Erdgasbohrung Hemsbünde Z5 – Aufregung wegen Fackelarbeiten

Langwedel-Erdbeben

Am 11. August informierte RWE-Dea darüber, die seit 1991 in Betrieb befindliche Erdgas-Produktionsbohrung „Hemsbünde Z5“ im Landkreis Rotenburg / Wümme (LK ROW) in 4.850 Metern Tiefe von feinen Sandpartikeln zu reinigen. Zur Durchführung der Arbeiten ist ein auf einer Trommel aufgewickeltes Stahlrohr, ein sogenanntes „Coiled Tubing“) in den Förderstrang eingeführt worden.

Nachdem die Reinigungsarbeiten abgeschlossen sind, muss die Bohrung „freigefördert“ werden, was allgemein heißt, dass zuvor eingebrachte Substanzen bzw. deren Reaktionsprodukte aus der Bohrung herausgefördert werden. Das dabei anfallende Erdgas muss dann über eine Fackel verbrannt werden. Aufgrund der instabilen Drücke während der Freiförderphase kann laut RWE-Dea-Mitteilung vom 11. August 2014 kein geschlossenes Verbrennungssystem („Enclosed Burner“) verwendet  werden, weshalb das Erdgas über eine Fackel mit offener Flamme verbrannt werden sollte und das laut Planung nur tagsüber.

Doch leider lassen sich Vorhaben nicht immer so umsetzen, wie sie geplant wurden. Und das traf auch auf die Abfackelungstätigkeit im Zuge der Arbeiten auf der „Hemsbünde Z5“ zu. Dort musste laut eines Artikels der „Kreiszeitung“ in der Nacht vom 16. auf den 17. August Erdgas abgefackelt werden:

Ein heller Feuerschein sorgte bei vielen Lesern der Kreiszeitung am Wochenende für Irritationen. In der Nacht zu Samstag war die Feuersäule an der Bundesstraße 75 zwischen den Abfahrten West und Nord nicht zu übersehen.

Die Bohrung befindet sich nördlich von Rotenburg in einigen hundert Metern Entfernung von der nächstgelegenen Wohnbebauung entfernt, die durch Wald bzw. ein Gewerbegebiet abgeschirmt ist. Selbstverständlich ist es dennoch je nach Intensität der Fackel möglich, dass deren Leuchten weithin sichtbar ist. Ob aber tatsächlich „viele Leser“ der Kreiszeitung davon etwas mitbekommen haben, darf aufgrund der Uhrzeit der Fackeltätigkeit und der nicht gerade unparteiischen Rolle derselben gegenüber der regionalen Erdgasförderung bezweifelt werden. Dazu später mehr.

Begründet wurden die unplanmäßigen Fackeltätigkeit durch einen RWE-Dea-Sprecher folgendermaßen (Zitat aus dem „Kreiszeitung“-Artikel):

Die Fackelarbeiten wurden ausnahmeweise und entgegen der ursprünglichen Planung am Samstagmorgen zwischen 1 und 2.30 Uhr durchgeführt. Während dieses Zeitraumes musste aus technischen Gründen der Druck der hydrostatische Säule innerhalb der Bohrung leicht abgesenkt werden. […]

Das erscheint plausibel. Doch nachdem die Lokalpolitik wahrscheinlich aus der Lokalpresse von den Fackelarbeiten las, fühlte diese sich umgehend auf den Plan gerufen, wie aus einem weiteren Artikel der „Kreiszeitung“ hervorgeht:

Die Arbeiten an der Erdgas-Förderstelle Hemsbünde Z5 an der Westerholzer Straße in Rotenburg sorgen in der Kreispolitik für Irritationen.[…] Insbesondere der nächtliche Einsatz einer konventionellen Fackel zum Verbrennen von Gas, das nicht aufgefangen werden kann,  sei zu kritisieren.

Die Frage ist, warum das zu kritisieren sei. Schließlich ist die Bohrung seit über 20 Jahren in Betrieb und es ist gewiss nicht das erste Mal, dass dort offen Erdgas abgefackelt wird. Doch die Antwort ist nicht schwer: Spätestens seit April 2014 steht das offene Abfackeln von Erdgas in der Kritik. Damals behaupteten mehrere Vertreter von Anti-Erdgasförderungs-Bürgerinitiativen (BI), dass am 1. April auf sie während der Fackelarbeiten auf der Bohrung „Söhlingen Z5“ ein Säureregen niedergegangen sei. Als Beweis dafür wurden durchlöcherte Pflanzenblätter angeführt, wie z.B. in diesem Artikel, ebenfalls bei der „Kreiszeitung“ erschienen:

Verdacht auf Säure-Regen

Dieser angebliche Säureregen war mehrfach auch bei uns Thema, z.B. HIER, HIER oder ganz speziell in Form eines Experimentsberichts HIER.

Obwohl bis heute kein Beweis für den unterstellten Säureregen erbracht werden konnte sondern im Gegenteil keine Hinweise gefunden wurden , brannten sich die diversen Medienberichte, insbesondere die der „Kreiszeitung“ und des immer nach einem „Umweltskandal“ suchenden NDR (siehe hie Ingo Thöne) dennoch offenbar in die Köpfe der Kreispolitiker ein.  Nicht anders ist zu erklären, dass die Begründung der RWE-Dea ganz im Stile der BI angezweifelt wird, ohne auch nur eine belastbare und  stichhaltige Gegenthese zu formulieren. Stattdessen laut des „Kreiszeitung“-Artikels Vorwürfe seitens des SPD-Politikers Bernd Wölbern:

Für Wölbern ist diese Erklärung „wenig stichhaltig und vorgeschoben, da es technisch kein Problem sein kann, solche Druckschwankungen soweit abzufangen, dass ein ‚enclosed burner‘ selbstverständlich eingesetzt werden kann“.

Zudem hätten in der jüngsten Kreiszeitung alle Abgeordneten einem Beschluss zugestimmt, welcher zum Ziel hat,

weitere Gefährdungen der Bevölkerung durch Auswirkungen der Erdgas- und Erdölförderung nicht hin-zunehmen“.

Doch für diese angebliche Gefährdung sollte es erst einmal stichhaltige Beweise geben. Der Verkehr auf der B75 in unmittelbarer Umgebung der „Hemsbünde Z5“ trägt sicherlich erheblich mehr einer gesundheitlichen Belastung der Bevölkerung bei als ein paar Stunden Fackeltätigkeit unter Einsatz von Filteranlagen alle Jubeljahre/Bohrung.

Zum Abschluss noch ein Beleg für die nicht unparteiische Berichterstattung „Kreiszeitung“ bezüglich der regionalen Erdgasgewinnung . Der Screenshot ist ein Auszug von der Facebook-Seite des mehrfach im Fernsehen (NDR, Radio Bremen) und auch in der „Kreiszeitung“ zu sehenden bzw. interviewten Aktivisten Denis S. und stellt eine Statusmeldung dar. Geliked wird diese durch Herrn Michael Krüger, seines Zeichens Redaktionsleiter der Lokalausgabe der „Kreiszeitung“, den „Visselhöveder Nachrichten“.

Herr Krüger ist außerdem der Verfasser der verlinkten „Kreiszeitung“-Artikel zu den Arbeiten auf der „Hemsbünde Z5“, die allerdings neutral ausfallen. In diesem Zusammenhang ist der Vorwurf einer nicht vorhandenen Neutralität nicht zutreffend.

Vielleicht sollten tatsächlich parallel zu Fackelarbeiten Emissionsmessungen durchgeführt werden, sowohl vor als auch während der Maßnahme. Im wahrscheinlichen Fall des Nichtzutreffens der Anschuldigungen der BI sollten diese sich öffentlich für diese entschuldigen. Selbstverständlich müssten im gegenteiligen,aufgrund vorgeschalteter Filter und Abscheider, unwahrscheinlichen Fall von der Industrie Maßnahmen ergriffen werden, um belastende Emissionen zu vermeiden.