Kein Erdöl aus Ampfing

Rund 65 Kilometer ostnordöstlich von München befindet sich im bayerischen Alpenvorland die Gemeinde Ampfing. Dort gelang 1954 der erste wirtschaftliche Erdölfund Bayerns. Erdöl aus Ampfing wurde bis 1987, als die Förderung zu den damaligen Weltmarktpreisen unwirtschaftlich wurde, produziert. Bis dahin konnten knapp 551.000 Tonnen Erdöl (Erdölförderung 1951-1996 ) sowie bis 1980 etwa 410 Millionen Kubikmeter Erdgas gewonnen werden. Ende 2014 gab die österreichische Rohöl-Aufsuchungs AG (RAG) bekannt, eine Wiederaufnahme der Förderung prüfen zu wollen. Nun liegt ein Ergebnis dieser Bemühungen vor.

Phase I des Wiedererschließungsprojekts „Erdöl aus Ampfing“

Testarbeiten auf Wiedererschließungsbohrung „Ampfing-RAG 1“. Foto: U. Schumertl

Seit 1997 war die RAG Inhaber der Aufsuchungserlaubnis „Salzach-Inn“ in Niederbayern. Von da an hat seitdem mehrere Aufschlussbohrungen zur Erkundung von Erdgaslagerstätten abgeteuft. Bis auf die Bohrung „Assing R1“ aus dem Jahr 2010, die selbst jedoch keine nennenswerten Erdgasmengen produzierte, blieben alle weiteren Bohrungen leider völlig erfolglos.

2008 führte die RAG für das von der Aufsuchungserlaubnis überdeckte Gebiet eine Studie zur Bewertung des verbliebenen Potenzials an Kohlenwasserstoffen (Erdöl und Erdgas) durch. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ließen sich aus den aufgegebenen Lagerstätten „Ampfing“ sowie der benachbarten kleineren „Mühldorf-Süd“ verbliebene Erdölmengen wirtschaftlich gewinnen, so das Ergebnis.

Sollte eine Erkundungsbohrung, die zunächst für 2015 geplant war, ein positives Ergebnis erzielen, war ein 3D-Seismikkampagne vorgesehen, um ein genaueres Abbild des geologischen Untergrundes zu erbringen, anhand dessen optimale Bohrziele zur Wiedererschließung festgelegt würden.

Die für 2015 geplante Bohrung mit der etwas kuriosen Bezeichnung „Ampfing RAG 1“ konnte jedoch erst Anfang des Folgejahres umgesetzt werden. Nach Abschluss der ca. 1.900 m tiefen Bohrung erfolgten Messarbeiten, die erwartungsgemäß Erdöl im Speichergestein nachwiesen. In der Folge ließ die inzwischen gegründete deutsche RAG-Tochter RDG (die mittlerweile völlig eigenständig ist), einen Langzeitfördertest durchführen. Dieser begann Ende August 2016 und lief bis in den Oktober des selben Jahres.

Die Ergebnisse des Tests waren ernüchternd. Zwar war der angetroffene „Ampfinger Sandstein“ ölimprägniert, jedoch floss nicht genügend Öl der Bohrung zu, um eine wirtschaftliche Gewinnung zu ermöglichen. Laut des Projektleiters Ernst Burgschwaiger könnte eine Erklärung sein, dass ein bereits entölter Lagerstättenbereich angefahren worden ist. Somit ist kaum noch leicht mobilisierbares Erdöl vorhanden, sondern solches, welches am Speichergestein anhaftet.

RAG bzw. RDG hielten dennoch am Vorhaben fest, da die gewonnenen Erkenntnisse der „Ampfing RAG 1“ auch Positives hervorbrachten: Bohrkerne zeigten bessere Lagerstätteneigenschaften als vermutet, was zu einer höheren Beweglichkeit des Erdöls über größere Bereiche führen kann. Zudem erlaubten die aus Bohrloch- und Zuflussmessungen eine Verbesserung des Lagerstättenmodells.

„Erdöl aus Ampfing“ – Wiedererschließungsprojekt Phase II

2017 erfolgte die geplante 3D-Seismikkampagne, deren Ergebnisse im Folgejahr vorlagen und der Öffentlichkeit durch die RDG Energy GmbH (RDG), nach Ausgründung aus der RAG nunmehr ein eigenständiges Unternehmen unter dem Dach des Fachinvestors Petroleum Equity präsentiert wurden. Zusammen mit den Informationen aus der Erkundungsbohrung „Ampfing RAG 1“ sollte ein dreidimensionales Abbild der geologischen Schichten des Untergrunds erstellt werden. Dieses Lagerstättenmodell bildet die Grundlage für die weiteren Erkundungsaktivitäten.

Laut des Projektleiters wisse die RDG nun, wo genau das verbliebene Erdöl mit hoher Wahrscheinlichkeit zu finden sei. Auf den erzeugten Bildern erkennen man die Stellen im Untergrund, an denen sich das Erdöl aufgrund der geologischen Gegebenheiten gesammelt habe. Noch für 2018 plante RDG zwei weitere Bohrungen mit den Bezeichnungen „Schicking 2“ bzw. „Schicking 3“ vom bestehenden Bohrplatz aus durchzuführen. Die Umsetzung erfolgte dann aber erst im Folgejahr. RDG blickte einem Erfolg optimistisch entgegen und meldete Ende November 2018, dass nach Abschluss es wieder eine Produktion von Erdöl aus Ampfing gebe. Eine solche Formulierung ist mindestens unglücklich, da die Wiederaufnahme der Förderung einen erfolgreichen Produktionstest voraussetzt. Die „Schicking 2“ untersuchte zusätzlich Horizonte unterhalb des „Ampfinger Sandsteins“ auf Ölführung, jedoch ohne Erfolg.

Wieder ernüchternder Fördertest

Nachdem RDG im vergangenen Jahr regelmäßig Mitteilungen zum Projektstatus veröffentlichte und die beiden „Schicking“-Bohrungen bereits als „Förderbohrungen“ bezeichnete, wurde es im letzten halben Jahr, also ab November 2019 still um das Vorhaben.

Doch am 13.05.2020 erschien bei OVB-Online ein Artikel, der sich mit dem Projekt und dabei speziell mit den Testergebnissen befasste. Demnach fiel das Ergebnis nicht so aus wie gewünscht. So sei der Zufluss des Öls zur Bohrung zu gering, so dass eine wirtschaftliche Förderung nicht möglich sei. Angaben, welche Mengen während des Tests zuflossen, machte das Unternehmen nicht. Auch auf der eigens eingerichteten Projektseite energie-aus-ampfing.de gibt es dazu nichts zu lesen, nicht einmal eine allgemein gehaltene Pressemitteilung zum Ende des Fördertests, was bereits im Februar der Fall war. Erdöl aus Ampfing wird es also bis auf Weiteres nicht geben.

Eventuell, so der OVB-Artikel, will RDG etwas weiter westlich in der Nachbargemeinde Heldenstein eine weitere Erkundungsbohrung durchführen. Eine Entscheidung darüber könne aber frühestens zum Jahreswechsel gefällt werden.

Vielleicht waren die Schicking-Bohrungen auch keine völlige Fehlinvestitionen, da eventuell die Möglichkeit besteht, sie zur Erdwärmegewinnung entweder mittels Erdwärmesonde oder für die Gewinnung von Thermalwasser nachzunutzen.

 

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Artikelfoto: Bohranlage E 202 der RED auf der Bohrung Ampfing-RAG 1 im Februar 2016, ©U. Schumertl