ZDF-Länderspiegel über Gasförderung bei Rotenburg – Eine Aneinanderreihung von Unwahrheiten Teil II

Am 09.02.2019 widmete sich der ZDF-Länderspiegel dem Thema Gasförderung bei Rotenburg und der angeblich damit verbundenen Gefahren für Mensch und Umwelt. Bei genauerer Betrachtung ist dieser Beitrag kaum mehr als eine Aneinanderreihung von Unwahrheiten gewesen, wie wir bereits in Teil I darlegten. Irritierend u.a. war die Behauptung in dem Beitrag, dass ein sehr umtriebiger und in diversen Medien präsenter Gegner der Erdgasförderung immer wieder Bodenuntersuchungen vornähme und dabei Auffälligkeiten festgestellt hätte. Wir sind der Sache nachgegangen und können aufzeigen, dass sich das ZDF tatsächlich nicht an die Fakten gehalten hat.

Erhebliche und unzulässige Schadstoffbelastung durch Gasförderung?

Angstschürerei durch ZDF-Länderspiegelbeitrag, Screenshot aus dem Beitrag

Im Länderspiegel-Beitrag wurde behauptet, dass „erhebliche und unzulässige“ Werte von Quecksilber, Zink und Cadmium nachgewiesen worden wären. Auffälligkeiten hätte angeblich der Aktivist Andreas Rathjens festgestellt und Anzeige erstattet. Das führte unsererseits zu Irritationen, wie in Teil I beschrieben: „Informationen zu dieser angeblichen Boden-„Verseuchung“ lassen sich nirgends finden. Dabei wären doch die Bürgerinitiativen, der Regionalsender NDR sowie die lokalen Presseorgane die ersten, die darüber berichtet hätten“.

In Teil I vom 17.02.2019 warfen wir deshalb die Frage auf, über welche Qualifikation der ehemalige Groß Meckelser Landwirt (das Dorf liegt 15 Kilometer von der nächsten Erdgasförderbohrung entfernt) verfügt, ordnungsgemäß Bodenproben zu entnehmen und analysieren zu lassen. Hinzu kommt, dass umfangreiche orientierende Bodenuntersuchungen im April 2014 keine Auffälligkeiten ergaben. Auch das verstärkte unsere Irritation.

Aufgrund des augenscheinlichen Widerspruchs zwischen uns bekannten Untersuchungsergebnissen aus 2014 und den im ZDF-Länderspiegel getätigten Behauptungen wandten wir uns an die zuständige Behörde, das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), und baten um Aufklärung hinsichtlich der seitens des Länderspiegels getätigten Vorwürfe bzw. Behauptungen.

Die Antwort entkräftet zwar die vom Verfasser angestellte Vermutung, dass das ZDF in dieser Angelegenheit den Zuschauer bewusst getäuscht hätte, bekräftigt gleichzeitig jedoch den Vorwurf, den Sachverhalt nicht korrekt dargestellt zu haben.

Keine eigenständigen Untersuchungen durch Aktivisten

Erdgasförderbohrung Preyersmühle-Süd Z1, April 2017. Foto: Steven Arndt, Zum Vergrößern anklicken.

Denn im Beitrag über die angeblich mit der Gasförderung einhergehenden Gefahren war von „erheblichen“ die Rede sowie von“unzulässigen“ Werten hinsichtlich der zuvor genannten Schadstoffe.

In Bezug auf die vom ZDF-Bericht getätigten Behauptungen fragte der Verfasser beim LBEG Folgendes:

„Liegen Ihnen Messwerte vor, welche Prüf- bzw. Maßnahmewerte der genannten Schwermetalle gemäß Bundesbodenschutzverordnung im Umfeld des Förderplatzes „Söhlingen Z5″ übersteigen? Sind im Umfeld des Förderplatzes Bodensanierungen erforderlich und geplant?“

Die Beantwortung der Fragen liegt uns inzwischen vor. Zunächst wird auf die 2014er Untersuchungen eingegangen, die im Zusammenhang mit Meldungen über einen angeblichen „Säureregen“ standen, der unserer Meinung nach von Aktivisten frei erfunden war. Artikel zu dieser offensichtlichen Spinnerei, die u.a. von NDR und Radio Bremen trotz widersprüchlicher Aussagen angeblicher Zeugen, darunter auch der „Anwohner“ Andreas Rathjens, unkritisch verbreitet wurde, gibt es bei uns unter dem Tag „Säureregen Söhlingen“ zu lesen.

In der Antwort des LBEG wird abermals klargestellt, dass bei den nachfolgenden Untersuchungen im Umfeld des Förderplatzes „Söhlingen Z5“ keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt werden konnten. Das LBEG hatte dazu Bodenproben, das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) Futtermittelproben entnommen.

2017 wurden Umbauarbeiten an der Platzentwässerung der „Söhlingen Z5“ vorgenommen. In diesem Zusammenhang wurden dem LBEG Beobachtungen an Anlagenteilen und Bodenaushub angezeigt, die auf eine Bodenverunreinigung hinweisen. Es hat also, anders als vom ZDF-Länderspiegel behauptet, keine Untersuchungen durch den umtriebigen Landwirt im Ruhestand gegeben.

Sachverständiger: Keine Gefährdung – LBEG empfahl dennoch Gefahrenabwehr

Erdgasförderbohrung Hemsbünde Z6 bei Rotenburg/Wümme. Foto: Steven Arndt, April 2017. Zum Vergrößern anklicken.

Die Hinweise wurden vom LBEG an den Betreiber der Förderbohrung weitergegeben sowie weitergehende Untersuchungen durch einen Sachverständigen veranlasst. Tatsächlich wurden bei den orientierenden Beprobungen erhöhte Werte von Quecksilber, Zink, Cadmium, Kohlenwasserstoffen (Überschreitung der Schwellenwerte (OW)) und BTEX im Sediment des nördlich des Förderplatzes verlaufenden Grabens. Die Gegner der inländischen Gasförderung mögen sich in ihrer Ablehnung sowie in ihrer Ansicht, Erdgasproduktion ziehe erhebliche Umweltbelastungen mit sich, bestätigt fühlen, doch so einfach ist die Angelegenheit nicht.

Denn auf die orientierenden Untersuchungen folgten Detailuntersuchungen von Boden- und Sedimentproben aus dem Graben sowie die Bewertung der daraus resultierenden Gefährdungen. Diese sind vorgeschrieben, wenn die sehr niedrig angesetzten Schwellenwerte schon bei einem der beprobten Stoffe überschritten werden. Bezüglich des besonders im Fokus stehenden Quecksilbers darf der Masseanteil nicht einmal ein Millionstel der Masse der Bodenprobe enthalten. Der Schwellenwert liegt konkret bei 0,8 mg/kg Sediment.

Der Sachverständige kam zum Ergebnis, dass keine Gefährdung vorliegt. Demnach können die bei den orientierenden Untersuchungen, anders als vom ZDF dargestellt, nicht „erheblich“ gewesen sein. Dennoch empfahl das LBEG eine vorsorgliche Gefahrenabwehr und strafte damit die Gegner der Gasförderung Lügen, die behaupten, das LBEG wäre Handlanger der Öl- und Gasförderer, weshalb das Landesamt von ihnen auch schon als „unterirdische Behörde“ verunglimpft wurde. In Abstimmung mit dem LBEG wurde eine Beräumung des betroffenen Grabenabschnitts festgelegt. Insofern war die Darstellung des ZDF korrekt, dass eine Sanierung des Bereichs vorgenommen werden musste. Nicht jedoch aufgrund einer tatsächlichen Gefährdung durch „erhebliche“ Belastung, wie behauptet, sondern aus Vorsorge.

Darüber hinausgehende Bodensanierungen im Umfeld des Förderplatzes sind nicht erforderlich, was wiederum mit der Mär der Anti-Gasförderung-Aktivisten aufräumt, dass im Zusammenhang mit der Erdgasproduktion eine starke Umweltbelastung einherginge. Mehrfache und verschiedenartige Untersuchungen in den vergangenen Jahren haben stattdessen bestätigt, dass die heimische Förderung in der Regel ordnungsgemäß und umweltschutzkonform abläuft, auch wenn die Aktivisten, Politiker und einige Journalisten nicht wahrhaben wollen.

Im Übrigen hat der Verfasser auch den für den Länderspiegel verantwortlichen ZDF-Mitarbeiter mit den zahlreichen Falschdarstellungen konfrontiert. Mehr als die Antwort, die Kritik werde redaktionsintern diskutiert, kam nicht heraus, obwohl eine Richtigstellung bei einer solchen Vielzahl von Falschbehauptungen mehr als angemessen wäre.

 

Artikelfoto: DEA-Bohranlage T-160, März 2019. Foto: Steven Arndt