischen Arbeiten 2005 erfolgte mit der Bohrung „Römerberg 1“ zwei Jahre später eine gezielte Erkundungsbohrung auf das zufällig gefundene Vorkommen. 2009 wurde diese Bohrung als fündig bewertet und die Förderung aufgenommen. Es folgten weitere Bohrungen. Zusätzlich erwog das neu gegründete Konsortium aus Palatina Geocon sowie dem Erdöl- und Erdgasproduzenten Gaz de France – SUEZ (GDF-SUEZ)weitere Erkundungsbohrungen auf mögliche Vorkommen im näheren Umfeld des Überraschungsfundes. Dazu zählt auch die bereits 2019 durchgeführte Bohrung Schwegenheim 1 südwestlich von Speyer.

Planung für Erdölerkundungsbohrung bei Schwegenheim begannen 2015

Platzbau für Erkundungsbohrung Schwegenheim 1. Quelle: GoogleMaps

Aufgrund der positiven Ergebnisse des Überraschungsfundes sowie weiterer Bohrungen führte das Konsortium im Winter 2012/2013 eine Seismikkampagne durch. Im Zuge der Auswertung der dabei gewonnenen Daten haben sich Hinweise ergeben, dass es bei der Ortschaft Schwegenheim, südwestlich von Speyer gelegen, eine Struktur gibt, die Erdöl führen könnte. Diese befindet sich in ca. 2.500 Metern Tiefe. Mit Überlegungen zur Durchführung einer Erkundungsbohrung trat das Konsortium 2015 an die Öffentlichkeit und führte u.a. Begehungen des Betriebsplatzes bei Speyer für interessierte Bürger durch.

Bereits 2016 reichte das Konsortium, das inzwischen aus Neptune Energy, Erwerber von ENGIE (ehemals GDF-SUEZ) sowie weiterhin der Palatina Geocon besteht, die für das Vorhaben erforderlichen Anträge und Unterlagen beim zuständigen Landesamt für Geologie und Bergbau in Mainz (LGB) ein. Danach kehrte für einige Zeit Stille um das Vorhaben ein, da erst im Mai 2018 das LGB die Genehmigung des Hauptbetriebsplans für die Erdölsuche bei Schwegenheim erteilte.

Im Sommer 2018 beantragte das Konsortium mit Einreichung des Sonderbetriebsplans zum Bohrplatzbau einen weiteren Zulassungsschritt beim LGB. Die Behörde genehmigte diesen im Februar 2019. Im Juli erfolgte schließlich die Genehmigung des Sonderbetriebsplans für die Tiefbohrung, die nach Abschluss des Bohrplatzbaus ab dem Herbst 2019 durchgeführt wurde. Sie fand ihren Abschluss im November 2019.

Am 25.11.2019 meldete rheinpfalz.de, dass mit der Bohrung Erdöl gefunden wurde. Entsprechende Meldungen waren damals weder auf der für das Vorhaben eingerichteten Seite erdoel-in-schwegenheim.de des Konsortiums noch auf der Seite von Neptune Energy zu finden. Vielmehr dementierte das Konsortium die Meldung in einer Stellungnahme  vom 28.11.2019 mit folgenden Worten: „Das Konsortium aus Neptune Energy Deutschland und Palatina GeoCon möchte an dieser Stelle nochmals betonen, dass es derzeit noch kein konkretes Ergebnis der Aufsuchung gibt. Für eine abschließende Bewertung der Bohrung oder gar eine Meldung eines Erdölfunds ist es zu früh – erst nach einer mehrwöchigen Testphase wird feststehen, ob es einen Erdölzufluss zur Bohrung gibt und ob eine Produktion aus der Bohrung wirtschaftlich ist.“ Mit konkreten Ergebnissen würde im ersten Quartal 2020 gerechnet.

Erdöl durch Schwegenheim 1 nachgewiesen

Erdölförderbohrung „Römerberg 1“ in Speyer. Quelle: BVEG – Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V.

Nach dem Abbau der Bohranlage ließ das Konsortium eine mobile Testanlage errichten, um eine längere Testphase in der Bohrung vorzunehmen. Im Zuge der Arbeiten sollte u.a. ermittelt werden, ob Erdöl zufließt, ob eine längerfristige wirtschaftliche Förderung möglich ist und welche Druckverhältnisse in der potenziellen Lagerstätte herrschen.

Inzwischen sind die Testarbeiten abgeschlossen, wie das Konsortium bereits am 18.03.2020 meldete. Im Zuge der Testarbeiten konnte in mehreren Teufenintervallen der Bohrung ein Zufluss von Erdöl festgestellt werden. Dennoch wird angemerkt, dass diese ersten positiven Ergebnisse noch keine endgültige Bewertung der Bohrung zulassen. Erst ein länger andauernder Fördertest könne zeigen, ob sich Erdöl dauerhaft wirtschaftlich fördern ließe. Bis auf Weiteres werde die Bohrung nun sicher eingeschlossen und das Konsortium prüft nun die nächsten Schritte für mögliche weitere Untersuchungen des Förderverhaltens der Bohrung.

Informationen in diesem Beitrag sind hauptsächlich der Projektseite erdoel-in-schwegenheim.de entnommen.

 

Artikelfoto: Erdölförderbohrung „Römerberg 1“ in Speyer. Quelle: BVEG – Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V.

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Öllagerstätte Kietz – Neptune Energy kündigt neue Bohrung an https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/oellagerstaette-kietz-neptune-energy-kuendigt-neue-bohrung-an/ https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/oellagerstaette-kietz-neptune-energy-kuendigt-neue-bohrung-an/#respond Sun, 01 Mar 2020 17:16:57 +0000 https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/?p=8436 Im äußersten Osten Brandenburgs befindet sich eine Landschaft, die an den Landstrich in Niedersachsen erinnert, in dem man angeblich freitags schon sehen kann, wer einen am Sonntag besuchen kommt. Der Landstrich ist als Ostfriesland bekannt, die Landschaft als Oderbruch. Beide haben gemeinsam, dass die heimische Erdöl- und Erdgasindustrie dort aktiv ist. Während in Ostfriesland heute […]

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Im äußersten Osten Brandenburgs befindet sich eine Landschaft, die an den Landstrich in Niedersachsen erinnert, in dem man angeblich freitags schon sehen kann, wer einen am Sonntag besuchen kommt. Der Landstrich ist als Ostfriesland bekannt, die Landschaft als Oderbruch. Beide haben gemeinsam, dass die heimische Erdöl- und Erdgasindustrie dort aktiv ist. Während in Ostfriesland heute nur noch Erdgas gefördert wird, steht im Oderbruch nur die Öllagerstätte Kietz in Förderung. Neben Erdöl werden dort nicht unbedeutende Mengen Erdölbegleitgas mitgefördert und verwertet. Für das laufende Jahr 2020 hat der Betreiber Neptune Energy in Kietz eine neue Bohrung angekündigt.

Geschichte der Öllagerstätte Kietz

Förder- und Aufbereitungsstation der Öllagerstätte Kietz

Förder- und Aufbereitungsstation der Öllagerstätte Kietz. Foto: S. Arndt, 25.02.2018

Seit den frühen 1960er Jahren sind Erdöllagerstätten in Brandenburg bekannt Diese befinden sich fast ausschließlich in der Niederlausitz und sind ausnahmslos an das Stassfurtkarbonat des zweiten Zechstein-Zyklus (Ca II) gebunden. Selbst für deutsche Verhältnisse sind die Lagerstätten als sehr klein und wirtschaftlich unbedeutend zu bezeichnen. Dass sie dennoch in Förderung genommen wurden, liegt einerseits daran, dass sie zur Eigenversorgung der DDR beitrugen, die an Versorgungsengpässen litt und andererseits das Öl eine vergleichsweise gute Qualität hat.

1986 kamen die Schatzsucher (die nachfolgenden Ausführungen basieren im Wesentlichen auf dem gleichnamigen Buch) des VEB Erdöl-Erdgas Grimmen nach Kietz, dem letzten Ort vor der polnischen Grenze. Sie errichteten ihre Bohranlage nördlich des Örtchens Neu Manschnow. Im März 1986 begannen die Bohrarbeiten und dauerten bis August des selben Jahres an. Die Bohrung erreichte eine Endteufe von 3.207 m und wurde im Rotliegenden eingestellt. Aus dem Zielhorizont im Zechstein floss nur salziges Formationswasser mit einem Schwefelwasserstoffanteil von 3 % zu.

Eine Fündigkeit konnte dann mit der unmittelbar anschließenden Bohrung E Kietz 2/86 etwas weiter östlich in Sichtweite des Oderdeiches erzielt werden. Diese Bohrung erreichte ihre Endteufe bereits bei 2.850 m und wurde im Zechstein eingestellt. Sie stieß im Ca II auf Erdöl sowie Erdölbegleitgas mit einem Methangehalt von 65 Vol. % sowie Schwefelwasserstoff von etwas unter 3 Vol. %. Über den Rest werden keine Angaben gemacht, es dürfte sich jedoch im Wesentlichen um höhere Kohlenwasserstoffe sowie Stickstoff handeln. Ebenfalls fündig wurde die erst nachwendezeitlich 1991/1992 abgeteufte Bohrung E Kietz 5/91 in unmittelbarer Nachbarschaft. Die wenige 100 m nordwestlich gelegene Bohrung E Kietz 3/89 war hingegen nicht fündig und wird zur Versenkung anfallenden Lagerstättenwassers in den tieferen Untergrund genutzt. Der Versenkhorizont befindet sich im Mittleren Buntsandstein bei Teufe 1.828-1.886 m. Über eine vierte Bohrung konnte der Verfasser keine Angaben/Daten recherchieren. Sie stünde, so überhaupt durchgeführt, auch nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit der hier vorgestellten Öllagerstätte Kietz.

Keine Produktionsaufnahme zu DDR-Zeiten

Aufgrund des stark korrosiven und toxischen Schwefelwasserstoffes konnte zu DDR-Zeiten die Förderung aus der Öllagerstätte Kietz nicht aufgenommen werden. Dazu wäre die Errichtung einer aus korrosionsfestem Edelstahl bestehenden Entschwefelungsanlage erforderlich gewesen. Entsprechende Materialien wären auf dem Weltmarkt zwar zu erwerben gewesen, jedoch bewegte sich die DDR Ende der 1980er Jahre auf den Staatsbankrott zu und es standen keine finanziellen Mittel für ein solches Vorhaben zur Verfügung. Ein identisches Schicksal teilte ein Erdgasförderprojekt auf der Ostseeinsel Usedom.

Erst nach der Wende errichtete die Erdöl-Erdgas Gommern GmbH als Nachfolgeunternehmen der Erdöl-Erdgasbetriebe der DDR unmittelbar neben den Fundbohrungen Kietz 2 und 5 eine Aufbereitungsanlage inklusive Entschwefelung. Diese wurde 1999 fertiggestellt und die Förderung konnte aus den zwei bestehenden Produktionsbohrungen aufgenommen werden. Sie wurde zügig auf ein Maximum von ca. 20.000 Tonnen Erdöl pro Jahr gefahren und konnte für mehrere Jahre bis 2006 auf diesem Niveau gehalten werden. Anschließend erfolgte ein kontinuierlicher Rückgang.

Einem Online-Beitrag des Energate Messengers aus dem Jahr 2002 ist zu entnehmen, dass der damalige Betreiber, die Erdgas Erdöl GmbH ( Nachfolger der Erdöl-Erdgas Gommern GmbH), die Produktion aus der Öllagerstätte Kietz noch bis 2012 aufrecht erhalten wolle. Nun befinden wir uns bereits im Jahr 2020 und es wird in Kietz immernoch Erdöl gefördert. Laut Jahresbericht Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2018 waren es 2018 noch knapp 5.500 Tonnen aus nur noch einer Bohrung sowie 1,9 Millionen Kubikmeter Erdölbegleitgas. Insgesamt konnten bis Ende 2018 ca. 306.000 Tonnen Erdöl sowie 97,9 Mio. m³ Erdölbegleitgas gewonnen werden.

Neue Bohrung soll Produktion aus Öllagerstätte Kietz sichern

Förder- und Aufbereitungsstation der Öllagerstätte Kietz. Foto: S. Arndt, August 2019

Am 28.02.2020 gab Neptune Energy, heutiger Betreiber der Lagerstätte, eine Pressemitteilung heraus, in der eine neue Bohrung dort angekündigt wird. In der Einleitung hat sich allerdings ein Fehler eingeschlichen. Dort heißt es, es wird die 6. Bohrung im Feld sein. Zwar wird die neue Bohrung mit „Kietz 6“ benannt, jedoch ist es erst die fünfte im Umfeld der Lagerstätte und strenggenommen sogar erst die vierte zur Erschließung. Schließlich war die „Kietz 1“ nicht fündig. Die „Kietz 3“ zwar auch nicht, sie erfolgte jedoch nach dem Fund durch die „Kietz 2“ und sollte der Erschließung der Lagerstätte dienen. Doch wir wollen nicht päpstlicher als der Pontifex selbst sein.

Aus der Pressemitteilung ist zu entnehmen, dass im vergangenen Jahr nur noch knapp 4.000 Tonnen Erdöl gewonnen werden konnten. Über die angefallene Menge Erdölbegleitgas werden keine Angaben gemacht. Die neue Bohrung soll bis in eine vertikale Tiefe von 2.700 Metern erreichen und zur Stabilisierung der Förderung aus der Lagerstätte beitragen.

In den nächsten Monaten wird unmittelbar neben dem bestehenden Betriebsplatz eine versiegelte Fläche errichtet, um eine Beeinträchtigung des darunter befindlichen Bodens auszuschließen. Im Anschluss dieser vorbereiteten Arbeiten wird die Bohranlage für einen Zeitraum von ca. drei Monaten errichtet.

Nach Abschluss der Bohrarbeiten wird die Bohrung in die bestehende Infrastruktur integriert und einem Fördertest unterzogen. Vom Ergebnis dieses Tests wird abhängen, ob eine dauerhafte Förderung aus der zur Zeit einzigen aktiven und bislang größten Erdöllagerstätte Brandenburgs möglich sein wird.

Artikelfoto: Förder- und Aufbereitungsstation der Öllagerstätte Kietz. Foto: S. Arndt, 25.02.2018

 

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Multilateralbohrungen in deutschen Zechsteinlagerstätten – Eine Zwischenbilanz https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/multilateralbohrungen-in-deutschen-zechsteinlagerstaetten-eine-zwischenbilanz/ https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/multilateralbohrungen-in-deutschen-zechsteinlagerstaetten-eine-zwischenbilanz/#respond Tue, 25 Feb 2020 17:01:39 +0000 https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/?p=8429 Anfang 2018 gab die ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) eine Pressemitteilung heraus, aus der zu entnehmen war, dass an der Erdgasförderbohrung Goldenstedt Z25 bei Vechta Arbeiten durchgeführt werden sollen, um die Produktion sicherzustellen. Diese Ankündigung liest sich zunächst unspektakulär, da in Erdgasbohrungen häufig Arbeiten zur Aufrechterhaltung der Förderung vorgenommen werden. Doch dieses Vorhaben war der […]

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Anfang 2018 gab die ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG) eine Pressemitteilung heraus, aus der zu entnehmen war, dass an der Erdgasförderbohrung Goldenstedt Z25 bei Vechta Arbeiten durchgeführt werden sollen, um die Produktion sicherzustellen. Diese Ankündigung liest sich zunächst unspektakulär, da in Erdgasbohrungen häufig Arbeiten zur Aufrechterhaltung der Förderung vorgenommen werden. Doch dieses Vorhaben war der Auftakt einer Serie von Maßnahmen, die es in der Form zuvor in Deutschland nicht gegeben hat, auch wenn dies aus der Mitteilung nicht hervorgeht. Das Stichwort lautet Multilateralbohrungen unter Verwendung einer Coiled Tubing-Anlage.

Erste Multilateralbohrungen in Gaslagerstätte Goldenstedt/Visbek

Eine der Multilateralbohrungen im Gasfeld Goldenstedt

Coiled Tubing-Anlage auf der Bohrung „Goldenstedt Z12a“ beim Abteufen des Multilateralastes. Foto: Steven Arndt, April 2018

Was unter einer Multilateralbohrung zu verstehen ist, haben wir bereits im Beitrag ExxonMobil bohrt Multilateralbohrung in Erdgaslagerstätte Goldenstedt vom 16.05.2018 erläutert.

Wie dem Schluss des damaligen Beitrags zu entnehmen ist, war die damalige Maßnahme entgegen der Mutmaßung des Verfassers nicht das erste Vorhaben dieser Art. Dennoch fand das erste Vorhaben dieser Art unmittelbar zuvor in der Zechstein-Erdgaslagerstätte Goldenstedt/Visbek statt, und zwar in der eingangs erwähnten Bohrung „Goldenstedt Z25“. Dort wurden gleich zwei Äste gebohrt, die jedoch jeweils keine Fünfigkeit erzielen konnten. Ob dies technisch bedingt war oder der Speicher nicht bzw. verwässert angetroffen wurde, entzieht sich der Kenntnis des Verfassers.

Unmittelbar im Anschluss wurde die Coiled Tubing-Unit der Firma Schlumberger auf die Bohrung „Goldenstedt Z12a“ umgesetzt. Für Details verweisen wir auf den zuvor verlinkten Artikel vom Mai 2018. Im Gegensatz zu den Multilateralbohrungen in der „Goldenstedt Z25“ konnte hier eine Fündigkeit erzielt werden. Gebohrt wurde hier lediglich ein Multilateralast.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die EMPG erst in einer Pressemitteilung vom 06.08.2018 bekannt gab, mit welch innovativer Technik die Erschließung zusätzlicher Erdgsreserven erreicht wurde. Eventuell wollte man nach dem vorangegangenen Misserfolg ein positives Ergebnis abwarten. Laut der EMPG konnte die Kapazität der Bohrung dauerhaft um 50 Prozent erhöht werden. Fürwahr kein schlechtes Ergebnis!

Fortgesetzt wurde die Serie mit dem Bestreben zusätzliche Erdgasreserven zu erschließen mit dem Vorhaben „Visbek Z16a“. Hier wurde zunächst mit einer klassischen Bohranlage, in diesem Fall die ehemalige, nun vom tschechischen Unternehmen MND operierte, ITAG Rig 30 eine geologische Ablenkung aus der Stammbohrung „Visbek Z16“. Anschließend sollte mit einer Coiled Tubing-Anlage der Speicher erschlossen werden.

Anhand der im NIBIS-Kartenserver abrufbaren Daten ist jedoch keine Multilateralbohrung durchgeführt worden. Zumindest ist keine entsprechende Bezeichnung (Visbek Z16aM1) hinterlegt, sondern nur „Visbek Z16a (2.)“, was eine 2. technische Ablenkung bezeichnet. Laut einer Pressemitteilung vom 08.02.2019 kam jedoch wieder eine Coiled Tubing-Anlage zum Einsatz. Die Bohrung ist als „gasfündig“ eingestuft, wobei im Ergebnis laut einer uns bekannten Quelle, die wir hier bewusst nicht verlinken, die von der EMPG erhofften 5.000 m³/h nicht erzielt werden konnten, sondern die Zuflüsse marginal sind.

Multilateralbohrungen in weiteren Zechsteinlagerstätten

MND-Rig beim Bohren der „Visbek Z16a“. Foto: Markus Stahmann

Nach den bislang durchwachsenen Ergebnissen der ersten Multilateralbohrungen im Erdgasfeld Goldenstedt/Visbek gab es weitere in anderen von der EMPG betriebenen, an das Staßfurtkarbonat des zweiten Zechsteinzyklus (Ca2) gebundene Gaslagerstätten.

Das nächste Projekt wurde in der südlichsten lean-/sauergasführenden Lagerstätte Niedersachsens, Uchte/Burgmoor, durchgeführt. Standort war die zuvor zweifach geologisch abgelenkte Bohrung mit der entsprechenden Bezeichnung „Uchte Z7b“. Wie bereits beim ersten Multilateralprojekt in der „Goldenstedt Z25“ sind hier zwei Äste gebohrt worden. Mit beiden konnte laut Informationen des NIBIS_Kartenservers eine Fündigkeit erzielt werden.

Anders verhielt es sich jedoch bei der Folgemaßnahme in der Lagerstätte Brettorf/Brinkholz/Neerstedt. Hier wurde Ende April laut EMPG-Pressemitteilung ebenfalls eine Multilateralbohrung durchgeführt. Im NIBIS-Kartenserver sind dazu interessanterweise keine Informationen hinterlegt. Allerdings ist der uns bekannten, hier bewusst nicht verlinkten Quelle zu entnehmen, dass die Bohrung den Speicher verwässert angetroffen hat und somit nicht fündig ist.

Schließlich sollte in der Bohrung „Dötlingen Z3A“ aus dem Jahr 1976 eine Multilateralbohrung (oder auch eine technische Ablenkung?) mit Hilfe einer Coiled Tubing-Anlage zusätzliches Erdgaspotenzial erschlossen werden. Zunächst musste jedoch im untersten Bereich das Stammloch verfüllt und mit einer klassischen Bohranlage ein neues Loch in einen strukturhohen Bereich gebohrt werden. Anschließend sollte wieder unter Verwendung einer Coiled Tubing-Anlage ein Ast kleinen Durchmessers zur Erschließung neuer Erdgasreserven gebohrt werden. Ob dem tatsächlich so war, weiß der Verfasser nicht (siehe Artikel ExxonMobil führt Bohrung Dötlingen Z3A). Der Newsseite der EMPG ist diesbezüglich nichts zu entnehmen. Auch der NIBIS-Kartenserver gibt  dazu keine Auskunft. Dort ist lediglich zu erfahren, dass der potenzielle Speicherhorizont verwässert angetroffen worden ist.

Bilanz der bisherigen Multilateralbohrungen

KCA-Deutag-Bohranlage T-208 auf Erdgasbohrung „Dötlingen Z3A“. Foto: Markus Stahmann, Juni 2019

Insgesamt ergibt sich somit eine durchwachsene Bilanz der Multilateralvorhaben unter Verantwortung der EMPG. Von den insgesamt sechs Projekten konnte nur bei der Hälfte eine Fündigkeit erzielt werden. Zudem entspricht die Förderrate der Bohrung „Visbek Z16a“ nach uns bekannten Informationen nicht den Erwartungen.

Allerdings sind Misserfolge, gerade unter Anwendung neuer Techniken, nicht überraschend. Hinzu kommt, dass die bekannten und erschlossenen deutschen Erdgaslagerstätten inzwischen nahezu allesamt als „matur“ (reif) angesehen werden müssen und sich in nicht wenigen Fällen sogar in der Endphase ihres Lebenszyklus befinden. Bereits zahlreiche klassische Ablenkungen aus Stammbohrungen heraus brachten oftmals nicht den gewünschten Erfolg und trafen die Speicherhorizonte bereits verwässert an. Warum sollte es sich bei Multilateralbohrungen anders verhalten?

Dennoch konnten mit den umgesetzten Projekten zusätzliche Gasreserven erschließen, wodurch auch einhergehend ein volkswirtschaftlicher Nutzen erzielt wurde. Ob es noch weitere Projekte dieser Art geben wird, entzieht sich der Kenntnis des Verfassers. Da dies jedoch nicht auszuschließen ist, ist an dieser Stelle vorsichtig optimistisch von einer Zwischenbilanz, nicht einer endgültigen, die Rede.

 

Artikelfoto: KCA-Deutag-Bohranlage T-208 auf Erdgasbohrung „Dötlingen Z3A“. Foto: Markus Stahmann, Juni 2019

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Ölfeld Bramberge – Zentrale Aufbereitungsanlage wird modernisiert https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/oelfeld-bramberge-zentrale-aufbereitungsanlage-wird-modernisiert/ https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/oelfeld-bramberge-zentrale-aufbereitungsanlage-wird-modernisiert/#respond Sun, 12 Jan 2020 18:01:27 +0000 https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/?p=8421 Am westlichsten Ende Niedersachsen, im Emsland sowie in der Grafschaft Bentheim, befinden sich die bedeutendsten Onshore-Erdöllagerstätten Deutschlands. Der Beginn der Förderung datiert in das Jahr 1942 aus dem längst aufgegebenen Feld Lingen-Dalum. Erst 15 Jahre später kam dann das Ölfeld Bramberge hinzu. Mit einer kumulativen Fördermenge von 20,1 Millionen Tonnen (Stand 31.12.2018) ist es das […]

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Am westlichsten Ende Niedersachsen, im Emsland sowie in der Grafschaft Bentheim, befinden sich die bedeutendsten Onshore-Erdöllagerstätten Deutschlands. Der Beginn der Förderung datiert in das Jahr 1942 aus dem längst aufgegebenen Feld Lingen-Dalum. Erst 15 Jahre später kam dann das Ölfeld Bramberge hinzu. Mit einer kumulativen Fördermenge von 20,1 Millionen Tonnen (Stand 31.12.2018) ist es das wenige Kilometer östlich der Ems gelegene Feld das drittgrößte knapp vor der westlich der Ems gelegenen Lagerstätte Georgsdorf mit 19,3 Mio. t. Nun gab der Betreiber des Ölfelds Bramberge, Neptune Energy, bekannt, die zentrale Aufbereitungsanlage zu modernisieren.

Zukunft vom Ölfeld Bramberge wird gesichert

Gegenwärtig wird das aus der Lagerstätte Bramberge geförderte Erdöl auf einem 39.000 Quadratmeter großen Betriebsplatz aufbereitet. Dieser besteht bereits seit den 1950er Jahren. Die darauf befindlichen Prozessanlagen zur Aufbereitung des Öls für die weitere Verarbeitung sind im Laufe der Zeit immer wieder erneuert worden. Mit der nun beschlossenen Investition soll die Zukunft der Erdölförderung am Standort für die Zukunft gesichert werden.

Die Entscheidung zur Umsetzung dieses Vorhabens zeige, dass der Öl- und Gasförderer Neptune Energy, dessen deutsche Tochter ihren Sitz im nahen Lingen hat, fest an die Erdöl- und Erdgasförderung in Deutschland und besonders in der Region glaubt und seine Position weiter ausbaut, so sinngemäß der Geschäftsführer Andreas Scheck laut Pressemitteilung vom 06.01.2020. Zur Stärkung der Position im Emsland sowie in der benachbarten Grafschaft Bentheim hat das Unternehmen Anteile an Erdöl- und Erdgasfeldern vom Mitbewerber Wintershall Dea erworben, u.a. auch am Ölfeld Bramberge.

Modernisierung erfolgt in zwei Phasen

Die Modernisierung der Aufbereitungsanlagen wird nach Angaben von Neptune Energy in zwei Phasen umgesetzt. Zunächsterfolgt die Demontage zweier Tanks bei laufendem Betrieb. Anschließend erfolgt die Herstellung neuer Fundamente und die Errichtung von zwei neuen Tanks. Erst nach deren Fertigstellung werden weitere Umbau- und Installationsarbeiten vorgenommen. Nach Abschluss des Vorhabens wird eine kleinere Anlage auf dem Betriebsplatz in Bramberge stehen. Ziel der Arbeiten ist es, die Verfahrenstechnik zu optimieren und die Produktivität der Anlage zu erhöhen, so Geschäftsführer Scheck. Der Abschluss der Modernisierung ist nach jetzigem Planungsstand für 2022 oder 2023 vorgesehen. 2019 sind aus der Lagerstätte Bramberge knapp 65.000 Tonnen Erdöl gefördert worden.

Unabhängig von der Pressemitteilung haben unsere Recherchen ergeben, dass im Ölfeld Bramberge drei Neubohrungen geplant sind. Es handelt sich hierbei um im Netz verfügbare behördliche Informationen. Wir werden darüber berichten, sobald uns weitere Informationen, beispielsweise die offizielle Ankündigung durch Neptune Energy, zur Umsetzung dieser Vorhaben vorliegen. Bis dahin halten wir uns bedeckt und verbleiben mit einem bergmännischen Glück Auf!

 

 

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Gasförderung in Völkersen wird 2036 eingestellt https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/gasfoerderung-in-voelkersen-wird-2036-eingestellt/ https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/gasfoerderung-in-voelkersen-wird-2036-eingestellt/#respond Fri, 06 Dec 2019 16:53:21 +0000 https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/?p=8409 Am 20. November 2019 bebte bei Verden zum wiederholten Male spürbar die Erde. Als Auslöser wird die seit 1992 laufende Gasförderung in Völkersen und umzu angesehen. Weil bei einigen der seismischen Ereignisse, so auch bei denen vom 20. November, leichte Gebäudeschäden hervorgerufen worden sind, fordern Teile der Bevölkerung sowie einige Politiker das sofortige Aus der […]

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Am 20. November 2019 bebte bei Verden zum wiederholten Male spürbar die Erde. Als Auslöser wird die seit 1992 laufende Gasförderung in Völkersen und umzu angesehen. Weil bei einigen der seismischen Ereignisse, so auch bei denen vom 20. November, leichte Gebäudeschäden hervorgerufen worden sind, fordern Teile der Bevölkerung sowie einige Politiker das sofortige Aus der Erdgasproduktion. Mit einer Pressemitteilung vom 05.12.2019 trat nun der Betreiber der Erdgaslagerstätte Völkersen/Völkersen-Nord, die Wintershall Dea GmbH an die Öffentlichkeit, um die Zukunft der dortigen Erdgasgewinnung darzulegen.

Historischer Abriss der Gasförderung in Völkersen

Bohranlage T-160 beim Abteufen der „Völkersen Z2a“. Foto: S. Arndt, Mai 2013

Alles begann mit der Aufschlussbohrung „Völkersen Z1“, die im Sommer 1992 ein Erdgasvorkommen in ca. 5 Kilometern Tiefe in Sandsteinen des Rotliegend antraf. Die im Test ermittelte initiale Förderrate von über 20.000 Kubikmetern Erdgas pro Stunde (zum Vergleich: ein durchschnittlicher Haushalt benötigt ca. 4.000 Kubikmeter im Jahr) deuteten auf ein „wirtschaftlich sehr interessantes Gasvorkommen hin, das noch Erweiterungsmöglichkeiten bietet“, so der Jahresbericht „Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 1992“ des damaligen Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung, heute Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG).

Tatsächlich konnte mit der Folgebohrung „Völkersen Z2“, die im Mai 1995 beendet wurde, ebenfalls Erdgas nachgewiesen werden. Zuvor stieß die parallel abgeteufte Teilfeldsuchbohrung „Völkersen-Nord Z1“ im September 1993 auf Erdgas. Im gleichen Jahr begann die reguläre Förderung aus dem Feldesteil „Völkersen“. 1995 folgte die Aufnahme der regulären Produktion im Feldesteil „Völkersen-Nord“. In diesem Jahr sind aus nur drei Fördersonden fast 300 Millionen Kubikmeter Erdgas gewonnen worden (Erdgasförderung 1949-1996, LBEG).

In den Folgejahren wurden weitere Bohrungen in beiden Feldesteilen niedergebracht, die allesamt mehr oder weniger erfolgreich waren. Lediglich die erste sowie die zweite geologische Ablenkung aus der „Völkersen-Nord Z4“ blieben ohne Erfolg. Das Ergebnis der dritten geologischen Ablenkung „Völkersen-Nord Z4c“, die erst in diesem Jahr durchgeführt wurde, steht noch aus.

Insgesamt sind im Feldesteil „Völkersen“ 11 sowie im Feldesteil „Völkersen-Nord“ 7 Bohrungen (jeweils ohne geologische und technische Ablenkungen) niedergebracht worden. Hinzu kam mit der „Völkersen H1“ eine Hilfsbohrung zur Entsorgung mitgeförderten Lagerstättenwassers in einen abgeschlossenen Salzwasserleiter. Die meisten der Bohrungen sind mit der unternehmenseigenen Bohranlage „T-160“ niedergebracht worden, die fast ausnahmslos in diesem einen Gasfeld im Einsatz war.

Im Jahr 2001 ist erstmals die Hürde von 1 Milliarde Kubikmetern pro Jahr Erdgas aus 9 Fördersonden genommen worden. Der Höhepunkt ist schließlich 2008 mit 1,34 Mrd. m³ aus 12 aktiven Bohrungen erreicht worden. Dieses Niveau konnte zwischen 2006 und 2012 recht stabil gehalten werden, wobei die Förderung aus 11 bis 15 Produktionsbohrungen erfolgte. Ab 2013 ist ein langsamer Förderrückgang auf 0,81 Mrd. m³ im Jahr 2018 zu verzeichnen. Die Förderung erfolgte in diesem Zeitraum aus bis zu 16 aktiven Sonden.

Zwischenfall brachte Teile der Bevölkerung in Aufruhr

Bohranlage T-160 beim Abteufen der „Völkersen Z2a“. Foto: S. Arndt, Mai 2013

Mit Jahresbeginn 2011 keimte in Deutschland Widerstand gegen neue Erdgasprojekte auf. Hintergrund ist die unkritische Ausstrahlung und mediale Diskussion um den pseudodokumentarischen Film „Gasland“. Hauptsächlich ging es in diesem Film um angebliche Trinkwasserverschmutzungen durch die Anwendung des seit 1949 kommerziel genutzten Verfahrens namens „Hydraulic Fracturing“, das bereits zuvor in den abkürzungsliebenden USA sinnentstellend zu „Fracking“ verkürzt wurde.

Ungefähr zeitgleich ist im Zusammenhang mit der Gasförderung in Völkersen ein Grundwasserschaden im unmittelbaren Umfeld des Leitungssystems zum Transport von natürlich anfallendem Lagerstättenwasser (LaWa) bekannt geworden. Dort ist in Bereichen, in denen die Leitung aus PE 100 in obflächennahe grundwasserführende Bodenschichten verlegt wurde, Benzol in deutlich überhöhten Konzentrationen in 1 bis 2 Metern Umgebung festgestellt worden.

Fälschlicherweise wurde durch einige recherchefaule Medien das LaWa zu „Fracking“-Abwasser umgedeutet. Dazu kam es, dass Journalisten meinten in Erfahrung gebracht zu haben, dass das vermeintlich neue Fracverfahren auch bei der Gasförderung in Völkersen zur Anwendung käme und in den Leitungen rückgefördertes „Frackingwasser“ (backflow) transportiert würde. Zwar fand das Fracverfahren als förderoptimierende Maßnahme tatsächlich Anwendung in einigen Bohrungen, backflow wurde in den Leitungen jedoch nicht transportiert.

Dieser medial aufgebauschte Zwischenfall, der zudem noch fälschlicherweise mit dem Reizthema „Fracking“ in Zusammenhang gebracht wurde, rief einige umweltbesorgte Anwohner auf den Plan, die umgehend eine Bürgerinitiative namens „No Fracking“ ins Leben riefen.

Zur Klarstellung: Dieser Zwischenfall soll von uns keinesfalls verharmlost werden. Nur war er auch längst nicht so dramatisch, wie von Bürgerinitiative, Umweltverbänden sowie Medien im engen Schulterschluss verbreitet. Dass ein bekannter Kartoffelveredler die Ernte nicht mehr abnahm, hatte nicht etwa etwas mit tatsächlich ermittelten Schadstoffgehalten in den Pflanzen zu tun (die waren tatsächlich schadstofffrei), sondern ist der Überdramatisierung durch die oben genannten Kreise geschuldet.

Als dann Ende 2012 im Bereich der Erdgaslagerstätte die Erde spürbar bebte, fühlten sich die Kritiker in ihrer Skepsis bestätigt. Auch in diesem Fall wurde sowohl von Medien als auch der lokalen BI fälschlicherweise das Fracverfahren für das Beben verantwortlich gemacht. Eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema Gasförderung in Völkersen und umzu war von nun an quasi unmöglich und von außen betrachtet seitens der Kritiker nicht gewollt.

Wie geht es weiter mit der Gasförderung in Völkersen?

Bohranlage T-160 beim Abteufen der „Völkersen-Nord Z4c“. Foto: S. Arndt, März 2019

Das spürbare Beben vom 22.11.2012 war der Beginn einer unregelmäßigen Serie wahrgenommener seismischer Ereignisse im Bereich der Erdgaslagerstätte Völkersen/Völkersen-Nord. Leider riefen einige davon leichte Gebäudeschäden hervor, was den Unmut der Betroffenen verstärkte und die Akzeptanz der regionalen Erdgasproduktion weiter verringerte. Daran änderte auch das Entgegenkommen des Betreibers nichts, wie z.B. die freiwillige Einstellung der LaWa-Versenkung über die Bohrung „Völkersen H1“.

Nach dem jüngsten Ereignis, das abermals leichte Gebäudeschäden (Risse im Putz) verursachte, wurden abermals Forderungen nach einem sofortigen Förderstopp laut. Als vermeintlicher Präzedenzfall werden diesbezüglich die Niederlande angeführt, die 2022 die Förderung aus der riesigen Lagerstätte „Groningen“ vorzeitig einstellen wollen. Allerdings hat es dort nicht nur leichte Gebäudeschäden gegeben, sondern sogar aufgrund der geringeren Herdtiefe der Beben sogar strukturelle. Dennoch erfolgte kein sofortiger Ausstieg.

Wintershall Dea als Betreiber der Lagerstätte „Völkersen/Völkersen-Nord“ reagierte nun gut zwei Wochen später auf die Erdstöße.

Das Unternehmen erkennt an, dass die Erdstöße am Abend des 20.11.2019 Gebäudeschäden verursacht haben. Ferner erkennt Wintershall Dea an, dass die Erdstöße aufgrund der Faktenlage auf die Gasförderung in Völkersen und Umgebung zurückzuführen sind. Deshalb sollen Gebäudeschäden, die auf die Erdstöße zurückzuführen sind, „zeitnah und unbürokratisch“ reguliert werden.

Zudem wird es keine neuen Bohrungen zur Entwicklung der Lagerstätte geben. Damit wird das kontrovers diskutierte Vorhaben „Völkersen Z12“ (LINK) wohl nicht mehr umgesetzt werden. Das Unternehmen gibt an, die Produktion nicht weiter auszubauen. Bestehende Förderbohrungen sollen bis zur natürlichen Erschöpfung ausgefördert werden, so dass die Produktion kontinuierlich sinken wird. Wintershall Dea geht davon aus, dass es auch in Zukunft zu keinen strukturellen Gebäudeschäden infolge durch die Gasförderung hervorgerufener Erdstöße geben wird und hält die Gewinnung der bereits nachgewiesenen Erdgasreserven der Lagerstätte für vertretbar.

Zudem soll das vorhandene seismographische Überwachungsnetz ausgebaut und die wissenschaftliche Begleitung intensiviert werden.Ferner verpflichtet sich Wintershall Dea „zu einem lösungsorientierten und kontinuierlichen Dialog mit Anwohnern und Lokalpolitikern. Bei gleichzeitiger unabhängiger, wissenschaftlicher Begleitung – und voller Transparenz.“

Nach übereinstimmenden Meldungen der Lokalpresse (Kreiszeitung Verden) sowie des NDR (LINK) ist 2036 Schluss mit der Gasförderung in Völkersen. Die Lagerstätte sei zu 80 Prozent ausgefördert. Da nach Angaben des LBEG-Jahresberichts Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2018 bislang rund 24 Mrd. m³ Erdgas gewonnen worden sind, dürften noch weitere 6 Mrd. m³ gewinnbar sein.

 

Artikelfoto: Bohranlage T-160 beim Abteufen der „Völkersen-Nord Z4c“, ihrem bis auf Weiteres letzten Einsatz. Foto: S. Arndt, März 2019

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Bald Bohrtürme in der östlichen Altmark? https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/bald-bohrtuerme-in-der-oestlichen-altmark/ https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/bald-bohrtuerme-in-der-oestlichen-altmark/#comments Sun, 01 Dec 2019 17:32:04 +0000 https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/?p=8391 In der westlichen Altmark im Norden von Sachsen-Anhalt befindet sich die größte Erdgaslagerstätte Deutschlands. Im August diesen Jahres wurde das 50. Förderjubiläum begangen. Trotz intensiver Erkundungstätigkeiten konnte zu DDR-Zeiten in der östlichen Altmark keine Erdgaslagerstätte nachgewiesen werden. Noch mehr gilt dies für Erdöllagerstätten. Von geologisch recht eng begrenzten Gebieten in Mecklenburg-Vorpommern, Ost- und Südostbrandenburg sowie […]

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In der westlichen Altmark im Norden von Sachsen-Anhalt befindet sich die größte Erdgaslagerstätte Deutschlands. Im August diesen Jahres wurde das 50. Förderjubiläum begangen. Trotz intensiver Erkundungstätigkeiten konnte zu DDR-Zeiten in der östlichen Altmark keine Erdgaslagerstätte nachgewiesen werden. Noch mehr gilt dies für Erdöllagerstätten. Von geologisch recht eng begrenzten Gebieten in Mecklenburg-Vorpommern, Ost- und Südostbrandenburg sowie dem Thüringer Becken gilt Ostdeutschland als nicht erdölhöffig. Doch glaubt man einer Schlagzeile der „Salzwedeler Volksstimme“ stehen in der Ostaltmark bald Bohrungen auf Erdöl und Erdgas bevor. Warum dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht der Fall sein wird, erläutert der folgende Beitrag.

Irreführende Artikelüberschrift

Gasförderung Altmark

Erdgasförderbohrung „Püggen 117“, im Hintergrund Ablenkungsbohrung der „Püggen 1“. Foto: Steven Arndt, Mai 2013

Als in der Westaltmark Geborener und Aufgewachsener schaut der Verfasser regelmäßig auf den Onlineportalen der beiden Regionalpostillen „Salzwedeler Volksstimme“ und „Altmarkzeitung“ nach, ob es nennenswerte Neuigkeiten aus der alten Heimat gibt. Ein gewisser Fokus liegt dabei natürlich auch auf Nachrichten zur noch laufenden Erdgasförderung.

Ein mit „Landesbergamt erlaubt Bohrungen“ überschriebener Artikel von 26.11.2019 weckte gleichsam Neugier sowie Skepsis. Skepsis vor allem deshalb, weil im Reiter des Browsers der Luftkurort Arendsee angegeben war. Arendsee befindet sich außerhalb der bekannten westaltmärkischen Erdgaslagerstätten. Erkundungsbohrungen rund um den Ort in den 1980er Jahren, zuletzt die Bohrung „E Genzien 1/89“ 1989, waren nicht fündig.

Zudem weist der Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2018 für das Gebiet keine Aufsuchungserlaubnis aus. Auch eine Förderbewilligung nach Bundesberggesetz oder gar ein noch aus DDR-Zeiten stammendes Bergwerksfeld sind dem Verfasser weder bekannt noch ergab eine Recherche ein entsprechendes Ergebnis.

Doch die Einleitung zum Artikel sowie der Artikel selbst brachten ein wenig Klarheit in die Angelegenheit. Denn es ist die Rede von einer genehmigten Aufsuchung nach Erdöl und Erdgas. Das Interessante daran ist, dass sich der Artikel nicht etwa auf eine Bekanntmachung des Landesamtes für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt (LAGB) beruft, sondern eine Pressemitteilung der Bürgerinitiative (BI) „Saubere Umwelt & Energie Altmark“.

Diese habe angeblich zufällig von der Erteilung der Aufsuchungserlaubnis erfahren. Tatsächlich wird es sich wohl eher so zugetragen haben, dass die BI die Seite mit öffentlichen Bekanntmachungen des LAGB regelmäßig durchstöbert und dabei auf diese Mitteilung gestoßen ist.

Eigene Recherchen, wie z.B. eine Nachfrage beim LAGB hat die Autorin der „Salzwedeler Volksstimme“ offensichtlich nicht angestellt. Denn ansonsten stünden sowohl die Bezeichnung der Aufsuchungserlaubnis sowie das Unternehmen, dem die Erlaubnis erteilt wurde, im Artikel. Das ist aber kein Problem, das erledigen wir gerne!

Landesbergbehörde vergibt Aufsuchungserlaubnis „Thielbeer“

Lage der Aufsuchungserlaubnis Thielbeer. Quelle: LAGB

Aus Sicht des Verfassers kamen nur zwei Unternehmen in Frage, an die die Aufsuchungserlaubnis erteilt worden ist. Naheliegend wäre Neptune Energy als Betreiber des Erdgaslagerstättenkomplexes „Altmark“ gewesen. Schließlich ist dem Unternehmen bereits vor einigen Jahren die Aufsuchungserlaubnis „Kunrau“ rund um das isolierte südlichste Teilglied des Komplexes mit der Bezeichnung „Wenze“ erteilt worden. Die Erlaubnis ist inzwischen abgelaufen, ohne das eine einzige technische Maßnahme erfolgte.

Dabei war sich die „Salzwedeler Volksstimme“ doch so sicher, dass sich dort ein „riesiges Gasfeld“ befände. In diesem Zusammenhang möchten wir auf unseren Beitrag Das stille Erlöschen der Aufsuchungserlaubnis Kunrau in der Altmark vom 12.07.2017 verweisen.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass mit der Erteilung einer Aufsuchungserlaubnis ausdrücklich nicht die Genehmigung technischer Maßnahmen, seien es nun geophysikalische Erkundungsarbeiten oder gar Bohrungen selbst, einhergeht. Dazu das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) Niedersachsens (Erlaubnis):

Die Erteilung einer Erlaubnis berechtigt den Inhaber nicht zu tatsächlichen Aufsuchungshandlungen sondern stellt lediglich einen Rechtstitel dar, mit dem ihm lediglich aufgrund der nachzuweisenden Eignung das grundsätzliche und ausschließliche Recht zugewiesen wird, die Aufsuchung in dem ihm zugesprochenen Erlaubnisfeld vorzunehmen. Tatsächliche Aufsuchungshandlungen dürfen nur aufgrund zugelassener Betriebspläne (§ 51 ff BBergG) erfolgen. LBEG Niedersachsen.

Als zweites Unternehmen kam dem Verfasser die Geo Exploration Technologies GmbH (GET) in den Sinn.

Diese hatte zum 01.01.2014 die Aufsuchungserlaubnis „Prezelle“ im niedersächsischen Wendland durch das LBEG erteilt bekommen, die zum 31.12.2019 ausläuft. Sie schließt sich unmittelbar an die nun durch das LAGB erteilte Erlaubnis mit der Bezeichnung „Thielbeer“ (kleines Dorf 4 km südlich von Arendsee) in Sachsen-Anhalt an (PDF zum Download). Und tatsächlich ist die Erlaubnis an GET vergeben worden.

Warum mit Bohrungen in der östlichen Altmark nicht zu rechnen ist

Bohranlage T-47 der (damals) EEW beim Ablenken der Bohrung „Püggen 1“. Foto: Steven Arndt, Mai 2013

In der Erlaubnis „Prezelle“ vermutete GET nach eigenen Angaben vom 04.12.2014 ein bedeutendes Potenzial an Kohlenwasserstoffen und dabei speziell Erdöl. Als erfolgversprechende Explorationsmethode sollte dabei die unternehmenseigene Entwicklung namens „Hydroscan“ dienen. Hierbei handelt es sich um eine helikoptergestützte elektromagnetische Erkundungsmethode, die HIER beschrieben wird.

Ob tatsächlich diese hubschraubergestützte Methode in der Erlaubnis „Prezelle“ durchgeführt wurde, entzieht sich der Kenntnis des Verfassers. Jedenfalls hat sie offensichtlich nicht zum erhofften Erfolg, dem Nachweis einer erdölhöffigen Struktur, geführt. Denn eine Erkundungsbohrung ist bis kurz vor Ablauf der Erlaubnis am 31.12.2019 weder durchgeführt noch beantragt worden.

Es ist sowieso erstaunlich, dass GET im Gebiet der Erlaubnis ein größeres Potenzial an Erdöllagerstätten angenommen hat. Denn schließlich wurde dort in der Vergangenheit bereits recht intensiv exploriert.

Gleiches gilt für das benachbarte Gebiet in der Altmark. Denn wie bereits dargelegt waren Erkundungsbohrungen auf Erdgas nicht erfolgreich. Selbst wenn Erdgas vorhanden wäre, wäre mit einer schlechten Qualität zu rechnen gewesen, die aufwendige Aufbereitungsmaßnahmen nach sich zögen. Denn je weiter östlich sich die bekannten altmärkischen Gasvorkommen befinden, umso niedriger ist der Gehalt brennbaren Methans.

Mit Erdöl ist in der Region überhaupt nicht zu rechnen. Sämtliche Erkundungsbohrungen oberhalb des Oberperms konnten westlich des Hamburg-Gifhorner Doggertrogs zu keinem einzigen Nachweis einer Erdöllagerstätte auf dem Gebiet Deutschlands führen. Zahlreiche Erkundungsbohrungen in den 1950er Jahren im Bereich von Salzstöcken im südwestlichen Mecklenburg-Vorpommern waren allesamt trocken! Insofern ist es schon fraglich, was sich GET erhofft und es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es keine Bohrungen auf Erdöl oder Erdgas in der östlichen Altmark geben wird.

Wieder Riesenwelle um Nichts?

Erdgas Altmark

Gassammelpunkt Püggen. Foto: Steven Arndt, Mai 2013

Fraglich ist aber auch, warum sich eine Regionalzeitung einzig und allein auf Aussagen einer BI verlässt, anstatt sich bei der Erarbeitung eines Artikels zumindest ergänzend bei der zuständigen Behörde zu informieren.

Es kann nicht angehen, dass diesbezüglich ein kleiner Blog fachliche Aufklärungsarbeit leisten muss, dessen Reichweite aufgrund seiner speziellen Ausrichtung recht eingeschränkt ist.

Letzten Endes wird es sich so verhalten, dass dank der unkritischen Übernahme einer voreingenommenen BI inklusive Bewerbung ihrer „Informationsveranstaltung“ am 03.12.2019 in Arendsee eine Riesenwelle der Verunsicherung der lokalen Bevölkerung erzeugt wird. Das war bereits im Zusammenhang mit der Erteilung der Aufsuchungserlaubnis „Kunrau“ in der Südwestaltmark der Fall und auch im Zusammenhang mit der Erlaubnis „Prezelle“ kam es zu einer nicht nachvollziehbaren Gründung einer „Dagegen“ – BI.

Letztlich verliefen die Riesenwellen im Nichts und es wäre begrüßenswert gewesen, wenn sowohl BI als auch Medien ihre Schlüsse daraus gezogen hätten, im Irrtum gewesen zu sein. Doch zumindest von den BI ist es wahrscheinlich zu viel verlangt anzuerkennen, dass das Auslaufen von Aufsuchungserlaubnissen ein ganz normaler Prozess ist, der nicht ihres Zutuns bedarf. Denn schon vor dem Widerstand gegen die inländische Gewinnung von Erdöl und Erdgas war das Erlöschen von Erlaubnissen gang und gäbe.

 

Artikelfoto: MBWS-Anlage T-49 beim Workover einer Erdgasbohrung in der Altmark. Foto: Steven Arndt, Januar 2018.

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Zu den Erdbeben bei Verden am 20.11.2019 https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/zu-den-erdbeben-bei-verden-am-20-11-2019/ https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/zu-den-erdbeben-bei-verden-am-20-11-2019/#comments Thu, 21 Nov 2019 17:23:58 +0000 https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/?p=8386 Am frühen sowie nochmals am späten Abend des 20.11.2019 hat es zwei spürbare Erdbeben bei Verden nahe Bremen gegeben. Seismische Ereignisse dieser Art sind in der Region nicht ungewöhnlich, wenngleich sie für unmittelbar Betroffene unangenehm sind. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn wie in der Vergangenheit geschehen, leichte Schäden an Gebäuden dadurch verursacht werden. […]

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Am frühen sowie nochmals am späten Abend des 20.11.2019 hat es zwei spürbare Erdbeben bei Verden nahe Bremen gegeben. Seismische Ereignisse dieser Art sind in der Region nicht ungewöhnlich, wenngleich sie für unmittelbar Betroffene unangenehm sind. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn wie in der Vergangenheit geschehen, leichte Schäden an Gebäuden dadurch verursacht werden. Da die Beben im Bereich der Erdgaslagerstätte Völkersen/Völkersen-Nord auftreten, besteht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Zusammenhang zwischen der Gasförderung und den seismischen Aktivitäten. Es folgt eine Übersicht zum bisherigen Kenntnisstand sowie Kritik an der politischen Ausschlachtung des Vorfalls.

Ungewöhnlich: Zwei spürbare Beben in kurzer Abfolge

Das erste der beiden gestrigen spürbaren Erdbeben bei Verden ereignete sich nach diversen Zeugenaussagen bei erdbebennews.de gegen 18:30 Uhr. Nach Angaben auf der Seite hatte es eine (vorläufige) Magnitude (Richter) von 3,2 , eine Herdtiefe von 5 Kilometern sowie eine geschätzte Intensität von III-IV. Der Schütterradius wird auf 10 km geschätzt. Aufgrund der Intensität sind Schäden unwahrscheinlich.

Diese Angaben decken sich im Wesentlichen mit zahlreichen Zeugenaussagen, die Intensitäten von II-V angeben. Etwas aus der Reihe tanzt eine Meldung aus dem Ort Schülingen, in der Intensität VI angegeben wird. Zudem ist die Rede von Schäden: Am 20.11.2019 um 18:28 erschütterte uns (Schülingen) ein starkes Erdbeben. Es war sehr stark zu spüren und auch zu hören. Ein lauter Knall war laut zu hören. Bisher können die Schäden noch nicht ermittelt werden. (Intensität VI) Quelle: erdbebennews.de

Ziemlich exakt vier Stunden später ereignete sich ein zweites, mit einer Magnitude von 3,1, ähnlich starkes Beben. Das ist insofern ungewöhnlich, als das bisherigen seismischen Ereignissen in der Region kein weiteres, spürbares Nachbeben folgte. Laut Auswertungen, nachzulesen auf der Facebookseite von Erdbebennews, durch stellenweise deutlich höhere Schwinggeschwindigkeiten war es stärker zu verspüren als das erste, das nun mit einer Magnitude von 3,0 angegeben wird. Zwischen den beiden spürbaren gab es noch ein weiteres Beben mit einer Magnitude von 1,5.

Während bei Erbebennews zum ersten Beben zwei Schadensmeldungen eingingen, waren es beim zweiten fünf. Gemeldet wurden teils große Risse in Putz, Fliesen und Türrahmen sowie oberflächliche Schäden an Dächern. Strukturelle Schäden sind nicht bekannt.

Wintershall Dea als Betreiber des Gasfelds Völkersen nimmt Stellung

Wie einleitend erwähnt, sind die aktuellen sowie auch vorangegangenen Erdbeben bei Verden auf die regionale Erdgasgewinnung aus der Lagerstätte Völkersen/Völkersen-Nord zurückzuführen. Daher wendet sich auch der Betreiber der Lagerstätte, die Wintershall Dea GmbH (Wintershall Dea), in einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit.

Sie bedauert zunächst die Unannehmlichkeiten, die der betroffenen Bevölkerung durch die seismischen Ereignisse entstanden sind. Weiterhin wird auf erste Auswertungsergebnisse bezüglich der vornehmlich in öffentlichen Gebäuden der Region bereits seit Jahren installierten und von einem unabhängigen Dienstleister betriebenen speziellen Messgeräte verwiesen. Diese Geräte ermittelten Schwinggeschwindigkeiten zwischen 1,9 (erstes Beben) und 5,1 Millimeter je Sekunde (zweites Beben).

Da bei solchen Schwinggeschwindigkeiten können Schäden an Gebäuden, wie z.B. Putzrisse, auftreten. Deshalb sollen sich Anwohner, die entsprechende Schäden an ihren Gebäuden feststellen, sich an die Wintershall Dea / Förderbetrieb Gas Nord in Langwedel wenden.

Politischer Furor nach Erdbeben bei Verden

Wie kaum anders zu erwarten, versuchen gewisse politische Akteure Kapital aus den erneuten Erdbeben bei Verden zu schlagen. Allen voran das Mitglied des Bundestages (MdB) Andreas Mattfeldt (CDU): Dieser bezeichnet die Bitte um Entschuldigung der Wintershall Dea als „blanken Hohn“, so die Verdener Kreiszeitung. Angeblich kämpfe er seit 14 Jahren für einen Stopp der Erdgasförderung in verdichteten Siedlungsräumen, heißt es weiter. Ist dem wirklich so?

Denn tatsächlich gibt es Protest gegen die einheimische Erdgasförderung erst mit Aufkommen der „Fracking“-Debatte ab 2011, was auch in Langwedel-Völkersen der Fall war. Und Gemeinden mit Bevölkerungsdichten von 130 bis 190 Einwohnern je Quadratkilometer inklusive der dichter besiedelten Hauptorte Ottersberg und Langwedel als „verdichtet“ zu bezeichnen, zeugt nicht gerade von fundierten demographischen Kenntnissen. Zur Einordnung: Deutschland hat eine Bevölkerungsdichte von 232 Einwohnern je Quadratkilometern, Ballungsgebiete (verdichtete Siedlungsräume) wie das Rhein-Main-Gebiet oder das Ruhrgebiet weisen Bevölkerungsdichten von 388 EW/km² bzw. 1.150 EW/km² auf. Bei den Mattfeldt’schen „verdichteten Siedlungsgebieten“ handelt es sich tatsächlich um unterdurchschnittlich dicht besiedelte.

Weiterhin zitiert Mattfeldt den niedersächsischen Wirtschaftsminister und Parteifreund dahingehend, dass ein Förderstopp aus den großen Erdgasvorkommen bei Verden aus wirtschaftlichen Verpflichtungen nicht möglich wäre. Daraus schließt Mattfeldt, dass die Landesregierung „einzig und allein hinter der Industrie und nicht hinter den Menschen“ stehe.  Eine solche faktenfreiePhrase hätte man eher von den Grünen oder der Linken erwartet.

Und ist das nicht schon peinlich genug, scheint Mattfeldt nicht zu wissen, dass Erdgaslagerstätten dem Staat gehören. Dieser überlässt privatwirtschaftlichen Unternehmen die risikoreiche Aufsuchung und Erschließung von Lagerstätten, profitiert im Erfolgsfall risikolos von der Förderabgabe. Diese betrug für Erdgas in Niedersachsen über 160 Mio. € in 2018. Da Völkersen ca. 1/6 zur Fördermenge beitrug, schöpfte Niedersachsen knapp 27 Mio. € von dort ab. Mit diesem Geld ließe sich so einiges für DIE Menschen stemmen, wenn man es denn vernünftig verwendet.

Ferner verweist Mattfeldt auf den Stopp der Erdgasförderung aus der Lagerstätte Groningen in den Niederlanden aufgrund von Schadensbeben (im Gegensatz zur Region Verden gab es dort zahlreiche strukturelle Gebäudeschäden). Dieser wurde vor einigen Monaten von 2030 auf Mitte 2022 vorgezogen. In zweieinhalb Jahren ist dort also Schluss. Das bedeutet, dass ab dem Zeitpunkt ca. 10 Millionen Menschen sowie Gewerbe und Industrie in Nordwestdeutschland nicht mehr mit niederländischem Erdgas versorgt werden können. Und dann soll auch noch die bereits stark rückläufige Förderung in Deutschland eingestellt werden? Man fragt sich, ob manche Politiker nur von 12 bis Mittag denken.

Mattfeldt spricht weiter von erheblichen Schäden und weist zudem auf negative Folgen für die heimische Getränke- und Lebensmittelindustrie hin. Konkret wurde er dabei nicht, so die Verdener Kreiszeitung. Seine Aussage über angeblich erhebliche Schäden weicht deutlich von den bisherigen Schadensmeldungen ab, die insgesamt von leichten Schäden sprechen. Und welche negativen Folgen die Beben bei Verden für die heimische Getränke- und Lebensmittelindustrie haben sollen, hätten neben der Verdener Kreiszeitung und uns sicherlich auch noch zahlreiche Mitmenschen erfahren wollen. Insgesamt wirken die Behauptungen Mattfeldts aus den Fingern gesogen und lassen das Verhalten eines bockigen Kindes erkennen, dass seinen Willen nicht bekommt und deshalb irgendwelche Märchen erfindet, um seinen Willen durchzusetzen.

Ins selbe Horn trötet die neue Vorsitzende der Fraktion „Die Linke“ im Bundestag, Amira Mohamed Ali. Die Energiekonzerne dürften keine hohen Gewinne einfahren und gleichzeitig die Gesundheit und das Eigentum der Bürger gefährden. Sie fordert ein Ende der Erdgasförderung in der Erdbebenregion sowie eine Entschädigung der Anwohner. Frau Mohamed Ali ist offensichtlich nicht bekannt, dass betroffene Anwohner bereits entschädigt werden. Und das die Erdgasgewinnung in Deutschland die Gesundheit der Bevölkerung gefährde, ist eine gern getätigte Behauptung, die jedoch trotz mehrerer Untersuchungen nicht nachgewiesen werden konnte.

 

Artikelfoto: Bohranlage T-160 auf Bohrung „Völkersen-Nord Z4c“. Foto: Steven Arndt, März 2019

Der Beitrag Zu den Erdbeben bei Verden am 20.11.2019 erschien zuerst auf Erdöl und Erdgas in Deutschland.

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Gasfeld Söhlingen – Keine Belastung der Bevölkerung https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/gasfeld-soehlingen-keine-belastung-der-bevoelkerung/ https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/gasfeld-soehlingen-keine-belastung-der-bevoelkerung/#respond Sun, 17 Nov 2019 17:09:33 +0000 https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/?p=8364 Seit Jahren wird der einheimischen Öl- und Gasindustrie unterstellt, sie verschmutze systematisch die Umwelt und gefährde die Gesundheit der Bevölkerung. Ein Gebiet, in dem diese Unterstellungen besonders massiv erhoben wurden, in dem sich das Gasfeld Söhlingen sowie der Feldeskomplex Rotenburg-Taaken befindet. Besonders bedenkenswert war und ist, dass die dortigen Gasförderer pauschal für Krebserkrankungen verantwortlich gemacht […]

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Seit Jahren wird der einheimischen Öl- und Gasindustrie unterstellt, sie verschmutze systematisch die Umwelt und gefährde die Gesundheit der Bevölkerung. Ein Gebiet, in dem diese Unterstellungen besonders massiv erhoben wurden, in dem sich das Gasfeld Söhlingen sowie der Feldeskomplex Rotenburg-Taaken befindet. Besonders bedenkenswert war und ist, dass die dortigen Gasförderer pauschal für Krebserkrankungen verantwortlich gemacht wurden und werden. Eine besonders perfide Rolle spielen dabei einige Medien, die den Anti-Gasförderungs-Aktivisten unkritisch ein Forum für ihre Anschuldigungen bieten.

Fast 40 Jahre Förderung im Gasfeld Söhlingen

Gasfeld Söhlingen - Bohrung Söhlingen Z1

Erdgasförderbohrung „Söhlingen Z1“ im Mäz 2012. Foto: S. Arndt

Die Erdgaslagerstätten in der Region zwischen Soltau und Rotenburg (Wümme) wurden seit den frühen 1980er Jahren entdeckt. So gelang der Aufschluss der Lagerstätte „Söhlingen“ 1980 mit der Bohrung „Söhlingen Z1“. Die Förderung begann wenige Jahre später und erreichte 1996 mit fast 2 Milliarden Kubikmetern ihren Höhepunkt. Inzwischen ist die Produktion deutlich zurückgegangen und erreichte 2018 nur noch knapp 330 Millionen Kubikmeter.

Fast 30 Jahre lang erfolgte die Förderung ohne großes Aufsehen in friedlicher Co-Existenz zwischen Bevölkerung und den Gasförderern. Die Samtgemeinde Bothel, auf deren Gebiet sich neben mehreren Förderplätzen auch die Zentralstation vom Gasfeld Söhlingen befindet, wurde dank Gewerbesteuereinnahmen eine der reichsten Niedersachsens.

Doch die Stimmung kippte schlagartig 2011. Kurz zuvor wurde unkritisch der Film „Gasland“ in öffentlich-rechtlichen Medien ausgestrahlt, obwohl bereits zu diesem Zeitpunkt der verantwortliche Filmemacher Josh Fox eingestanden hatte, bei einer der Schlüsselszenen, dem entzündbaren Wasserhahn, gewusst hatte, dass dieses Phänomen bereits vor der Erdgasförderung in der entsprechenden Region bekannt war.

Auch in anderen Medien, von der Lokalzeitung bis hin zu großen Magazinen fand „Gasland“ seinen durchweg unkritischen Niederschlag. Gleichzeitig wurde bekannt, dass der Betreiber vom Gasfeld Söhlingen, die ExxonMobil Production Deutschland GmbH (EMPG), unweit von Rotenburg eine Bohrung niedergebracht wird. Diese müsste einer hydraulischen Fracbehandlung (umgangssprachlich „Fracking) unterzogen werden, um eine wirtschaftliche Produktionsrate zu erzielen.

Das rief umgehend besorgte Bürger aus dem links-ökologischen Milieu auf den Plan und es wurden Bürgerinitiativen gegen das Vorhaben gegründet. Schließlich wurde in „Gasland“ behauptet, dass der brennende Wasserhahn sowie verschmutzte Trinkwasserbrunnen in den Appalachen Pennsylvanias Folge des „Frackings“ wäre. Zudem wurde verbreitet, dass die Bevölkerung in den „Fracking“-Gebieten Nordamerikas unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu leiden hätte.

LBEG lässt Umgebungsluft im Gasfeld Söhlingen untersuchen

Gasfeld Söhlingen

Erdgasförderbohrung „Söhlingen Z3“ im März 2012. Foto: S. Arndt

Der Film „Gasland“ war auch Thema einer „Panorama“-Sendung in der ARD. Der damalige Pressesprecher von Exxon Mobil Deutschland wurde mit den Szenen konfrontiert und antwortete darauf (ungefährer Wortlaut): „Wir fördern seit über 30 Jahren sicher und störungsfrei Erdgas“.

Was die eigentliche Förderung betrifft, stimmt das wohl. Allerdings gab es ausgerechnet zu dieser Zeit einen Schaden an einer Leitung, die dem Transport von aus der Tiefe mitgefördertem Lagerstättenwasser dient. Wie es sich gehört wurde nach Feststellung des Schadens die Leitung außer Betrieb genommen und das verschmutzte Erdreich sowie Grundwasser gereinigt. Diese Sanierungsmaßnahme wurde von einem Anwohner an den NDR gemeldet, der umgehend ein Reporterteam losschickte.

Im Ergebnis entstand ein Beitrag für die Sendung „Markt“, in dem die ordnungsgemäße Sanierung des Schadens zum „Umweltskandal“ aufgebauscht hätte, den der „US-Konzern“ versucht hätte, zu vertuschen, so der Vorwurf. Dem ExxonMobil-Pressesprecher wurde im Zusammenhang mit oben genanntem Statement eine „dreiste Lüge vor der Kamera“ vorgeworfen. Dumm nur, dass die Sanierungsmaßnahme aufgrund ihres Ausmaßes nicht übersehen werden konnte sowie ordnungsgemäß auf einem Baustellenschild, was auch im Beitrag gezeigt wurde. Aber angeblich stimmten die dort abgebildeten Rufnummern der Ansprechpartner nicht.

Spätestens nach diesem auf Skandalisierung statt sachlicher Information getrimmten „Markt“-Beitrages formierte sich Kritik und Widerstand gegen die Gasförderung auch in und um Söhlingen, spätestens nachdem der NABU im Umfeld eines Förderplatzes Bodenproben nahm, die „erhöhte“ Quecksilberwerte aufwiesen. Quecksilber ist in Lagerstätten des „Rotliegend“, wozu auch das Gasfeld Söhlingen zählt, ein natürlicher Begleiter im Erdgas.

In den NABU-Proben wurde ein Gehalt von 4,x bzw. 6,x mg Quecksilber je kg Trockenmasse Boden festgestellt. Da der Vorsorgewert bei 0,1 mg/kg für die Bodenart Sand liegt, sprach der NABU von einer 40 bis 70-fachen Grenzwertüberschreitung. Diese Aussage wurde unkritisch von den Medien verbreitet. Dabei gibt es nach Bundesbodenschutzverordnung keine Grenzwerte, sondern eben Vorsorge-, Prüf- sowie Maßnahmewerte. Für den Schutz der menschlichen Gesundheit gelten Prüfwerte. Der niedrigste, für Kinderspielplätze, liegt bei 10 mg Quecksilber je kg Trockenmasse Boden, der für Parks und Freizeitanlagen sogar bei 20 mg/kg. Doch diese entwarnende Einordnung wurde versäumt und aus für die menschliche Gesundheit harmlose Werte skandalisiert.

In der Folge kam das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) unter Zugzwang, eigenständige Untersuchungen zu Belastungen durch die Erdgasförderung durchzuführen bzw. durch Fachunternehmen durchführen zu lassen. So erfolgten 2012 Langzeitluftuntersuchungen rund um die Zentralstation Söhlingen. Das Ergebnis (LINK): Entwarnend. Es konnten weder erhöhte Werte von Benzol noch von Quecksilber dokumentiert werden. Und während der NDR über jedes Stöckchen sprang, um die Erdgasförderer mit einem Skandal zu belegen, wurde das entwarnende Untersuchungsergebnis verschwiegen. Siehe dazu auch: Das Verschweigen der Entwarnung auf unserer Seite.

Gehäufte Krebsfälle vermutet

Ergebnisse Bodenuntersuchungen Förderplätze Landkreis Heidekreis: Quelle: LBEG

Keine zwei Jahre später wandte sich eine im Gasfeld Söhlingen lebende Frau an die Öffentlichkeit. Ihr wären die zahlreichen Krebserkrankungen im persönlichen Umfeld suspekt. Zügig wurde von den Anti-Gasförderungs-Aktivisten ein vermeintlich Schuldiger ausgemacht: Die Gasförderung in der Region.

Daraufhin gab es eine umfassende Untersuchung in der Bevölkerung der Samtgemeinde Bothel sowie der benachbarter Gemeinden, in denen ebenfalls Erdgas gefördert wird. Das Ergebnis: Für die Samtgemeinde Bothel sowie untergeordnet in Rotenburg sind tatsächlich statistisch signifikant erhöhte Krebsraten ermittelt worden. Allerdings betraf es nur zwei Blutkrebsarten, nämlich das Multiple Myelom sowie das Non-Hodgkin-Lymphom. Betroffen waren lediglich Männer über 60, jedoch keine Frauen. Unmittelbare Nachbargemeinden von Rotenburg sowie Bothel, in denen ebenfalls aus den selben Lagerstätten Erdgas gefördert wird, zeigten hingegen keine Auffälligkeiten.

Logisch betrachtet ist dieses Untersuchungsergbnis also als entlastend hinsichtlich der Gasförderung zu sehen. Die Anti-Gasförderungs-Aktivisten interpretierten es jedoch genau gegenteilig und sahen sich bestätigt. Sie übten weiterhin Druck auf die Politik aus und fanden insbesondere beim NDR willfähige Erfüllungsgehilfen.

Quecksilberkontaminationen hatten weitere Untersuchungen zur Folge

Ergebnisse Bodenuntersuchungen Förderplätze Landkreis Rotenburg/Wümme: Quelle: LBEG

Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass den Gasförderunternehmen ein Persilschein ausgestellt werden kann. Denn tatsächlich sind an zwei Betriebsplätzen im Gasfeld Söhlingen Quecksilberwerte, teilweise durch die EMPG als Betreiber selbst, die sogar den Prüfwert für Industrieanlagen in Höhe von 100 mg je kg Trockensubstanz Boden überschritten. Dies zudem außerhalb des umzäunten Geländes. Betroffen waren Plätze, auf denen ausgemusterte Anlagenteile gereinigt worden sind. Als Ursache für die Kontamination wird quecksilberbelastetes Spritzwasser angenommen.

Das darf natürlich nicht passieren und es ist dabei irrelevant, dass die Werte dort festgestellt worden sind, wo sich normalerweise kein Mensch aufhält. Per Verordnung festgelegte Maximalwerte sind einzuhalten. Diesbezüglich gibt es nichts zu diskutieren! Und wer kritisch beäugt wird, sollte besonders sorgfältig arbeiten.

Infolge dieser Kontaminationen, aber auch infolge der Vorverurteilung, die Erdgasförderung wäre ursächlich für erhöhte Raten des Multiplen Myeloms sowie des Non-Hodgkin-Lymphoms ist seitens des LBEG eine umfangreiche Bodenuntersuchung im Umfeld von 100 Erdgasförderplätzen in Niedersachsen durchgeführt worden. Im Ergebnis mussten an fünf Plätzen, darunter die zwei im Gasfeld Söhlingen, Bodensanierungsmaßnahmen durchgeführt werden, da Quecksilberwerte in einzelnen Proben Prüf- bzw. Maßnahmewerte überschritten. Quecksilber ist, der Vollständigkeit halber, nicht als krebserregend bekannt.

Dennoch begannen die Untersuchungen rund um Bothel, um zu zeigen, dass die Befürchtungen aus Teilen der Bevölkerung ernst genommen wird. Ergänzend erfolgte eine erneute Untersuchung der Umgebungsluft. Die Ergbnisse dürften anhand der bisherigen kaum überraschen: Hinsichtlich der Bodenproben gab es Überschreitungen von Prüfwerten in exakt zwei Fällen. Eine systematische Belastung der Umwelt konnte nicht dokumentiert werden. Mehr dazu hier: Endbericht zu den Untersuchungen im Umfeld von Erdgasförderplätzen

Hinsichtlich der Luftuntersuchung ergab sich ein ähnliches Bild wie 2012. Die Ergebnisse gibt es hier: Immissionsmessungen im Landkreis Rotenburg (Wümme): Untersuchungsergebnisse (2016)

Doch von Fakten lassen sich Aktivisten und unterstützende Medien, die nach eigener Auskunft nur Missstände aufdecken wollen, leider nicht beeindrucken, und so wurden weitere Fässer aufgemacht, wie z.B. ein medial herbeigeredeter Bohrschlammskandal. Siehe dazu unsere umfassenden Serien Medial herbeigeredeter Bohrschlammskandal Teil I bis VII sowie Historische Bohrschlammgruben Teil I bis III 

Und noch ne Untersuchung…

Luftbild Zentralstation Gasfeld Söhlingen. Quelle: Google Maps

Da sich die Aktivisten gegen die heimische Erdgasförderung nicht von den entlastenden Ergebnissen der bisherigen Studien und Beprobungen beeindrucken ließen, hielten sie den Druck gegenüber Behörden und Regierung aufrecht. Zwischenzeitlich konnten sie mit freundlicher Unterstützung des NDR mit zeitweiliger Kooperation des WDR und MDR einen weiteren „Umweltskandal“ vom Zaun brechen, der für die erhöhten Blutkrebsraten in der Samtgemeinde Bothel verantwortlich sein könnte. Historische Bohrschlammgruben aus den 1960er Jahren.

Entsprechend sahen sich die Behörden veranlasst, eine weitere von Steuergeldern finanzierte Studie zu veranlassen, die eine eventuelle räumliche Nähe zwischen aktiven Förderplätzen sowie historischen Bohrschlammgruben und am Mutiplen Myelom bzw. Non-Hodkin-Lymphom untersuchen sollte.

Im Ergebnis stellte sich eine schwache räumliche Korrelation (Zusammenhang) zu aktiven Förderplätzen, eine deutlichere zu historischen Bohrschlammgruben heraus. Eine Kausalität (ursächlicher Zusammenhang) konnte nicht nachgewiesen werden und war auch nicht das Ziel der Untersuchung. Doch allein aufgrund der räumlichen Korrelation sahen sich die Aktivisten in ihrer Vorverurteilung bestätigt. Der Verfasser erinnert sich noch gut an das triumphierende Gehabe der Aktivisten im April 2017 , als die Ergebnisse der Abstandsstudie präsentiert wurden. Mehr dazu hier: Untersuchungsergebnisse zu erhöhten Blutkrebsraten in Bothel

Vertiefende Untersuchungen über ganz Niedersachsen räumten die Korrelation allerdings wieder aus. Das räumliche Zusammnfallen von Erdgasförderung und erhöhten Raten des Mutiplen Myeloms bzw. des Non-Hodkin-Lymphoms bleiben auf die Samtgemeinde Bothel sowie in geringerem Maße auf Rotenburg beschränkt.

Urinuntersuchung als finaler Studienakt?

Gasfeld Söhlingen

ITAG-Rig 30 beim Workover auf Söhlingen Z9 im Mai 2013. Foto: S. Arndt

Und schließlich ergriffen Studentinnen der Medizin Eigeninitiative und wollten anhand einer Studie herausfinden, ob die Erdgasförderung gesundheitlichen Einfluss auf die Bevölkerung im Gasfeld Söhlingen habe. Dazu wurde das Urin freiwilliger Probanden von Anwohnern auf Quecksilber sowie blutkrebsauslösendes Benzol untersucht. Zum Vergleich gab es entsprechende Untersuchungen von Probanden, die außerhalb der Gasfelder leben.

Mit einigen Monaten Verspätung wurde vor wenigen Tagen das Ergebnis der Untersuchungen durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung präsentiert: Studie ergibt keine erhöhten Benzol- und Quecksilberbelastungen für Bevölkerung in der Nähe von Erdgasförderanlagen

Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen, gäbe es dazu nicht einen unsäglichen Kommentar von Michael Krüger, Chefredakteur der Rotenburger Kreiszeitung und in der Vergangenheit schon häufiger durch mangelnde Distanz zu den Aktivisten aufgefallen.

Die im Krüger-Artikel Urin-Studie im Zusammenhang mit Erdgasförderung: Keine Belastungen – aber offene Fragen  zitierte nüchterne Feststellung von ExxonMobil „Laut Studie sind Anwohner keiner Benzol- und Quecksilberbelastung aus der Erdgasindustrie ausgesetzt“ und es gebe damit weiterhin „keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen Kohlenwasserstoffförderung und erhöhten Krebsfällen“ verunglimpft er als Jubelarie und konstatiert „Und auch die Gasförderer sind längst noch nicht raus. Denn ihnen müsste als Schlussfolgerung der Studien jetzt noch viel intensiver auf die Finger geschaut werden: Permanente Schadstoffmessungen bei Fackelarbeiten sind überfällig!“

Was wollen solche Leute wie Michael Krüger eigentlich? Es gab seit 2012 folgende fachlich fundierte Untersuchungen in der Samtgemeinde Bothel:

  • Langzeitluftuntersuchungen rund um die Zentralstation im Gasfeld Söhlingen 2012 – Ergebnis: Entlastend
  • Bodenuntersuchungen von Gasförderplätzen 2016-2018 – Ergebnis: Entlastend
  • Langzeitluftuntersuchung im Gasfeld Söhlingen auch während Fackelarbeiten 2016 – Ergebnis: Entlastend
  • Abstandsstudie zu Bohrschlammgruben und 2016-2017 – Ergebnis: Entlastend
  • Untersuchungen von Speisepilzen 2018 (Unauffällige Pilze) – Ergebnis: Entlastend
  • Human-Biomonitoring-Studie („Urinstudie“) 2019 – Ergebnis: Entlastend

Es bedarf schon eines gerüttelt Maß an Realitätsverweigerung zu fordern, jemandem noch intensiver auf die Finger zu schauen, wenn 6 von 6 fachlich fundierter Untersuchungen ergeben, dass dem unter Verdacht gestellten nicht ansatzweise eine Verantwortung nachgewiesen werden kann.

Prinzipiell wäre zu erwarten, dass nach dieser Vielzahl entlastender Untersuchungen langsam auch bei den Kritikern Vernunft einkehrt. Doch ob die „Urinstudie“ der letzte Akt war, bleibt abzuwarten.

Denn andernorts wird aktuell versucht, die jahrzehntelange Erdölförderung in Ostniedersachsen für vermeintlich erhöhte Krebsraten verantwortlich zu machen. Christian Schroeder, grüner Abgeordneter des Kreistags Gifhorn ist davon zumindest überzeugt, auch wenn Fachleute das anders sehen (Hankensbüttel: Krebsfälle entlang einer Route?)

. Es bleibt abzuwarten, was folgt. Kontakte zum NDR-Skandalisierungsformat „Markt“ sind bereits geknüpft. Siehe dazu unseren Beitrag NDR Markt rückt mit Falschdarstellungen Ölförderung in schlechtes Licht

In diesem Sinne… Glück Auf!

 

Artikelfoto: Erdgasförderbohrung Preyersmühle-Süd Z1. Foto: Steven Arndt, April 2017

Der Beitrag Gasfeld Söhlingen – Keine Belastung der Bevölkerung erschien zuerst auf Erdöl und Erdgas in Deutschland.

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Lithium – eine Chance auch für die deutsche Erdöl- und Erdgasbranche? – Teil 2 https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/lithium-eine-chance-auch-fuer-die-deutsche-erdoel-und-erdgasbranche-teil-2/ https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/lithium-eine-chance-auch-fuer-die-deutsche-erdoel-und-erdgasbranche-teil-2/#respond Mon, 04 Nov 2019 16:44:36 +0000 https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/?p=8356 von Dipl.-Geologe Dirk Weißenborn, Wietze In Teil 1 dieser Abhandlung wurden die verschiedenen Typen an Lithiumvorkommen ansatzweise besprochen und darüber hinaus die Aktivitäten nordamerikanischer Unternehmen zur Gewinnung von Lithium aus den dortigen Abwässern der Kohlenwasserstoffindustrie schlaglichtartig mittels Verlinkungen vorgestellt. Wieviel Lithium könnte jährlich aus Lagerstättenwasser extrahiert werden? Will man eine Abschätzung der aus deutschen Lagerstättenwässern […]

Der Beitrag Lithium – eine Chance auch für die deutsche Erdöl- und Erdgasbranche? – Teil 2 erschien zuerst auf Erdöl und Erdgas in Deutschland.

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von Dipl.-Geologe Dirk Weißenborn, Wietze

In Teil 1 dieser Abhandlung wurden die verschiedenen Typen an Lithiumvorkommen ansatzweise besprochen und darüber hinaus die Aktivitäten nordamerikanischer Unternehmen zur Gewinnung von Lithium aus den dortigen Abwässern der Kohlenwasserstoffindustrie schlaglichtartig mittels Verlinkungen vorgestellt.

Wieviel Lithium könnte jährlich aus Lagerstättenwasser extrahiert werden?

Will man eine Abschätzung der aus deutschen Lagerstättenwässern gewinnbaren Lithiummengen vornehmen, ist – noch vor der Beurteilung der verfahrenstechnischen Leistungsfähigkeit – zwei grundlegenden Fragen nachzugehen:

  1. Wie hoch sind die Konzentrationen an gelöstem Lithium in den verschiedenen Lagerstättenhorizonten?

  1. Welche Mengen an Lagerstättenwässern werden in Deutschland jährlich mitgefördert?

Man wird schnell feststellen, dass es nur relativ wenige, frei verfügbare Informationen zum Thema Lithiumkonzentrationen in Lagerstättenwässern gibt. Eine Zusammenfassung zahlreicher Analysendaten (Medianwerte verschiedener Horizonte) entstammt der folgenden Webadresse:

https://www.researchgate.net/publication/272677993_Hydrochemie_der_Tiefenwasser_in_Deutschland#pf5

Z. geol. Wiss., Berlin 41/42 (2013/14) 5–6: 339 – 380, 16 Abb., 1 Tab.

Z. geol. Wiss. 41/42 (5–6) 2013/14 339

Hydrochemie der Tiefenwässer in Deutschland

INGRID STOBER (Karlsruhe), MARKUS WOLFGRAMM (Neubrandenburg) & JOHANNES BIRNER (Neubrandenburg)

Die Publikation behandelt das Thema aus dem Blickwinkel der Tiefengeothermie, berücksichtigt aber auch Analysenergebnisse aus dem Bereich der Erdöl- und Erdgaslagerstättenwässer.

Zum Lithium enthält sie folgende – wörtlich zitierte – Aussage:

Lithium hat die höchsten Konzentrationen in den Wässern des Rotliegend (Median: 100 mg/l), gefolgt vom Zechstein (Median: 58 mg/l) und Buntsandstein (Median: 30 mg/l). Die Gehalte der weiteren Schichtenfolgen sind < 10 mg/l

Es sei darauf hingewiesen, dass für jeden Medianwert gilt: 50% der Datenelemente liegen darüber und 50% darunter. Lokal dürften also auch höhere Li-Konzentrationen zu erwarten sein.

Klar erkennbar ist die Zunahme der Li-Konzentrationen mit der Teufe. Es spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle, z.B. aufsteigende Wässer aus sauren Vulkaniten (Rotliegend) und Nähe zu Eindampfungssedimenten (Zechstein).

Aufgrund der höheren Gehalte sollen hier nur die Li-Konzentrationen der Wässer in Rotliegend und Zechstein als Ausgangsdaten dienen. Wir mitteln – sachlich nicht ganz sauber – die Werte 100mg/ und 58mg/l (arithmetisch) und erhalten den Durchschnittswert 79mg/l

Um nun überschlägig ermitteln zu können, wieviel Lithium aus deutschen Lagerstättenwässern des Erdgasförderung gewonnen werden kann, betrachten zusätzlich wir die folgenden Zahlen:

  • 6,3 Milliarden m³ inländische Erdgasförderung:(2018),

(Quelle: Wirtschaftverband Erdöl, Erdgas,Geothermie)

  • 50 cm³ Lagerstättenwasser fallen je Normkubikmeter an,

(Quelle: Exxonmobil-Webseite)

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass in den 6.3 Milliarden Kubikmetern inländischer Erdgasförderung auch Erdgasvolumina aus dem Buntsandstein enthalten sind, wird in dieser abschätzenden Plausibilitätsrechnung von 6 Milliarden Kubikmetern Erdgas aus den Formationen Rotliegend und Zechstein ausgegangen.

Die Gesamtrechnung des Volumens an Erdgaslagerstättenwässern lautet somit:

6 Milliarden [m³] x [50 / 106] m3 = 300.000 m³ Lagerstättenwasser jährlich

Die weiter oben rechnerisch ermittelte durchschnittliche Li-Konzentration von 79 mg/l bzw. 79 g / m³ muss somit nur noch mit diesem aktuellen, jährlichen Volumen anfallenden Lagerstättenwassers multipliziert werden:

300.000 [m³] x 0,079 kg = 23700 kg = 23,7 to

Eine solche jährliche Lithiumgewinnung aus Lagerstättenwässern der beiden wichtigsten deutschen Erdgasformationen erscheint tatsächlich marginal. Ein Blick in die globale Förderstatistik unter dem Suchwort „Lithium“ bei Wikipedia weist allein für Chile 14100 t/a und Australien 18700 t/a aus. Selbst für das weniger bedeutende Lieferland Portugal schlagen immerhin noch 400 t/a zu Buche.

Die knapp 24 t Lithium jährlich reichen tatsächlich für die Akkus von nur etwa 2400 bis 5000 Elektrofahrzeugen jährlich. Damit bewegt man sich – je nach Modell – in Bereichen von weniger als einer Wochenproduktion.

Die knapp 24 t Lithium p.a. wurden zudem unter der Prämisse einer 100-prozentigen Extraktion des Lithiums errechnet. Tatsächlich dürfte der Extraktionsgrad jedoch geringer sein.

Auf die rechnerische Heranziehung von Erdöllagerstättenwässern zur potentiell möglichen Lithiumgewinnung wurde hier allein schon aufgrund der oben genannten geringen Werte (<10 mg/l) verzichtet. Schließlich bedeutet es zunächst einen Investitionsaufwand unbekannter Höhe (Extraktionsanlagen), sofern die Erdöl- und Erdgasbranche oder andere Investoren in Deutschland überhaupt in dieses Geschäft einsteigen wollten.

Lithium auch in anderen mineralisierten Tiefenwässern enthalten

Andererseits ist die Gewinnung bereits gelösten Lithiums aus Lagerstättensolen betriebswirtschaftlich mit Sicherheit günstiger, als Festgesteinsvorkommen in Deutschland, z.B. im Erzgebirge, abzubauen und einem aufwändigem chemischen Aufschluss- und Verarbeitungsprozess zu unterziehen.. Man denke nur an die Genehmigungsverfahren und Schwierigkeiten durch nachbarschaftliche Einsprüche und eventuelle gerichtliche Klageverfahren. Zudem macht die Förderung eines „by-products“ neben dem Erdgas betriebswirtschaftlich durchaus Sinn.

Allerdings sollte das Lithium als „bergfreier“, also der Allgemeinheit gehörender Bodenschatz, staatlicherseits komplett von Förderabgaben befreit werden.

All das und noch wesentlich mehr (Preise, Erlöse; etc.) gilt es abzuwägen und sicher haben solche Vorhaben unter den aktuellen Gesamtumständen kaum Aussicht auf Realisierung.

Die knapp 24 t Li jährlich aus dem Erdgassektor allein stellen kein gutes Pro-Argument dar. Denken wir jedoch über den Kohlenwasserstoffsektor hinaus, so kommen zusätzlich der Sektor Tiefengeothermie sowie die Kaliindustrie mit ihren erheblichen Solemengen als zusätzliche Lieferanten in Frage.

So verschiedene Produzenten zu einheitlichem Handeln zu bewegen und unterstützende Rahmen für diese zu setzen, ist jedoch Aufgabe der Politiker.

Wenn diese jedoch nichts an der 100% Li-Importabhängigkeit der deutschen Wirtschaft ändern wollen, ist jeder offene Gedankenansatz von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Über Rückmeldungen und Anmerkungen zum Thema Lithiumextraktion aus Lagerstättenwässern und anderen Solen würde sich der Autor sehr freuen.

Artikelfoto: KCA-Deutag Bohranlage T-208 auf Bohrung Dötlingen Z3A. Foto: Markus Stahmann, Juli 2019

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In der Grafschaft Bentheim wird wieder gebohrt https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/in-der-grafschaft-bentheim-wird-wieder-gebohrt/ https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/in-der-grafschaft-bentheim-wird-wieder-gebohrt/#respond Sun, 03 Nov 2019 16:15:24 +0000 https://www.erdoel-erdgas-deutschland.de/?p=8349 Im Januar 2019 berichteten wir darüber, dass der in Lingen ansässige deutsche Ableger des Erdöl- und Erdgasproduzenten Neptune Energy eine neue Erdgasbohrung im Gasfeld „Adorf“ plant. Nachdem der Bohrplatzbau beendet sowie alle behördlichen Genehmigungen vorliegen, kann nun mit den Bohrarbeiten begonnen werden. Zudem beginnt im von Wintershall Dea operierten Ölfeld Emlichheim am Nordrand der Grafschaft […]

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Im Januar 2019 berichteten wir darüber, dass der in Lingen ansässige deutsche Ableger des Erdöl- und Erdgasproduzenten Neptune Energy eine neue Erdgasbohrung im Gasfeld „Adorf“ plant. Nachdem der Bohrplatzbau beendet sowie alle behördlichen Genehmigungen vorliegen, kann nun mit den Bohrarbeiten begonnen werden. Zudem beginnt im von Wintershall Dea operierten Ölfeld Emlichheim am Nordrand der Grafschaft Bentheim eine neue Bohrkampagne.

Adorf Z15 sucht nach Teillagerstätte

Aufbau der Bohranlage auf der Lokation „Adorf Z15“. Foto: C. Lübbers, November 2019.

In der Grafschaft Bentheim sowie dem benachbarten Emsland befinden sich zahlreiche kleinere bis mittelgroße Erdgaslagerstätten. Diese befinden sich in verschiedenen geologischen Formationen im Karbon (Sandsteine), Zechstein (Karbonate) sowie Buntsandstein (Sandsteine). In einer Lagerstätte erwiesen sich zudem Sandsteine des Rotliegend als gasführend. In der Lagerstätte Adorf sind bislang Buntsandstein und Zechstein produktiv (gewesen).

Mit der „Adorf Z15“ ist nach Angaben von Neptune Energy das Karbon in 3.500 m Tiefe der Zielhorizont. Demnach handelt es sich um eine Teilfeldsuchbohrung. Hintergrund des Vorhabens sind seismische Untersuchungen aus dem Jahr 2014. In deren Auswertung zeigte sich eine möglicherweise gasführende Struktur. Ob tatsächlich Erdgas vorhanden und es sich wirtschaftlich fördern lässt, kann nur mittels einer Tiefbohrung mit anschließenden Testarbeiten ermittelt werden.

Zum Abteufen der Bohrung wird eine Bohranlage des Unternehmens KCA-Deutag aus Bentheim verwendet. Deren Errichtung ist inzwischen abgeschlossen, so dass mit dem Beginn der Bohrarbeiten in den nächsten Tagen gerechnet werden kann. Eventuell haben sie bereits begonnen.

Für die Bohrarbeiten ist ein Zeitraum von drei Monaten vorgesehen. Anschließend erfolgen nach Abbau der Bohranlage Fördertests. Sollten diese eine Gaslagerstätte nachweisen, werden auf dem Platz Förder- und Aufbereitungsanlagen installiert. Das gewonnene Gas wird direkt in das regionale Netz eingespeist.

Über das Ergebnis der Bohrung werden wir bei gegebener Zeit unsere Leserschaft informieren.

Neue Bohrkampagne an Nordgrenze der Grafschaft Bentheim

MBWS-Bohranlage T-48 im Ölfeld Emlichheim. Foto: S. Arndt, Januar 2017.

Neben den Gaslagerstätten gibt es in der Grafschaft Bentheim sowie im benachbarten Emsland auch zahlreiche Öllagerstätten. Doch anders als bei den Gasfeldern zählen einige davon zu den bedeutendsten in Deutschland. Zu diesen zählt auch das Ölfeld Emlichheim. In den letzten Monaten erlangte es aufgrund einer größeren Havarie, aus einer Bohrung traten bis zu 220.000 Kubikmeter Lagerstättenwasser aus, zu ungewollter Bekanntheit. Auch wir berichteten dazu z.B. hier: Lagerstättenwasser-Austritt Emlichheim – Die Fakten und hier: Lagerstättenwasser-Austritt Emlichheim 132 – Die Skandalisierung

Doch auch für seine vergleichsweise stabile Förderhistorie über Jahrzehnte hinweg, die nur durch fortwährende technische Innovationen möglich ist, ist das Ölfeld bekannt. Um die Förderung weiterhin auf hohem Niveau halten zu können, beginnt in diesen Tagen eine weitere Bohrkampagne, wie der Betreiber Wintershall Dea in einer Pressemitteilung vom 25.10.2019 bekannt gab. Nach Planungen des Betreibers sollten die Bohrarbeiten am 1. November 2019 mit der Bohrung „Emlichheim 192“ im Westteil des Ölfeldes beginnen.

Insgesamt sind im Rahmen der Kampagne vier neue Bohrungen von drei verschiedenen Plätzen aus vorgesehen. Dazu wurden ab Juni 2019 an diesen Standorten die Standrohre gerammt und die Betriebsplätze hergerichtet. Zusätzlich werden im Zuge der Kampagne zwei Ablenkungen aus bereits bestehenden Bohrungen erfolgen. Für jede Bohrung ist ein Zeitraum von je zwei Wochen anberaumt, wobei die Arbeiten rund um die Uhr an allen Wochentagen laufen werden. Der Abschluss der neuen Bohrkampagne ist für Februar 2020 vorgesehen.

Mit den neuen Bohrungen ist der Hauptspeicher der Lagerstätte, der Bentheimer Sandstein in 800 bis 900 m Tiefe. Ziel ist es, die Förderung von rund 150.000 Tonnen Erdöl pro Jahr weiterhin aufrecht zu erhalten.

 

Artikelfoto: MBWS-Bohranlage T-48 im Ölfeld Emlichheim. Foto: S. Arndt, Januar 2017

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